Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Corona-Stornierungen Grüne fordern Bußgelder gegen Airlines bei verschleppter Ticket-Rückerstattung

Infolge der Coronakrise wurden viele Flüge storniert. Kritisiert wird, dass sich manche Airlines mit der Ticketkosten-Erstattung mehr Zeit lassen, als rechtlich erlaubt ist.
07.07.2020 - 05:00 Uhr 2 Kommentare
Bei der Lufthansa standen zuletzt noch rund eine Milliarde Euro an Erstattungen aus. Quelle: dpa
Lufthansa-Schalter

Bei der Lufthansa standen zuletzt noch rund eine Milliarde Euro an Erstattungen aus.

(Foto: dpa)

Berlin Der tourismuspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Markus Tressel, fordert Geldstrafen gegen Luftverkehrsgesellschaften, die im Fall coronabedingter Stornierungen die Ticketkosten nicht fristgerecht zurückzahlen. Das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) als zuständige nationale Beschwerde- und Durchsetzungsstelle „muss stärker gegen Airlines vorgehen, die ihre Kunden weiter hinhalten, im Zweifel auch mit Bußgeldern“, sagte Tressel dem Handelsblatt.

Wegen der Coronakrise war der Luftverkehr über Wochen fast zum Erliegen gekommen. Reisende hatten die Möglichkeit, Gutscheine als Entschädigung zu bekommen. Eine Verpflichtung bestand hierbei jedoch nicht. Denn auch in der Krise gelten die EU-Fluggastrechte weiterhin. Airlines müssen danach Ticketpreiserstattungen innerhalb von sieben Tagen leisten. Bei abgesagten Pauschalreisen ist eine Erstattung spätestens nach 14 Tagen Pflicht.

In der Coronakrise hatte dies bei einigen Fluggesellschaften nicht geklappt. So hat der Lufthansa-Konzern kürzlich angekündigt, den Stau innerhalb von sechs Wochen zu beseitigen. Im Juni standen noch rund eine Milliarde Euro an Erstattungen aus.

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) räumte ein, dass es aufgrund der aktuellen Lage und der damit einhergehenden vermehrten Annullierung von Flügen dazu kommen könne, dass die Erstattung von Tickets „nicht immer in den sonst üblichen Fristen erfolgen kann und konnte“. Die Ansprüche der Kunden blieben jedoch gewahrt, teilte der Verband dem Handelsblatt mit. „Die Fluggesellschaften kommen der Rückerstattung nach oder stellen mit dem Einverständnis der Passagiere Gutscheine aus.“

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Scharfe Kritik äußerte der BDL an den geltenden Regeln der Fluggastrechteverordnung. Diese würden der Situation einer weltweiten Pandemie nicht gerecht. „Sie sind für die Streichung einzelner Flüge gedacht, aber nicht für den Fall, dass fast der ganze Flugverkehr ausfällt.“

    Warnung vor „Klagewelle“

    „Die Kunden haben jetzt schon sehr viel Verständnis gezeigt und über Monate auf Erstattung gewartet“, sagte Tressel. Auch wenn sich die Airlines infolge der Coronakrise „zweifellos in einer Ausnahmesituation befinden, können nicht am Ende die Verbraucher für die Liquiditätssicherung der Luftverkehrswirtschaft aufkommen“.

    Der Grünen-Politiker sieht daher auch die Bundesregierung in der Pflicht, eine Lösung zu finden, damit nicht Tausende Kunden einzeln den Rechtsweg beschreiten müssten. „Wir sehen bereits den Beginn einer Klagewelle, die die Gerichte noch lange beschäftigen wird“, warnte der Grünen-Politiker.

    Das Bundesverkehrsministerium schließt Geldstrafen für Fluggesellschaften nicht aus, wenn sie Verbrauchern Flugkosten für Reisen, die sie wegen der Corona-Krise nicht antreten konnten, nicht fristgerecht zurückzahlen. Sofern dem Luftfahrt-Bundesamt „entsprechende Sachverhalte durch betroffene Fluggäste angezeigt werden, werden diese hinsichtlich einer möglichen bußgeldrechtlichen Ahndung geprüft“, heißt es in einer Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Tressel, die dem Handelsblatt vorliegt.

    Die von Spezialveranstaltern und Reisebüros gegründete „AER Kooperation“, die nach eigenen Angaben 1100 Firmen der Reisebranche vertritt, sprach Mitte Juni von 91 Prozent der wegen Corona stornierter Flüge, die von den Airlines bislang nicht erstattet worden seien.

    Ryanair will schneller erstatten

    Europas größter Billigflieger Ryanair kündigte indessen an, die ausstehenden Erstattungen schneller bearbeiten zu wollen. Mehr als 90 Prozent der zwischen März und Juni betroffenen Kunden sollen ihr Geld bis Ende Juli erhalten, versprach Manager Eddie Wilson laut einer Mitteilung des irischen Unternehmens vom vergangenen Freitag.

    Man habe zusätzliche Mitarbeiter geschult, um den Stau zu beseitigen. Ryanair nannte weder Zahl noch Summe der Erstattungen. Stand Ende Juni seien alle Anträge aus dem März und die Hälfte der April-Anträge bearbeitet gewesen.

    Beschwerden von Verbrauchern über Fluggesellschaften und die Deutsche Bahn haben in der Corona-Zeit deutlich zugenommen. Derzeit erhalte die Schlichtungsstelle öffentlicher Personenverkehr (SÖP) jede Woche zwei bis dreimal so viele Schlichtungsanträge wie in den vergleichbaren Zeiträumen der Vorjahre, sagte SÖP-Geschäftsführer Heinz Klewe kürzlich dem Handelsblatt.

    In den ersten beiden Juni-Wochen hat sich die Zahl der Anträge demnach mehr als verdoppelt: Von 810 auf knapp 1900. Die meisten Beschwerden betreffen Fluggesellschaften. „Kunden der Airlines wollen die Ticketkosten für nicht stattgefundene Flüge endlich erstattet bekommen“, sagte Klewe.

    Mehr: Lesen Sie hier, wie das Verbraucherschutzministerium zu der umstrittenen Entschädigungspraxis der Airlines steht.

    Startseite
    Mehr zu: Corona-Stornierungen - Grüne fordern Bußgelder gegen Airlines bei verschleppter Ticket-Rückerstattung
    2 Kommentare zu "Corona-Stornierungen: Grüne fordern Bußgelder gegen Airlines bei verschleppter Ticket-Rückerstattung"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • nach 14 Tagen? Ich warte seit März!
      Das ganze Statusmeilengedöns geht mir bei der Lufthansa eh auf'n Senkel.

      Ich weiß nicht, warum etwa Firmen das nicht per Rahmenverträgen unterbinden, damit Mitarbeiter mal sinnvoll buchen und nicht erst auf'n letzten Drücker, damit's dann "leider" der Lufthansa-Flug wurde. ;-/

      Gibt ja noch andere Airlines für zukünftige Buchungen.

    • Die perfidere Masche geht bei der Lufthansa so: Tickets die schon vor Wochen günstig gekauft wurden, werden kurz vor dem Reisetag mit dem Hinweis auf ein Buchungsproblem storniert. Dem Reisenden wird dann ein Voucher in Höhe des Ticketpreises gegeben, den er bei der nächsten Buchung einlösen kann. Da die aktuellen Ticketpreise oft um das 3-5-fache höher liegen, ist diese Masche sehr einträglich. Ob das langfristig Kunden sichert, darf allerdings bezweifelt werden.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%