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Corona Wie Kitas sich auf die Delta-Variante vorbereiten

Schon schließen erste Kitas wegen der Delta-Variante des Coronavirus. Die Bundesländer wollen ihre Hygienepläne eher kurzfristig anpassen, zeigt eine Handelsblatt-Umfrage.
23.06.2021 - 11:44 Uhr Kommentieren
Die als ansteckender und gefährlicher geltende Delta-Variante des Coronavirus ist bereits in Kitas vermutet oder nachgewiesen worden. Dokumentiert sind etwa Fälle in Dresden und Stuttgart sowie in einigen Landkreisen von Baden-Württemberg. Quelle: dpa
Kita in Baden-Württemberg vor Corona

Die als ansteckender und gefährlicher geltende Delta-Variante des Coronavirus ist bereits in Kitas vermutet oder nachgewiesen worden. Dokumentiert sind etwa Fälle in Dresden und Stuttgart sowie in einigen Landkreisen von Baden-Württemberg.

(Foto: dpa)

Berlin Die Bundesländer wollen mit ihren bestehenden Kita-Hygieneplänen auf die Delta-Variante des Coronavirus reagieren und notfalls kurzfristige Anpassungen der Schutzmaßnahmen vornehmen. Akuten Handlungsbedarf sehen sie aber nicht. Das zeigt eine Umfrage des Handelsblatts unter den Ländern.

„Natürlich haben wir die Ausbreitung der Delta-Variante im Blick und sind hier in Habachtstellung“, sagte die baden-württembergische Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) dem Handelsblatt. „Unsere Regelungen enthalten deswegen Schutz- und Sicherheitsmechanismen.“

Das bayerische Familienministerium teilte auf Anfrage mit: „Aktuelle Entwicklungen des Coronavirus SARS-CoV-2 werden stets im Blick behalten und die Konzepte im Hinblick auf das Infektionsgeschehen in der Kindertagesbetreuung entsprechend angepasst.“

Die als ansteckender und gefährlicher geltende Delta-Variante des Coronavirus ist bereits in einigen Kitas vermutet oder nachgewiesen worden. Dokumentiert sind etwa Fälle in Dresden und Stuttgart sowie in einigen Landkreisen von Baden-Württemberg. Auch im nordrhein-westfälischen Werl wird die Delta-Variante in einer Kita vermutet. Die Einrichtung wurde geschlossen.

Die in Indien erstmals nachgewiesene Mutante des Corona-Virus wird nach Einschätzung der WHO künftig weltweit die dominierende sein. Der Grund dafür sei die erhöhte Übertragbarkeit der Variante des Coronavirus, sagt WHO-Chefwissenschaftlerin Soumya Swaminathan. Die Bundesregierung hält es für möglich, dass es größere lokale Ausbrüche geben wird und verwies auf die jüngsten Beispiele in Großbritannien und Portugal.

Kinder sind vor der Delta-Variante nur wenig geschützt. Denn die 3,7 Millionen Kita-Kinder in Deutschland sind jünger als 12 Jahre, werden absehbar also nicht geimpft. So befürchtet SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, dass die Infektionszahlen durch die Delta-Variante bei Kindern und Jugendlichen im Herbst stärker ansteigen werden.

Aktuell keine neuen Vorgaben für die Kindertagesbetreuung

Zuletzt hatte die Äußerung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für Aufsehen gesorgt, dass Corona-Maßnahmen in den Schulen noch längere Zeit aufrechterhalten werden müssten. Im Herbst und Winter würden trotz derzeit sehr niedriger Inzidenzen voraussichtlich nach wie vor Maßnahmen wie Maskenpflicht oder auch Wechselunterricht notwendig seien. Mittlerweile hat Spahn seine Aussage jedoch relativiert.

Der nordrhein-westfälische Familienminister Joachim Stamp (FDP), sparte dennoch nicht mit Kritik: „Gesundheitsminister Spahn sollte sich besser um Impfstoff und geeignete Tests etwa für Reiserückkehrer kümmern, als jetzt schon wieder Beschränkungen von frühkindlicher oder schulischer Bildung an die Wand zu malen“, sagte Stamp dem Handelsblatt. Die Beschäftigten seien geimpft, bei Kindern gebe es keine schweren Verläufe. „Von daher halte ich die Debatte um Kinder für unangemessen“, bekräftige Stamp.

So gibt es in NRW nach Angaben des Familienministeriums „mit Blick auf die Delta-Variante aktuell keine neuen Vorgaben für die Kindertagesbetreuung.“ Derzeit laufe Regelbetrieb bei weiterhin geltenden Infektionsschutzmaßnahmen der „Coronabetreuungsverordnung“. Dazu zählen Vorkehrungen zur Hygiene, zur Gewährleistung des Mindestabstands zwischen Erwachsenen, zur Maskenpflicht und zur Rückverfolgbarkeit.

