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Coronakrise Droht eine Insolvenzwelle? Bundesregierung sieht nur wenige Unternehmen von Überschuldung bedroht

Der Bund rechnet damit, dass die umfangreichen Corona-Hilfen für Unternehmen wirken. DIW-Chef Fratzscher rechnet aber mit steigender Zahl an Insolvenzen.
16.06.2021 - 15:09 Uhr Kommentieren
In der Branche sind die Gewinne um durchschnittlich fast zwei Drittel eingebrochen. Quelle: Getty Images
Gastronomie

In der Branche sind die Gewinne um durchschnittlich fast zwei Drittel eingebrochen.

(Foto: Getty Images)

Berlin Die Bundesregierung schätzt die Gefahr einer Überschuldung von Unternehmen infolge der Coronakrise als gering ein. Zwar spiegele sich die Krise auch in den vorhandenen Daten zur Eigenkapitalsituation der Unternehmen wider. „Gleichzeitig zeigt sich nach Einschätzung der Bundesregierung jedoch, dass die umfangreichen Unterstützungsmaßnahmen zahlreichen Unternehmen geholfen haben und die überwiegende Mehrheit der Unternehmen keine Eigenkapitalrückgänge zu berichten hat“, heißt es in einer Antwort der Regierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion, die dem Handelsblatt vorliegt.

„Dementsprechend dürfte auch nur eine Minderheit der Unternehmen von einer Überschuldung bedroht sein, was wiederum mögliche Gefahren beschränkt.“ Zu einzelnen betroffenen Branchen machte die Regierung mangels detaillierter Daten keine Angaben.

Laut aktuellen Zahlen des Wirtschaftsministeriums sind seit Beginn der Krise insgesamt mehr als 107 Milliarden Euro an Hilfen für die Wirtschaft bewilligt worden. Hinzu kommt das Kurzarbeitergeld im Umfang von rund 32,3 Milliarden Euro. Allein seit November 2020 wurden an direkten, nicht rückzahlbaren Zuschüssen rund 24,5 Milliarden Euro bewilligt und ausbezahlt.

In der Antwort auf die FDP-Anfrage gibt die Regierung erstmals Auskunft über die Entwicklung des Eigenkapitalzuschusses, den Unternehmen, die besonders schwer und über eine lange Zeit von Schließungen wegen der Corona-Pandemie betroffen sind, seit April beantragen können. Der Eigenkapitalzuschuss wird zusätzlich zur Überbrückungshilfe III für förderfähige Fixkosten gewährt wie Mieten und Pachten, Zinsaufwendungen für Kredite, Ausgaben für Strom und Versicherungen.

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    Den Angaben zufolge wurden – Stand: 1. Juni 2021 – knapp 84.000 Anträge zum Eigenkapitalzuschuss mit einem Volumen von rund 1,4 Milliarden Euro gestellt. Etwas mehr als 39.000 Anträge sind bisher ausgezahlt worden. Dabei betrug die beantragte Zuschusshöhe durchschnittlich etwa 17.300 Euro. Am meisten wurde die Hilfsmaßnahme von Unternehmen des Gastgewerbes und des Handels nachgefragt.

    DIW warnt vor Anstieg der Insolvenzen in den kommenden zwei Jahren

    Der FDP-Wirtschaftspolitiker Gerald Ullrich kritisierte die geringe Auszahlungsquote. „Beim frisch eingeführten Eigenkapitalzuschuss setzt sich fort, was für die gesamten Wirtschaftshilfen gilt: Die Bearbeitung dauert zu lange“, sagte Ullrich dem Handelsblatt.

    Kritisch äußerte sich auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Marcel Fratzscher. „Die Bundesregierung unterschätzt das Risiko von Insolvenzen und Überschuldungen für Unternehmen. Sie braucht eine Strategie, wie sie mit einem Anstieg von Insolvenzen und Unternehmensschließungen umgehen will“, sagte Fratzscher dem Handelsblatt.

    „Die Frage ist nicht ob, sondern lediglich wann und wie stark ein Anstieg der Unternehmensinsolvenzen in den kommenden zwei Jahren sein wird, denn die Hilfen und die Kreditgarantien durch den Staat werden nicht ewig aufrechterhalten werden können.“ Vor allem viele Unternehmen in den konsumnahen Dienstleistungen würden realisieren, dass die Menschen durch die Pandemie ihr Verhalten permanent verändert hätten.

    Die rückläufige Zahl an Insolvenzen, obwohl die Wirtschaft eingebrochen ist und viele Unternehmen erhebliche Umsatzeinbußen erlitten haben, führt Fratzscher auch auf Corona-Ausnahmeregeln zurück. Um eine Pleitewelle in der Krise zu verhindern, hatte der Staat die Pflicht zum Insolvenzantrag bei Eintritt eines Insolvenzgrundes wie Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit zeitweise ausgesetzt.

    Grafik

    Zahlungsunfähige Unternehmen müssen seit Oktober 2020 wieder Insolvenz beantragen. Für überschuldete Firmen war diese Pflicht bis Ende Dezember ausgesetzt. Bei Unternehmen, die noch auf die Auszahlung der seit November vorgesehenen staatlichen Hilfen warteten, gilt im Falle einer Schieflage die Pflicht zur Beantragung eines Insolvenzverfahrens zum 1. Mai 2021 wieder vollumfänglich.

    Die vorübergehende Aussetzung der Insolvenzregeln sei wichtiger für die Verhinderung einer Welle von Unternehmensinsolvenzen gewesen als die Wirtschaftshilfen, betonte Fratzscher. Infolge der Krise würden sich nun viele Unternehmen auf neue Geschäftsmodelle einstellen müssen.

    Dabei müssten sie große Investitionen stemmen, um die digitale Transformation erfolgreich zu bewältigen. „Hierzu brauchen Unternehmen, vor allem im Mittelstand, eine Strategie und Unterstützung durch die Bundesregierung“, sagte der DIW-Chef.

    Mehr: 7000 Bilanzen in der Analyse: Darum bleibt die Pleitewelle in Deutschland aus

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