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Corona-Pandemie Ende der Maskenpflicht: Spahn für stufenweises Vorgehen – Forscher und Handel warnen

Während sich die Corona-Lage weiter entspannt und die Fallzahlen sinken, ist eine Debatte über eine Aufhebung der Maskenpflicht entbrannt. Käme der Schritt zu früh?
14.06.2021 Update: 14.06.2021 - 14:23 Uhr 2 Kommentare
Experten machen die generelle Aufhebung der Maskenpflicht vor allem von der Impfquote abhängig. Quelle: dpa
Maskenpflicht in einer Fußgängerzone

Experten machen die generelle Aufhebung der Maskenpflicht vor allem von der Impfquote abhängig.

(Foto: dpa)

Berlin Sie ist aus dem Pandemiealltag nicht mehr wegzudenken, doch nun wird über ihr Ende diskutiert: die Maskenpflicht. Sie soll nach Ansicht von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schrittweise fallen.

Zunächst könne die Maßnahme im Freien grundsätzlich aufgehoben werden, sagte Spahn den Zeitungen der Funke Mediengruppe. In Regionen mit sehr niedriger Inzidenz und hoher Impfquote könne die Pflicht auch drinnen nach und nach entfallen.

Die FDP forderte zuvor die komplette Aufhebung der Maskenpflicht, nachdem Dänemark diesen Schritt für Montag angekündigt hatte. Auch Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) zeigt sich dafür offen. Die Bundesländer müssten klären, „ob und wo eine Maskenpflicht noch verhältnismäßig ist, wenn die Inzidenzzahlen niedrig sind und weiter sinken“, sagte sie am Wochenende.

Niedersachsen hatte schon vor einigen Wochen damit geliebäugelt, die Maskenpflicht im Einzelhandel in Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 35 fallen zu lassen – und zog das Vorhaben nach breiter Kritik zurück. Mittlerweile sind die Fallzahlen allerdings weiter rapide gesunken. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete erneut eine sinkende Sieben-Tage-Inzidenz, die am heutigen Montag bei 16,6 liegt. In mehreren Landkreisen gibt es bereits eine Inzidenz von null.

Dennoch mahnen Experten und Verbände zur Vorsicht. „Auch wenn die Zahl der Neuinfektionen kontinuierlich sinkt, ist die Pandemie noch lange nicht vorbei“, sagte sagte der Chef des Städte- und Gemeindebunds Gerd Landsberg dem Handelsblatt. „Die Abschaffung der Maskenpflicht muss der letzte Schritt in einer Reihe von Lockerungsmaßnahmen sein.“

Sicherlich könne man darüber nachdenken, im Freien auf die Maskenpflicht zu verzichten, wenn es sich nicht um sehr große und gedrängte Menschenansammlungen handele. „In Innenräumen, beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln sollten die Maskenpflicht aber zunächst einmal bestehen bleiben. Wir haben uns in einem Jahr der Pandemie daran gewöhnt, uns selbst und unsere Mitmenschen mit diesem einfachen und wirksamen Mittel zu schützen“, sagte Landsberg.

Auch der Handel mahnte zur Vorsicht. „Es muss alles unternommen werden, einen nochmaligen Lockdown zu verhindern“, sagte HDE-Geschäftsführer Stefan Genth dem Handelsblatt. „Für den Einzelhandel ist am allerwichtigsten, dass die Öffnungen der letzten Wochen nicht durch überhastete Maßnahmen gefährdet werden und die Pandemie weiter zurückgedrängt wird.“

Kunden und Handel hätten sich an die Maskenpflicht gewöhnt. „Sie sollte so lange beibehalten werden, wie sie einen Beitrag im Kampf gegen die Verbreitung von Corona leisten kann.“

Für den Lehrerverband kommen die Forderungen zu früh. „Es ist eine andere Hausnummer, ob die Maskenpflicht bei niedrigen Inzidenzen abgeschafft wird oder ob jeden Tag zehn Millionen Schülerinnen und Schüler eng an eng nebeneinander auf Schulbänken in wieder vollständig gefüllten Klassenzimmern sitzen“, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger dem Handelsblatt.

Forscher mahnen zur Vorsicht

Dabei sei zu berücksichtigen, dass Kinder und Jugendliche bislang nicht geimpft seien. „Es hat sich schon einmal gerächt, dass die Bundesländer im Herbst zu sorglos wurden, obwohl in anderen Teilen Europas schon die dritte Welle mit der britischen Variante grassierte“, warnte Meidinger. „Jetzt haben wir in Großbritannien die vierte Welle mit der indischen Delta-Variante, und wieder sind Teile der deutschen Politik versucht, das zu ignorieren.“

Spahn befürwortet Ende der Maskenpflicht

Experten machen die Aufhebung der Maskenpflicht vor allem von der Impfquote abhängig. Bislang haben rund 48 Prozent der Menschen in Deutschland mindestens eine Impfung gegen das Coronavirus erhalten. Den vollständigen Impfschutz haben knapp 26 Prozent.

Der Leipziger Epidemiologe Markus Scholz sagte dem Handelsblatt: „Solange die Impfkampagne noch nicht abgeschlossen ist, also jeder die Impfung erhalten hat, der sich gern schützen möchte, sollte meines Erachtens die Maskenpflicht in Gebäuden aufrechterhalten werden.“ Die Delta-Variante weise eine noch höhere Infektiosität als die aktuell vorherrschende britische Variante auf. Außerdem könnten auch doppelt Geimpfte die Infektion übertragen.

Eberhard Bodenschatz vom Max-Planck-Institut warnt, dass die Fallzahlen wieder steigen könnten. „Wenn wir nach dem Wegfall der Testpflicht in vielen Situationen nun auch noch die Maskenpflicht fallen lassen, sind wir im Grunde in einem ungestörten Leben wie vor der Pandemie“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Das Virus aber sei noch da und durch Mutationen wesentlich infektiöser. „Warum soll die Pandemie dann nicht wiederkommen?“, so Bodenschatz.

Mehr: Sinkende Corona-Zahlen: Maskenpflicht soll überprüft werden

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2 Kommentare zu "Corona-Pandemie: Ende der Maskenpflicht: Spahn für stufenweises Vorgehen – Forscher und Handel warnen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Nein, sie käme nicht zu früh, sondern es hätte sie niemals geben dürfen!!
    Persönlich hat die Maskenpflicht meinem Arbeigeber im Zeitraum von mittlerweile nun ca. 1,5 Jahren drei AU´s meinerseits eingebracht mit einer Ausfallzeit von 25 Arbeitstagen (und damit habe ich ihn sogar noch überaus geschont: ständig erschwerte Atmung, permanent Kopfschmerzen, dadurch noch mehr Stress als ohnehin schon und psychische Belastung - da hätte es auch locker einen Krankenschein wegen Burnout für ein paar Monate gegeben von meinem Doc). Das gilt für mich, aber auch allgemein war der Krankenstand in meiner Abteilung im letzten Jahr so exorbitant hoch, wie ich es noch nie erlebt habe. Das waren wohlgemerkt keine Corona-Erkrankte - und was davon indirekte "Maskenschädigungen" waren, darüber kann ich natürlich nur spekulieren.

  • Masken sind etwas, womit man Symbolpolitik machen kann. Besser wäre, das in den Vordergrund zu stellen, was wir in Mitteleuropa an Erkenntnissen über die Hygiene für unsere Gesundheit gewonnen haben

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