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Coronakrise Berliner Unternehmen im bundesweiten Vergleich stärker betroffen

Berlins Wirtschaft ist, anders als in der Finanzkrise, stark von Corona betroffen. Hauptgrund ist der Stillstand des Messe- und Tourismusgeschäfts.
31.03.2020 - 07:43 Uhr Kommentieren
Der bisher florierende Arbeitsmarkt in Berlin wird sich auf einen Schock einstellen müssen, warnt die IHK. Quelle: dpa
Alexanderplatz

Der bisher florierende Arbeitsmarkt in Berlin wird sich auf einen Schock einstellen müssen, warnt die IHK.

(Foto: dpa)

Berlin Die Coronakrise macht Berliner Unternehmen besonders schwer zu schaffen. Die Wirtschaft in der Hauptstadt sei im bundesweiten Vergleich flächendeckend stärker von den Auswirkungen der Corona-Maßnahmen betroffen, ist Beatrice Kramm, Präsidentin der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), überzeugt.

Nie zuvor wurde die Berliner Wirtschaft zu einer derartigen Vollbremsung gezwungen wie in diesen Tagen, heißt es in einem 24-seitigen Papier der Kammer, das sich auf eine Umfrage stützt, an der sich 2.300 Unternehmen aller Branchen beteiligt haben. Kramm spricht von einer „verheerenden Lage“. Die Umsatzerwartungen seien „nicht trübe, sondern katastrophal“.

So berichten 95 Prozent der Unternehmen von schlechteren Geschäften, über die Hälfte musste die geschäftliche Tätigkeit vorübergehend ganz einstellen. Ebenfalls die Hälfte kämpft mit Liquiditätsengpässen, ein Drittel fürchtet die Insolvenz.

„Wir müssen uns darauf einstellen, dass nicht alle Unternehmen den derzeitigen Lockdown überleben“, sagte Kramm und forderte erneut, dass umgehend bestehende Förderlücken geschlossen werden. „Das heißt vor allem: Es muss auch Zuwendungen für mittelständische Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern geben, so wie es die meisten anderen Bundesländer bereits tun.“

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    Der Mittelstand sichere hunderttausenden Beschäftigten Arbeit und Existenz. „Es gilt, das eine zu tun – die Solo-Selbstständigen und Kleinstunternehmen zu unterstützen – ohne das andere zu lassen: Dem Mittelstand in dieser bedrohlichen Lage beizustehen.“

    Jedes zweite Unternehmen, so die IHK, plant in den kommenden Monaten Arbeitsplätze abzubauen. Besonders dramatisch ist die Lage im Reise- und Gastgewerbe: Hier droht jedem zweiten Unternehmen die Insolvenz.

    Hilfen für den Mittelstand gefordert

    Ein Beispiel ist der Berliner Reiseveranstalter Wörlitz Tourist. Die von der Bundesregierung aufgelegten Hilfsinstrumente seien maßgeschneidert auf die Unterstützung von Kleinstbetrieben sowie für die Stützung von Großkonzernen, schlug Unternehmenschef Ulrich Basteck bereits vergangene Woche Alarm. „Wir als Mittelständler bekommen keine Soforthilfen, sondern haben nur die Möglichkeit, Kredite zu beantragen.“ Dies sei mittlerweile geschehen, sagte er am Montag dem Handelsblatt, „doch ob und wann diese ausgezahlt werden, ist bislang überhaupt nicht absehbar.“

    Der Reiseveranstalter beschäftigt 200 Mitarbeiter und verfügt über 16 Reisebüros in Berlin und Brandenburg sowie 22 eigene Busse. Seit 17. März arbeiteten die Mitarbeiter in Kurzarbeit, um Kosten zu sparen. Die Busse wurden abgemeldet.

    „Wir kämpfen“, sagt Basteck. Doch die Lage sei dramatisch. Einnahmen gibt es keine mehr – und das zu einer Zeit des Jahres, in der die laufenden Kosten und die im Vorlauf bei Hotels, Fluggesellschaften und anderen Unternehmen bereits geleisteten Ausgaben wieder erwirtschaftet werden müssten.

    Zudem forderten Kunden ihre bereits geleisteten Reiseanzahlungen zurück. „Die Liquidität des Unternehmens ist ernsthaft bedroht.“ Auch in Berlin gebe es keine Hilfen für die Mittelständler, kritisiert Basteck. „Der Senat hat das überhaupt nicht auf dem Schirm.“

    Ansturm auf Programm, lange Wartezeiten

    Der Ruf nach Hilfe ist groß – das betrifft sowohl Kredite als auch Soforthilfen für Soloselbständige und Betriebe bis zehn Beschäftigte. Seit Montag können die Länder die Zuschüsse abrufen, „um sie schnell und unbürokratisch auszuzahlen“, so das Ziel von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD). Wer das am Montag indes in Berlin auf der Website der Investitionsbank Berlin versuchte, musste sich auf Wartezeiten von mehr als einer Stunde gefasst machen, um Hilfe beantragen zu können.

    Der Ansturm auf die Programme zeige, wie groß die Probleme der Firmen sind, sagt Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB). Es gehe jetzt aber darum, nicht nur an die kleinen Unternehmen zu denken, sondern auch an die Mittelständler mit mehr als zehn Beschäftigten. „Die sind das Rückgrat der Berliner Wirtschaft.“

    Der bisher florierende Arbeitsmarkt in Berlin wird sich auf einen Schock einstellen müssen, warnt die IHK in ihrer Umfrage. Mehr als die Hälfte der Unternehmen will Personal abbauen. Zwar federe die Kurzarbeit die bereits zwei von drei Betrieben nutzten, den unmittelbaren Schaden ab.

    Aber da Ungewissheit über den Verlauf und die Dauer der Epidemie herrsche und niemand abzuschätzen vermag, wie sich Konsumlaune und Kaufkraft in den ersten Post-Corona-Monaten entwickeln werden, wird manches Unternehmen zum Mittel der Entlassung gezwungen sein.

    Die Rückkehr zum Normalbetrieb wird sich nach Einschätzung von Wörlitz-Chef Basteck mindestens ein Jahr hinziehen. „Die Menschen werden sich erst einmal sortieren müssen. Vielen bricht das Einkommen weg, eine Urlaubsreise ist dann das letzte, was geplant wird.“

    Mehr: Eine Woche Kontaktsperre: Wie die Bevölkerung die Corona-Maßnahmen beurteilt.

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