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Coronakrise Absatz der Textilindustrie bricht ein – Produktion von Schutzkleidung gefährdet

Die Coronakrise bedroht die Existenz der Textilindustrie. Noch können die Unternehmen Schutzkleidung und Mundschutz produzieren – doch damit könnte es bald vorbei sein.
27.03.2020 - 17:42 Uhr Kommentieren
Viele deutsche Mittelständler leisteten mit der kurzfristigen Produktion von Schutzausrüstung einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Coronakrise. Quelle: dpa
Mundschutzmasken

Viele deutsche Mittelständler leisteten mit der kurzfristigen Produktion von Schutzausrüstung einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Coronakrise.

(Foto: dpa)

Berlin Die Textilindustrie sieht sich angesichts der Coronakrise vor unlösbare Probleme gestellt und hält das Hilfsprogramm der Bundesregierung für unzureichend. Ingeborg Neumann, Präsidentin des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie, kritisiert, der mittelständisch geprägten Branche würden Kreditprogramme nichts bringen. „Unternehmen zwischen 50 und 250 Mitarbeiter brauchen dringend Direkthilfen, sonst gehen sie in die Knie“, sagte Neumann dem Handelsblatt.

Die Lücke bei der Förderung von Unternehmen dieser Größenklasse wird auch von anderen Branchen beklagt. Die Textil- und Modebranche steht somit stellvertretend für Branchen mit mittelständisch geprägter Struktur.

In der deutschen Textil- und Modeindustrie in Deutschland arbeiten 135.000 Mitarbeiter in 1400 Unternehmen, etwa 40 Prozent im Bekleidungsbereich. Viele Familienunternehmen produzieren neben Wäsche und Heimtextilien hochwertige Garne und Stoffe sowie technische Textilien, die etwa in der Autoindustrie, in der Luft- und Raumfahrt, der Umwelt- und Energietechnik sowie am Bau Anwendung findet.

Von der Krise betroffen seien vor allem Bekleidungsunternehmen sowie Unternehmen, die Matratzen, Handtücher oder Bettwäsche produzierten. Ihnen sei der Absatz durch die Schließung der Läden komplett weggebrochen sei, sagte Neumann.

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    „Neben dem stationären Handel, der völlig zum Erliegen gekommen ist, melden auch Online-Händler, dass die Kunden durch die unsichere Lage derzeit viel weniger bestellen. Auch in Autozulieferbetrieben stehen die Maschinen aufgrund des Stopps der Autoproduktion still“, sagte die Verbandspräsidentin.

    Kredite nicht die richtige Hilfe

    Mit Krediten ist den Unternehmen der Textil- und Modeindustrie nach Einschätzung von Neumann nicht geholfen. Die Kreditangebote des staatlichen Rettungsschirms würden „das Sterben vieler Unternehmen nur verlängern“, sagte Neumann.

    „Für viele unserer Unternehmen, darunter viele Familienunternehmen, sind Angebote für unbeschränkte Kredite ein Rettungsanker, an dem sie ertrinken werden.“ Mit langwierigen Kreditverhandlungen sei den Unternehmen nicht geholfen.

    Die Antragsverfahren bei den Hausbanken dauerten schon aufgrund der Masse, die es zu bearbeiten gebe, viel zu lange. „Unseren Unternehmen läuft die Zeit davon. Wenn sie keine Umsätze mehr haben und auf nicht verkaufter Ware sitzen bleiben, aber die Kosten weiterlaufen, bleibt ihnen nichts anderes als die Insolvenz“, warnte Neumann.

    Neumann fordert, einen „Corona-Notplan“ für die mittelständische Textil- und Modeindustrie aufzulegen, der insbesondere Sofortmittel zur direkten Auszahlung an die Unternehmen umfassen soll.

    „Wenn es hier nicht schnell einen Hilfsfonds mit unbürokratischen Direkthilfen für die betroffenen Unternehmen gibt, verlieren wir in Deutschland eine mittelständische Branche, die für Qualität und Werthaltigkeit in der textilen Kette steht. Was nutzt es zum Beispiel, die Autoindustrie zu retten, wenn bis dahin alle Zulieferer pleite sind“, sagte Neumann.

    Die Verbandspräsidentin appelliert an die Bundesregierung, bei ihren Entscheidungen an eine Industriepolitik von morgen zu denken: „Der Mangel an Schutzausrüstung zeigt, welche dramatischen Folgen es hat, aus Preisgründen die Produktion von Einmalprodukten fast komplett nach Asien zu verlagern“, sagte sie.

    Viele deutsche Mittelständler leisteten mit der kurzfristigen Produktion von Schutzausrüstung einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Coronakrise. „Wenn wir aber schon nach Ostern nicht mehr am Markt sind, hat Deutschland eine hoch leistungsfähige mittelständische Industrie verloren. Soweit darf es nicht kommen“, sagte Neumann.

    Mehr: Von Bangladesch bis Vietnam droht Textilfabriken der Betriebsstopp. Ihnen gehen wegen Produktionsausfällen in China die Rohmaterialien aus.

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