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Coronakrise DIW: Zweiter Lockdown kostet Wirtschaft 19 Milliarden Euro

Gastronomie und Hotels sind am stärksten betroffen, ermittelte das DIW. Das IfW kritisiert, dass die Chancen des Föderalismus nicht genutzt werden.
01.11.2020 - 12:34 Uhr Kommentieren
Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), geht davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt 2021 deutlich zulegen kann, jedoch nur, wenn die zweite Infektionswelle bald gestoppt werden kann. Quelle: dpa
Marcel Fratzscher

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), geht davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt 2021 deutlich zulegen kann, jedoch nur, wenn die zweite Infektionswelle bald gestoppt werden kann.

(Foto: dpa)

Berlin Der ab Montag geltende einmonatige Lockdown infolge der Coronakrise kommt der deutschen Wirtschaft nach Berechnungen des DIW-Instituts teuer zu stehen. Er werde ihr rund 19,3 Milliarden Euro kosten, ermittelte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) für die „Welt am Sonntag“. Mit Einbußen von 5,8 Milliarden Euro sind demnach Gastronomie und Hotels am härtesten betroffen. Das wäre ein Verlust von 55 Prozent der üblichen Wirtschaftsleistung in einem Vierteljahr.

Die Bereiche Sport, Kultur und Unterhaltung müssen ein Minus von 2,1 Milliarden Euro verkraften, der Handel von 1,3 Milliarden Euro. Die deutsche Industrie muss dem DIW zufolge mit einem Minus von 5,2 Milliarden Euro rechnen. Ein Großteil der übrigen Summe entfällt auf Unternehmensdienstleister, Logistikunternehmen und auch Kinobetreiber.

Auch auf dem Arbeitsmarkt dürfte der Lockdown ausstrahlen. Die Zahl der Beschäftigten wird nach der Prognose des DIW im laufenden vierten Quartal um knapp 100.000 sinken. Die Zahl der Kurzarbeiter werde bis Ende des Jahres um 400.000 auf 3,2 Millionen steigen.

Im kommenden Jahr erwarten die Forscher eine deutliche Erholung: „Wir gehen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt 2021 wieder deutlich wird zulegen können – allerdings nur, wenn die zweite Infektionswelle bald gestoppt werden kann“, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Gleichzeitig dürfte sowohl die Zahl der Firmenpleiten als auch die der Arbeitslosen steigen. Letztere wird aktuell noch durch die Kurzarbeit abgemildert.

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    Bund und Länder hatten sich am Mittwoch auf massive Kontaktbeschränkungen verständigt, um die rasche Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen. Ab Montag müssen Gastronomie sowie Freizeit-, Kultur- und Sporteinrichtungen schließen. Der Handel sowie Schulen und Kitas sollen geöffnet bleiben. Die deutsche Wirtschaft erzielte im Sommerquartal noch ein Rekordwachstum von 8,2 Prozent zum Vorquartal.

    IfW-Chef Felbermayr: Vorteile des Föderalismus nicht genutzt

    Die Entscheidung, den Lockdown bundesweit zu verhängen, hat nach Ansicht von Ökonom Gabriel Felbermayr Nebenwirkungen: „Das macht den Lockdown teurer, als er sein müsste“, sagt der Chef des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) im Interview mit dem „Tagesspiegel“. „Deutschland ist ein großes Land. Wir haben die Vorteile des Föderalismus, nutzen sie in dieser Situation aber nicht“, sagte er. „Da ist es nicht nachvollziehbar, dass man Kommunen mit sehr unterschiedlichen Infektionszahlen gleichbehandelt.“

    Auch wünscht er sich mehr Erklärungen von der Politik: „Warum zum Beispiel dürfen Friseurläden weiter geöffnet bleiben, Fitnessstudios aber müssen schließen?“ Auch das sei nicht nachvollziehbar. Grundsätzlich aber hat Felbermayr Verständnis für einen Lockdown: „Es muss die Einsicht da sein, dass wir in einer gefährlichen Situation sind. Und das erreichen Sie mit einem Lockdown.“

    Dass Unternehmer nun 75 Prozent ihrer Umsatzeinbußen erstattet bekommen, hält der Ökonom für richtig. Das sei eine bessere Lösung als die Hilfen, die der Staat im März gezahlt hat. „Damals sind vor allem die Fixkosten wie die Miete oder Leasingraten ersetzt worden“, sagt Felbermayr.

    „Jetzt hingegen haben Sie zu einem gewissen Grad auch den Unternehmerlohn mit drin.“ Schließlich müssten auch Geschäftsführer von etwas leben. Allerdings kritisiert er: „Eine solche Lösung hätte es schon sehr viel früher geben müssen.“

    Mehr: Das Wichtigste zum Coronavirus im Überblick lesen Sie täglich in unserem Newsblog

    • rtr
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