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Corona Trotz Delta-Variante: Länder heben Maskenpflicht in Schulen auf – Lehrerverband reagiert entsetzt

Nur noch in wenigen Bundesländern gilt die Maskenpflicht in der Schule. Der Lehrerverband kritisiert dies als „fahrlässig“. Unklar ist zudem, wie viele Lehrer überhaupt geimpft sind. 
30.06.2021 - 16:52 Uhr 1 Kommentar
Bildungspolitiker, Eltern und Lehrer diskutieren, wann die Maske in der Schule notwendig ist. Quelle: dpa
Schüler mit Maske

Bildungspolitiker, Eltern und Lehrer diskutieren, wann die Maske in der Schule notwendig ist.

(Foto: dpa)

Berlin Immer mehr Bundesländer schaffen die Maskenpflicht in Schulen ab – trotz der um sich greifenden Delta-Variante und eingeschränkter Impfungen für Kinder und Jugendliche. In dieser Woche kippte sogar Bayern, das sonst vorsichtig agiert, die Maskenpflicht für Schüler.

Nach einer Handelsblatt-Umfrage gilt damit nur noch in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Hamburg eine allgemeine Maskenpflicht im Unterricht. Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, wo bereits Ferien sind, werden das neue Schuljahr mit Maske starten. 

Aus Sicht des Deutschen Lehrerverbands ist es „leichtsinnig und fahrlässig, bereits jetzt die Maskenpflicht in den Schulen aufzuheben“, sagte Präsident Heinz-Peter Meidinger. „Angesichts der ansteckenderen Delta-Variante sollten wir die Maskenpflicht bis zu den Ferien aufrechterhalten – und danach wegen der Reiserückkehrer auch mit Maskenpflicht starten.“

Es könne nicht sein, dass ausgerechnet Kinder und Jugendliche, die nicht geimpft werden können – weil zugelassener Impfstoff fehlt oder weil die Impfung nicht empfohlen ist –, dadurch besonders gefährdet würden. „In Großbritannien gelten die Schulen schon als Inkubationszentren für die Delta-Variante“, warnte Meidinger. 

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    „Ich habe den Eindruck, dass es sich hier um eine Art Alibiveranstaltung handelt: Kultusminister und Ministerpräsidenten stellen die Abschaffung der Maskenpflicht als Entgegenkommen an die Schüler dar – und wollen so davon ablenken, dass sie sie in der Pandemie bisher im Stich gelassen haben“, kritisierte der Lehrer-Präsident.

    Auch Gesundheitspolitiker streiten über die Maskenpflicht

    Viel wichtiger sei, dass sie für den Herbst ausreichend Filteranlagen und digitale Ausrüstung besorgen würden. „Stattdessen macht die Kultusministerkonferenz den gleichen Fehler wie im Sommer 2020, als sie die Pandemie schon einmal voreilig für beendet erklärte.“

    Die Kultusminister hatten bei ihrer jüngsten Sitzung beschlossen, diesen Punkt wieder einmal jedem Land selbst zu überlassen. Teilweise, weil sie sich darüber seit anderthalb Jahren nicht einig werden konnten. Teilweise, weil manche Ministerin oder mancher Senator damit rechnen muss, dass der jeweilige Regierungschef im Zweifel eine andere Linie durchsetzen würde, heißt es zerknirscht in Länderkreisen.

    Grafik

    Auch unter Gesundheitspolitikern ist das Thema umstritten. Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen hält die Maskenpflicht bis zu einer Impfquote von 70 Prozent für erforderlich. „Die Ausbreitung der Delta-Variante unter jungen Menschen in Großbritannien muss uns eine Warnung sein.“ Masken und Testen seien der Schlüssel, um ungeimpfte Menschen zu schützen.

    FDP-Gesundheitsexperte Andrew Ullmann dagegen hält die Maskenpflicht dann für unnötig, „wenn die Inzidenz niedrig ist, Abstände eingehalten werden können und der Raum gut belüftet ist.“ Wenn aber eine besonders betroffene Region durch die Maskenpflicht Schulunterricht ermöglichen könne, „dann sollte sie bestehen bleiben“. „Ein weiterer Winter mit Fern- und Wechselunterricht kann nicht das Ziel sein, insbesondere im Hinblick auf die Delta- oder gar neue Varianten.“

    In Ländern wie Israel und Großbritannien, wo sich die Delta-Variante bereits stark verbreitet hat, machen vor allem jüngere Altersgruppen einen hohen Anteil an den Neuinfektionen aus. Allein vergangene Woche musste eine Viertelmillion britische Schüler zu Hause bleiben, weil sie positiv getestet wurden oder einen Risikokontakt hatten. In Israel wurde wegen Ausbrüchen in Schulen die Maskenpflicht in Innenräumen wieder eingeführt.

    Delta-Variante möglicherweise auch für Kinder und Jugendliche gefährlich

    Bislang ist die Datenlage noch nicht ausreichend, um Aussagen darüber zu treffen, wie stark Jüngere tatsächlich von der Delta-Variante betroffen sind und wie schwer ihr Krankheitsverlauf ist. „Kinder und Jugendliche stecken sich genauso an und geben das Virus weiter wie Erwachsene“, sagte der Leipziger Epidemiologe Markus Scholz. „Schwere Erkrankungen sind aber sehr selten.“

    Es gebe zwar erste Hinweise, dass bei der Delta-Variante auch die Schwere der Erkrankung zunimmt, die Datenlage sei aber noch unsicher. Das Problem einer flächendeckenden Durchseuchung von Kindern und Jugendlichen seien auch eventuelle Langzeitfolgen sowie das Weitertragen der Infektion in die Familien und damit in Risikogruppen.

