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Corona Wirbel um die Maskenpflicht: Welche Lockerungen lassen Inzidenzen und Impfquote zu?

Offene Biergärten und Hotels: Deutschland startet mit gelockerten Corona-Maßnahmen ins Pfingstwochenende. Nach den Feiertagen wird sich zeigen, ob die Lockerungen verfrüht waren.
21.05.2021 - 17:08 Uhr Kommentieren
Sollten die Infektionen nach Pfingsten wieder steigen, käme die Bundesnotbremse wieder ins Spiel. Quelle: dpa
Maskenpflicht-Schilder in Hamburg werden abgehängt

Sollten die Infektionen nach Pfingsten wieder steigen, käme die Bundesnotbremse wieder ins Spiel.

(Foto: dpa)

Berlin Es war ein kurzer, aber heftiger Sturm der Entrüstung. Die niedersächsische Landesregierung hatte angekündigt, die Corona-Maskenpflicht im Einzelhandel in Regionen mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 35 aufzuheben. Wenige Stunden später ruderte das Bundesland zurück – und verlautbarte, die Maßnahme überdenken zu wollen.

Die Debatte bildet den Höhepunkt weitreichender Lockerungen, die die Länder in den vergangenen Wochen angekündigt hatten. In vielen Regionen des Landes befindet sich die Sieben-Tage-Inzidenz, die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner, inzwischen weit unter 100. Gleichzeitig sind fast 40 Prozent der Bevölkerung einmal geimpft. Die Folge: Zu Pfingsten öffnen vielerorts die Außengastronomie sowie Hotels, und touristische Angebote sind möglich.

Die messbaren Erfolge bei der Eindämmung der Corona-Pandemie sind für Wissenschaft und Politik aber kein Freifahrtschein für Pfingsten und die Wochen danach. „Wir dürfen nicht zulassen, dass das Virus wieder Oberhand gewinnt, weil wir auf einmal zu viel wollen“, fasste Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), die Lage am Freitag zusammen.

Die Sorge vor überstürzten Öffnungen zeigte sich exemplarisch an den Reaktionen auf Niedersachsens Maskenentscheidung: Empörung und Unverständnis. In den sozialen Netzwerken posteten viele Twitter-Nutzer unter dem Hashtag „#diemaskebleibtauf“, dass sie mit einer solchen Regelung nicht einverstanden seien.

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    Auch politisch regte sich Widerstand gegen die Maßnahme. Die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz kündigten an, sie würden die Maskenpflicht beibehalten. Die Bundesregierung wiegelte ab – und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mahnte: „Unsere Ungeduld darf am Ende nicht zu Übermut führen.“

    Er habe den Eindruck, „dass im Moment wochenweise in einigen Ländern Lockerungen gemacht werden“. Zwischen Bund und Ländern sei aber vereinbart, vor möglichen nächsten Schritten zunächst zwei, drei Wochen zu warten und zu sehen, welche Folgen dies auf das Infektionsgeschehen habe.

    Modell zur Folge von Lockerungen

    Der Leipziger Epidemiologe Markus Scholz mahnte, die Entscheidung sei verfrüht. Die Maskenpflicht in Gebäuden solle so lange gelten, bis jeder eine Impfung erhalten habe. „Das ist bei dem aktuellen Impftempo in etwa zwei bis drei Monaten erreichbar“, sagte er dem Handelsblatt. RKI-Chef Wieler wiederum sagte, es gebe immer mehr Belege, wie wirksam Masken auch in Alltagssituationen seien. Wenn jetzt gelockert würde, müsste der „Basisschutz“ mit Abstand, Hygiene und Masken von allen möglichst beibehalten werden.

    „Die Gefahr ist noch nicht gebannt“, sagte Wieler. Rund 1300 Menschen pro Woche sterben in Deutschland weiterhin an Covid-19. „Das ist immer noch eine schrecklich hohe Zahl.“ Ein Modell des Berliner Mobilitätsforschers Kai Nagel zeigt, wie fragil der Abwärtstrend der Infektionszahlen ist.

    Die vollständige Öffnung aller Aktivitäten würde den Rückgang der Inzidenz zum 5. Juni stoppen“, heißt es darin. „Damit hätten wir laut Modell unseren Spielraum exakt aufgebraucht“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Das gelte selbst bei Beibehaltung der Maskenpflicht im Oberstufen-Unterricht, im öffentlichen Verkehr, beim Einkaufen sowie bei bleibendem Angebot kostenloser Schnelltests.

    Ähnlich sieht es Physikerin Viola Priesemann vom Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation. „Wir müssen aufpassen, dass wir den Immunitätsgewinn nicht weglockern“, sagte sie kürzlich dem „Spiegel“. Jedes kleine bisschen mehr an Infektionen, die nun zugelassen würden, könne den Rückgang auf einen Wert unter die Inzidenz von 50 deutlich verlangsamen. „Wir müssen also genau überlegen, welche Freiheiten wir uns schon jetzt nehmen.“

    Fachleute befürchten einen Jo-Jo-Effekt. Lockerungen müssten bei zunehmenden Infektionen gemäß der Notbremsen-Regelung wieder zurückgenommen werden. Dieser Gefahr sind sich auch Gastronomen bewusst. Bleibt es jedoch bei Vernunft und Geduld in den kommenden Wochen, könnte später immer mehr möglich werden. Wenn die Infektionszahlen weiter herunter- und die Impfzahlen hochgingen, „dann haben wir Aussicht auf einen guten Sommer“, sagte Gesundheitsminister Spahn.
    Mit Agenturmaterial.

    Mehr: Was das Ende der Impfpriorisierung für Impfwillige bedeutet

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