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Intensivbett an der Uni-Klinik in Rostock

Corona-Patienten haben nicht grundsätzlich Vorrang vor anderen Patienten.

(Foto: dpa)

Coronakrise Deutsche Krankenhausgesellschaft: „Wir sind besser vorbereitet als Italien“

Die Krankenhäuser erwarten für den weiteren Verlauf der Viruskrise eine Vollauslastung der Intensivbetten und Beatmungsgeräte. Corona-Patienten haben aber nicht zwingend Vorrang.
17.03.2020 - 12:47 Uhr Kommentieren

Berlin Wegen der Coronakrise stoßen die Kliniken bei der medizinischen Versorgung an ihre Grenzen. Deutschland sei besser auf die Epidemie vorbereitet als das besonders betroffene Italien, sagte der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, dem Handelsblatt. In der Krise sei aber eine „einhundertprozentige Auslastung“ der Intensivbetten und Beatmungsgeräte zu erwarten.

„Ob das dann reicht, hängt vom Verlauf des Infektionsgeschehens ab“, sagte Gaß. Der DKG-Chef kritisierte, dass in den vergangenen Jahren zu wenig in die Kliniken investiert worden sei. Das mache es „den Krankenhäusern mit Sicherheit nicht leichter, jetzt diese Krise zu überstehen“. Die DKG vertritt die Interessen von fast 2000 Kliniken in Deutschland.

Krankenhäuser würden ab sofort planbare Eingriffe verschieben, um mehr Kapazitäten für die Behandlung von schweren Corona-Fällen zu bekommen. „Klar ist: Patienten, die sich eine krumme Nasenscheidewand richten lassen wollen, können sicherlich warten“, sagte der DKG-Chef. „Das gilt auch für Patienten, die eine Hüftprothese erhalten sollen, die aber mit gewissen Einschränkungen in ihrer Mobilität noch einige Wochen oder Monate warten können.“

Corona-Patienten hätten aber nicht grundsätzlich Vorrang vor anderen Patienten. „Entscheidende Kriterien sind, wie schwer, lebensbedrohlich und behandlungsnotwendig die Erkrankung ist“, stellt Gaß klar. „Ich möchte ausdrücklich betonen, dass zum Beispiel Krebspatienten oder Patienten mit schweren Krankheitsverläufen keine Sorgen haben müssen, dass ihre geplante Operation nicht stattfindet.“

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    Lesen Sie hier das ganze Interview:

    Herr Gaß, wann ist die Kapazitätsgrenze der Krankenhäuser in der Coronakrise erreicht?
    Wir haben in Deutschland rund 28.000 Intensivbetten und etwa 20.000 Beatmungsgeräte. Diese Betten sind zu rund 80 Prozent belegt. Im Regelbetrieb variiert das aber von Klinik zu Klinik deutlich. In Krisenzeiten werden wir auch zur 100-prozentigen Auslastung kommen. Um eine Übersicht zu bekommen und Transparenz zu schaffen, haben wir eine neue Plattform eingerichtet, an die Kliniken freie Kapazitäten melden sollen.

    Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft erwartet eine „einhundertprozentige Auslastung“ der Intensivbetten und Beatmungsgeräte.
    Gerald Gaß

    Der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft erwartet eine „einhundertprozentige Auslastung“ der Intensivbetten und Beatmungsgeräte.

    Ist denn genügend medizinisches Personal da?
    Die angespannte Personalsituation ist in der Tat ein Problem. Wir haben rund 17.000 Pflegestellen in deutschen Kliniken, die nicht besetzt werden können. Deshalb ist es wichtig, dass wir ab sofort planbare Behandlungen verschieben, um so Kapazitäten freizubekommen.

    Droht uns eine ähnliche Entwicklung mit vielen Todesfällen wie in Italien?
    Wir sind besser vorbereitet als Italien, weil bei uns früher getestet wurde und die Eindämmung der Infektionen früher begonnen hat. Damit haben wir zunächst einmal Zeit gewonnen. Die extreme Situation in Italien liegt vor allem an den sehr geringen Intensivkapazitäten. Auch hier hat Deutschland eine deutlich bessere Ausgangslange. Wir haben viermal so viele Intensivbetten. Ob das aber reicht, hängt vom Verlauf des Infektionsgeschehens ab.

