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Corona-Mehrausgaben Krankenkassen können deutlich weniger in Start-ups investieren

Krankenkassen dürfen sich mit bis zu zwei Prozent ihrer Rücklagen an Start-ups beteiligen. Die Corona-Mehrausgaben mindern jedoch die Investitionen deutlich.
20.11.2020 - 11:02 Uhr Kommentieren
Auch in Berlin und Bremen werden die freien Intensivbetten knapp. Quelle: dpa
Intensivstation

Auch in Berlin und Bremen werden die freien Intensivbetten knapp.

(Foto: dpa)

Berlin Mit dem Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) sollte auch der große Geldregen kommen: Es ermöglicht seit Jahresbeginn gesetzlichen Krankenkassen, sich erstmals als Investoren an Start-ups zu beteiligen. Bis zu zwei Prozent ihrer Finanzreserven dürfen sie dafür ausgeben. Da die Kassen insgesamt Rücklagen in Höhe von 20 Milliarden Euro halten, wären Investitionen von insgesamt 400 Millionen Euro möglich.

Durch die Coronakrise wird daraus allerdings wohl nichts. Die Bundesregierung rechnet für das Jahr 2021 mit Mehrkosten in Höhe von 16 Milliarden Euro, an denen sich auch die gesetzlichen Krankenkassen beteiligen sollen. Sie sollen knapp die Hälfte, also acht Milliarden Euro, aus ihren Rücklagen finanzieren.

„Deswegen gehe ich von einer deutlich zurückhaltenden Investitionsbereitschaft der Krankenkassen aus“, sagt etwa Jürgen Graalmann, geschäftsführender Gesellschafter der Brückenköpfe. Die Berliner Beteiligungsgesellschaft baut derzeit mit „Brückenköpfe Leonardo Invest“ einen eigenen Fonds für Krankenkassen auf. Drei AOKs und befinden sich derzeit in Verhandlungen über eine Beteiligung.

Da die Krankenkassen auch noch im Jahr 2022 mit Corona-Mehrausgaben rechnen müssten, geht Graalmann von einem deutlich niedrigeren Investitionsvolumen aus: „Ich vermute, dass die Krankenkassen insgesamt eher 100 Millionen Euro bereitstellen werden.“ Diese Ausfälle hat er bereits berücksichtigt, sodass der geplante Fonds insgesamt ein Volumen von 30 bis 50 Millionen Euro haben soll.

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    Das Mindestinvestment betrage 7,5 Millionen Euro je Investor, erklärt Graalmann. Mitte des kommenden Jahres soll der Fonds starten. Den Investmentfokus beschreibt Graalmann mit dem Begriff Triple P: Produkte, Plattformen und Prozesse.

    „Unter Prozess verstehen wir alles, was mit Genehmigungen und Abrechnungen zu tun hat. Zu Plattformen gehören zum Beispiel Lösungen, die sich mit Abläufen in Krankenhäusern beschäftigen. Und Produkte sind für uns unter anderem auch digitale Gesundheitsanwendungen, erweitert um Prävention und Pflege“, sagt er.

    Da das Gesetz von den Krankenkassen verlangt, ihre Mittel so anzulegen, dass ein Verlust ausgeschlossen scheint, soll der Brückenköpfe-Fonds eine Art Rückversicherungslösung als Absicherung gegen Verluste beinhalten. Sie soll das Risiko für die Krankenkassen verringern, Details sind aber noch unklar. „Das mindert zwar die Rendite, die wird aber mit zwei bis drei Prozent noch deutlich über dem liegen, was Kassen bei einer normalen Verzinsung erwarten können“, erklärt Graalmann.

    Weniger riskante Investments

    Dass die Corona-Mehrausgaben die Investitionen drücken, erwartet auch TK-Chef Jens Baas. „Wenn die Rücklagen dramatisch zurückgehen, nimmt auch die Investitionsmöglichkeit dramatisch ab“, sagte er bei einer Handelsblatt-Inside-Veranstaltung. Er glaube, dass man die Kopplung der Investitionen an die Rücklagen aufheben müsse, da das ökonomisch keinen Sinn ergebe. Kassen könnten so nur Investitionen im zweistelligen Millionenbereich tätigen, während sie Milliardensummen umsetzen.

    Das Bundesgesundheitsministerium ist gegenüber solchen Forderungen aufgeschlossen. „Wenn wir die Möglichkeiten der Sozialversicherungen für Investments verbessern müssen, etwa indem wir eine Bezugsgröße finden, dann sind wir die Letzten, die nicht dafür offen wären“, sagt Gottfried Ludewig, Digitalisierungschef im Ministerium.

    Auch Katharina Ladewig, Geschäftsführerin beim deutschen European Institute of Technology der EU-Kommission (EIT Health), glaubt, dass die Coronakrise die Investitionsbereitschaft von Krankenkassen mindern wird. Gemeinsam mit dem European Investment Fund (EIF) hat EIT Health mit dem Venture Center of Excellence (VCoE) ein europaweites Programm aufgesetzt, in das Krankenkassen einzahlen können und das als Vermittler zu Wagniskapitalgebern und Start-ups für Co-Investments dient.

    Allein in der deutschsprachigen Region befinden sich 200 Start-ups aus dem Bereich digitale Gesundheit im EIT-Netzwerk. Weil den Krankenkassen nun weniger Kapital zur Verfügung stünde, würden diese „nun noch stärker auf weniger riskante Investments setzen“, sagt sie. Dazu zählt sie Start-ups, die bereits Finanzierungsrunden hinter sich haben.

    Mit den möglichen Ausfällen steht auch Herstellern digitaler Gesundheitsanwendungen weniger Kapital zur Verfügung. Durch ihre enge Partnerschaft mit Krankenkassen gelten sie als vornehmliche Kandidaten für Investitionen.

    Mehr: Das sind die Gesundheitspioniere des Jahres 2020.

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