    Scholz rechnet spätestens im Herbst mit einer vierten Welle vor allem bei Kindern und Jugendlichen. „Aktuell ist unklar, wie unter diesen Gegebenheiten der Schulunterricht ab Herbst stattfinden soll.“ Er plädiert für regelmäßige Schnelltests, Raumluftfilter und eine Diskussion über die Maskenpflicht.

    Der Epidemiologe Rafael Mikolajczyk von der Uniklinik Halle hingegen meint: „Regelmäßiges Testen wäre zur Kontrolle der Epidemie vermutlich wirksamer als eine Maskenpflicht, da durch Testen Infektionsketten aufgedeckt und nachverfolgt werden können.“ Möglicherweise könne man auf die Maskenpflicht in der Konstellation verzichten.  „Näher am Herbst werden wir mehr wissen.“

    Elternverband: Manche Schüler werden am Tag von mehreren ungeimpften Lehrern unterrichtet 

    Entscheidend für eine Maskenpflicht und die Verbreitung des Virus wird auch die Impfquote der Schüler und Lehrer sein. Für die Gruppe der Zwölf- bis 18-Jährigen ist lediglich der Impfstoff von Biontech/Pfizer zugelassen. Bis Schulbeginn will die Bundesregierung jedem Schüler ein Impfangebot gemacht haben.

    Bislang sind allerdings nur drei Prozent in dieser Altersgruppe mindestens einmal geimpft. Die Ständige Impfkommission empfiehlt den Impfstoff für Kinder nur für besonders betroffene Gruppen. Noch jüngere Menschen haben bislang keine Möglichkeit, sich immunisieren zu lassen.

    Bei den Lehrern ergibt sich ein weniger deutliches Bild. Umfragen zufolge fürchten sich 73 Prozent vor einer Corona-Ansteckung in der Schule. Sie konnten sich bereits ab Februar als Teil der zweiten Prioritätsgruppe impfen lassen. Wie viele das Angebot genutzt haben, ist unklar, weil fast kein Land die Quote erfasst.

    Doch es gibt positive Ausnahmen: So teilt etwa der Bremer Schulsenat mit, dass dort vier Fünftel der Grundschullehrer und zwei Drittel der Lehrer weiterführender Schulen mindestens einmal geimpft sind. Auch würden im Stadtstaat nun die 16- und 17-Jährigen bevorzugt geimpft. Sie seien über das Einwohnermeldeamt angeschrieben worden. 

    Nur vier Länder haben Daten zur Impfquote der Lehrer

    Auch Niedersachsen hat Zahlen: Zum Stichtag 25. Juni waren dort 55 Prozent der Lehrkräfte zweimal geimpft , weitere 31 Prozent hätten die erste Impfung erhalten. Sachsen-Anhalt geht aktuell von einer Impfquote von 80 bis 90 Prozent bei den Lehrkräften aus. Thüringen berichtet von etwa 63 Prozent mit Erstimpfung bis Mitte Mai. 

    Der Bundeselternrat drängt auf mehr Impfungen unter den Lehrern: „Mit Sorge sehen die Eltern, dass sich nicht alle Lehrer impfen lassen, zumal es für die jüngeren Schüler und Schülerinnen keine Impfmöglichkeit gibt beziehungsweise keine zufriedenstellende Empfehlung für Kinder ab zwölf Jahren“, sagte die Vorsitzende Sabrina Wetzel. 

    Sie fordert daher „mehr Aufklärung über die Notwendigkeit einer Impfung durch die Kultusminister in der Lehrerschaft, damit diese mit gutem Beispiel vorangehen - zumal Schüler am Tag im Zweifel von mehreren ungeimpften Lehrkräften unterrichtet werden“. 

    Daneben appelliert der Rat an die Kultus- und Gesundheitsminister. Sie sollten die Schulen nutzen, um über die Schüler auch die Eltern zu erreichen, die schlecht informiert sind über Verordnungen, das Testen, Impfen oder das Tragen von Masken - und das „in möglichst allen Sprachen“. Eine Maskenpflicht würde von Eltern kritisch gesehen, besonders bei niedrigen Inzidenzen.

    Mehr: Wann die Corona-Pandemie trotz Delta-Variante endet.

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    1 Kommentar zu "Corona: Trotz Delta-Variante: Länder heben Maskenpflicht in Schulen auf – Lehrerverband reagiert entsetzt"

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    • Abschaffung der Maskenpflicht?

      Erstaunlich, dass nach all der bisherig Hirnvernebelnden, Unterwürfigkeitsstimulierenden Maskentragephase noch ein letzter Rest gesunder Menschenverstand und Selbstbehauptungswille aufflackern will.

      Es ist ein VERBRECHEN, was wir mit all dem AHA-Gedöns unseren Kindern angetan haben. Und das wir die ganze Zeit schon den ultrapanischen Übervorsichts-Orientierten den Weg folgen, obwohl inzwischen aufgrund der widerlegenden Faktenlage die ganzen Paniker widerlegt sind und mit Sendepause ins Eck geschoben gehören, ist in Summe lächerlich und eine Beleidigung für den gesunden Menschenverstand.

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