    Wenn jetzt planbare Eingriffe verschoben werden: Von welchen Patienten sprechen wir da?
    Einzelne Beispiel aufzuführen ist immer schwierig, aber klar ist: Patienten, die sich eine krumme Nasenscheidewand richten lassen wollen, können sicherlich warten. Das gilt auch für Patienten, die eine Hüftprothese erhalten sollen, die aber mit gewissen Einschränkungen in ihrer Mobilität noch einige Wochen oder Monate warten können.

    Die Entscheidung, bei welchen Patienten Operationen und Behandlungen verschoben werden können, müssen die Ärzte in den Kliniken treffen. Es wird dabei aber immer um die medizinische Notwendigkeit gehen. Wie lange dieser Zustand anhalten wird und wie viele Patienten betroffen sein werden, kann derzeit nicht abgeschätzt werden. Dazu ist die Entwicklung rund um Corona viel zu schnell und wechselhaft.

    Haben Corona-Patienten automatisch Vorrang?
    Nein, das haben sie nicht. Entscheidende Kriterien sind, wie schwer, lebensbedrohlich und behandlungsnotwendig die Erkrankung eines Patienten ist. Ich möchte ausdrücklich betonen, dass zum Beispiel Krebspatienten oder Patienten mit schweren Krankheitsverläufen keine Sorgen haben müssen, dass ihre geplante Operation nicht stattfindet. Die Ärzte werden verantwortlich entscheiden und auf die Patienten zugehen. Kein Patient, der schwer erkrankt ist, muss die Sorge haben, dass er eine notwendige Behandlung nicht erhält.

    Viele Kliniken rechnen mit finanziellen Einbußen durch den Fokus auf Corona-Patienten. Drohen Insolvenzen?
    Jetzt geht es um den Schutz der Bevölkerung und um die Versorgung der Menschen. Darauf konzentrieren wir alle unsere Kräfte. Die Gefahr von Insolvenzen aufgrund der derzeitigen Lage muss definitiv ausgeschlossen werden. Wir vertrauen darauf, dass der Schutzschirm, den Kanzlerin und Gesundheitsminister angekündigt haben, wirklich umfassend sein wird und vor allem unbürokratisch. Die genauen Regelungen dazu müssen jetzt wie angekündigt schnell erarbeitet und in ein Gesetz gegossen werden und schnell die Liquidität der Krankenhäuser sichern.

    Wie sollte dieser finanzielle Schutzschirm aussehen?
    Wichtig ist, dass die Unterstützung bei allen Kliniken ankommt. Denn ausnahmslos alle Krankenhäuser beteiligen sich bereits am Kampf gegen die Corona-Epidemie, der in den kommenden Wochen noch intensiviert werden muss. Es darf auf keinen Fall zu einem Klein-Klein zwischen einzelnen Krankenkassen und Krankenhäusern darüber kommen, welche Kosten in welcher Form erstattet werden.

    Handelsblatt Morning Briefing - Corona Spezial

    Die Coronakrise ist eine Ausnahmesituation. Hätte Deutschland dennoch besser vorbereitet sein können?
    Es ist momentan nicht die Zeit für Schuldzuweisungen oder abschließende Analysen. Aber klar ist: Wegen fehlender Finanzierung durch die Bundesländer sind Investitionen in Krankenhäuser ausgeblieben. Das macht es mit Sicherheit nicht leichter, jetzt diese Krise zu überstehen. Und klar ist auch, dass wir uns alle gemeinsam überlegen müssen, wie wir uns dauerhaft noch besser auf solche Extremsituationen vorbereiten können.

    In Deutschland wird seit einiger Zeit über eine Überversorgung im stationären Bereich und eine Reform der Krankenhauslandschaft debattiert. Glauben Sie, dass diese Debatte nach der Coronakrise nun einen anderen Zungenschlag bekommt?
    Ich bin überzeugt, dass der Blick auf die Bedeutung der Krankenhäuser nach dieser Krise ein anderer sein wird. Krankenhäuser sind ein fundamentaler Bestandteil der Daseinsvorsorge. Die Bevölkerung muss sich auch in Krisenzeiten auf die Gesundheitsversorgung verlassen können.

    Hier wurde in den letzten Jahren vonseiten der Politik denjenigen zu viel Aufmerksamkeit geschenkt, die Krankenhäuser nur nach statistischen Kennzahlen für Schönwetterperioden planen. Bei planvollen und zielgerichteten Strukturänderungen sind wir gesprächsbereit. Aber wir müssen endlich davon weg, dass stationäre Versorgung nur als Belastung und als Kostenfaktor angesehen wird.

    Mehr: Robert-Koch-Institut erhöht Infektionsrisiko für Deutschland auf „hoch“

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