„Das landesweite Infektionsgeschehen und dessen Auswirkungen auf die Kindertagesbetreuung werden weiterhin genau beobachtet, und auf Entwicklungen wird reagiert, wenn dies erforderlich ist“, versicherte das NRW-Ministerium. „In Anbetracht der aktuellen Infektionszahlen wird diese Erfordernis derzeit nicht gesehen.“

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) mahnte, vorsichtig zu bleiben, „da zum Beispiel die Auswirkungen der neuen Delta-Variante noch nicht eingeschätzt werden können.“ Zunächst hat Hessen aber angesichts zurückgehender Infektionszahlen Lockerungen für die Kitas beschlossen: Nun gilt Regelbetrieb mit Hygienemaßnahmen, die Gruppen können wieder gemischt werden. Die Maskenpflicht für Fachkräfte entfällt.

Das baden-württembergische Kultusministerium versicherte, es werde „täglich die Entwicklung des Pandemiegeschehens“ beobachtet und mit anderen Ressorts „in kurzen Abständen“ beratschlagt. „Auch die Erfahrungen anderer Bundesländer, die früher in die Sommerferien gehen, fließen hier mit ein“, teilte das Ministerium mit. „Baden-Württemberg kann somit beispielsweise Erkenntnisse gewinnen, inwieweit die Reisetätigkeit als Treiber für die Delta-Variante anzusehen ist und dann nachsteuern, falls dies erforderlich ist.“

Bewährte Konzepte sollen auch gegen die Ausbreitung der Delta-Variante in Kitas helfen. Quelle: dpa
Testzentrum Tübingen

Bewährte Konzepte sollen auch gegen die Ausbreitung der Delta-Variante in Kitas helfen.

(Foto: dpa)

Ministerin Schopper gab indes zu bedenken: „Wir müssen bei unseren Maßnahmen immer berücksichtigen, dass die Kinder und Jugendlichen auf ein Jahr zurückblicken, in dem der Kita- und Schulbetrieb sehr eingeschränkt stattgefunden hat und sie selber solidarisch in vielen Bereichen zurückstecken mussten.“

Etablierte Maßnahmen „auch gegen Delta-Variante wirksam“

Das sächsische Kultusministerium geht davon aus, dass auch im nächsten Schul- und Kitajahr die bekannten Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen notwendig sein werden. Regionale Schul- und Kitaschließungen seien aber nicht mehr vorgesehen.

Das Saarland machte keine Angaben. In Mecklenburg-Vorpommern wird gerade an einem Ampelsystem gearbeitet, wie das Sozialministerium mitteilte. Bei höheren Inzidenzzahlen würden dann automatisch Maßnahmen ergriffen.

Berlin, Hamburg und Bremen bekräftigten, dass die Entwicklung der Infektionszahlen fortlaufend beobachtet werde und es Reaktionsstufenpläne gebe. „Bislang sind keine weiteren konkreten Schritte im Kitabereich entschieden“, teilte die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie mit.

Hamburg verwies auf die „Verbindlichen Handlungsempfehlungen im Umgang mit dem Coronavirus für Kindertageseinrichtungen“ der Hansestadt. „Diese grundsätzlichen Vorkehrungen sollen die Infektionsgefahr minimieren – gleichermaßen hinsichtlich der bisherigen Varianten wie auch neuer Varianten, beispielsweise Delta“, teilte die Hamburger Sozialbehörde auf Anfrage mit.

Niedersachsen verlässt sich auf den „Rahmen-Hygieneplan Corona Kindertagesbetreuung“, der „auch und in besonderer Weise hinsichtlich einer Verbreitung von Mutationen des SARS-CoV-2-Virus“ gilt. Brandenburg verlässt sich auf den aktuellen „Rahmenhygieneplan Kita“ sowie die Teststrategie für Kinder, die Testpflicht für Kita-Beschäftigte sowie das Betreuungsverbot für Ungetestete.

Die Impfung erwachsener Personen bietet aktuell auch Kindern mehr Schutz. Quelle: dpa
Coronavirus-Impfung

Die Impfung erwachsener Personen bietet aktuell auch Kindern mehr Schutz.

(Foto: dpa)

Schleswig-Holstein gibt an, mit Blick auf die Delta-Variante derzeit keine Vorgaben für die Kitas zu haben. Entscheidend sei – auch bei der Delta-Variante – die Entwicklung der Inzidenzen in den Kreisen und Kreisfreien Städten „Grundsätzlich sind die bisher vom Land etablierten Infektionsschutzmaßnahmen gegen SARS-CoV-2 auch gegen die Delta-Variante wirksam“, erklärte das Familienministerium in Kiel. Auch im Urlaub sei weiterhin „Vorsicht und Rücksichtnahme“ geboten, vor allem im Hinblick auf noch nicht immunisierten Menschen.

Bester Schutz der Kinder ist Impfung der Erwachsenen

Rheinland-Pfalz sieht sich auch für Virusvarianten gut gewappnet. „Sollte sich die Lage wieder verschlechtern, können wir inzwischen auf viel Erfahrung zurückblicken: So haben wir funktionierende Hygienekonzepte mit unterschiedlichen Eskalationsstufen - etwa was das Tragen von Masken auch bei der pädagogischen Arbeit angeht“, teilte das Bildungsministerium auf Anfrage mit.

In Thüringen bleiben die geltenden Hygienekonzepte weiterhin in Kraft. Das Bildungsministerium geht von einer weiter steigenden Immunisierung der Bevölkerung aus, durch vollständigen Impfschutz über die Sommerferien hinweg. „Gerade die Zweitimpfung weist nach derzeitigen Erkenntnissen eine gute Schutzwirkung gegen Delta auf, insbesondere bezogen auf schwere Krankheitsverläufe“, teilte das Ministerium mit. „Der beste Schutz der Kinder vor einer Ansteckung mit der Delta-Variante ist die Impfung der Erwachsenen.“

Sachsen-Anhalt will im Falle eines Anstiegs der Infektionszahlen Maßnahmen umsetzen, die zu einer Kontaktreduzierung beitragen. Dazu gehören der Übergang in den Kita-Notbetrieb und die Bildung von stabilen Kohorten. „Diesen Maßnahmen kommt angesichts des Fehlens eines Impfstoffes für Kinder erhöhte Priorität zu“, teilte das Sozialministerium mit.

Das Land verwies auf sein frühzeitiges Impfangebot für die Beschäftigten in den Kinderbetreuungseinrichtungen: „Ein vollständiger Impfschutz ist im Zusammenhang mit der Delta-Variante der beste Schutz gegen schwere Krankheitsverläufe.“

Tatsächlich können aber nur einige Bundesländer konkrete Angabe zur Impfquote beim Kita-Personal machen. Zum einen besteht keine Verpflichtung des Arbeitnehmers seinen Impfstatus gegenüber seinem Arbeitgeber anzugeben, so dass den Kitas keine validen Daten vorliegen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) gibt die Impfquote mittlerweile nur noch nach Altersgruppen aus.

Kaum valide Daten zur Impfquote des Kitapersonals

In Berlin haben rund 64 Prozent des Kitapersonals einen Impftermin unter Nutzung eines Codes gebucht. Nicht bekannt ist, wie viele Mitarbeitende sich in Hausarztpraxen impfen lassen. „Es ist aber von einer höheren Impfquote in der Kindertagesbetreuung auszugehen“, heißt es bei der Senatsverwaltung.

In Niedersachsen liegt die Datenerfassung bei den Kita-Trägern. Das Ministerium sieht Grund zu der Annahme, dass die Quote annähernd auf demselben Niveau der Lehrkräfte an Grund- und Förderschulen liegt, also bei rund 95 Prozent – und somit nahezu alle impfwilligen Fachkräfte in der frühkindlichen Bildung inzwischen mindestens eine Erstimpfung erhalten haben.

In Rheinland-Pfalz sind laut Ministeriumsangaben rund 41.000 Personen in den Kitas tätig. Mit Stand 10. Juni 2021 warteten demnach lediglich 50 angemeldete Personen noch auf ihre Impfung, rund 32.000 Personen waren mindestens einmal geimpft, rund 29.000 davon hatten bereits beide Impfungen erhalten. Dazu kommen diejenigen, die sich bei ihrem Hausarzt impfen lassen.

Hamburg gibt an, dass drei viertel der Mitarbeitenden in der Kindertagesbetreuung geimpft sind, für weitere Personen sind Termine vereinbart oder noch offen.

Bayern verfügt über keine Statistik. Mit „Sammelterminen“ wurden hier aber durch die Impfzentren über 23.000 Beschäftigte von Kindertagesbetreuungseinrichtungen geimpft. Diese Zahl, darauf weist das Gesundheitsministerium hin, sei allerdings nicht repräsentativ, da nicht alle Impfzentren Sammeltermine angeboten oder die Impfzahlen erfasst hätten.

In Bremen wurden von den Mitarbeitenden der Kitas 6016 Codes eingelöst. Damit haben nach Senatsangaben rund 79 Prozent der Kita-Beschäftigten einen Termin gebucht. 5168 Ersttermine und 1810 Zweittermine haben stattgefunden.

In Thüringen waren gut 31.000 von insgesamt rund 49.000 impfberechtigten Personen Mitte Mai erstgeimpft – also rund 63 Prozent, wie das Bildungsministerium mitteilte. Jetzt lasse sich die Zahl auch wegen der Ausweitung der Impfkampagne auf Hausärzte und der Aufhebung der Impfpriorisierung nicht mehr zuverlässig ermitteln.

Mehr: Debatte um Corona-Lockerungen – Streit um Schulbetrieb geht weiter

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