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Coronakrise Handwerk fordert Kurzarbeit auch für Minijobber

Geringfügig Beschäftigte zahlen nicht in die Arbeitslosenversicherung ein und leiden deshalb besonders unter der Krise. Die Gebäudereiniger fordern ein Hilfsangebot.
09.04.2020 - 08:45 Uhr Kommentieren
Für viele Reinigungskräfte gibt es derzeit keine Arbeit, weil Schulen, Büros und Fabriken geschlossen sind. Quelle: ullstein bild - Sven Simon
Reinigungskraft

Für viele Reinigungskräfte gibt es derzeit keine Arbeit, weil Schulen, Büros und Fabriken geschlossen sind.

(Foto: ullstein bild - Sven Simon)

Berlin Viele Minijobber sind mit ihrem Arbeitsverhältnis zufrieden. Sie zahlen meist keine Steuern und Abgaben, so dass der Brutto- auch der Nettoverdienst ist. Und oft dient die geringfügige Beschäftigung dazu, das Haushaltseinkommen insgesamt aufzubessern.

Doch in der Coronakrise gehören Minijobber mit zu den größten Leidtragenden. Weil sie nicht in die Arbeitslosenversicherung einzahlen, haben sie keinen Anspruch auf das beitragsfinanzierte Kurzarbeiter- oder Arbeitslosengeld. Da geht es schnell an die Existenz.

Von den rund 700.000 Beschäftigten des Gebäudereinigerhandwerks sind rund 250.000 Minijobber. Viele arbeiten normalerweise ein paar Stunden täglich, jeweils morgens und abends, wenn in Schulen, Büros oder Fabriken nichts los ist. Doch in der Coronakrise ist oft gar nichts mehr zu tun, weil Unternehmen und öffentliche Einrichtungen geschlossen sind.

„Die Beschäftigten stehen weiter auf der Payroll, aber viele Kunden lassen nicht mehr reinigen“, sagt Johannes Bungart, Geschäftsführer des Bundesinnungsverbands der Gebäudedienstleister.

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    Dass es für Minijobber bisher kein staatliches Hilfsangebot gibt, findet er ungerecht. Soloselbstständige erhielten eine Einmalzahlung von bis zu 9000 Euro für drei Monate. Das sei fast ein doppeltes Jahresgehalt für Minijobber, die bis zu 450 Euro im Monat verdienen dürfen.

    Hilfe von der Politik

    Doch geringfügig Beschäftigte gingen bei den Hilfen leer aus, kritisiert Bungart: „Die Politik sollte auch denen helfen, die es am nötigsten haben.“ Viele Minijobber seien auf den Zuverdienst angewiesen, gerade jetzt, wo vielleicht noch der Partner in Kurzarbeit sei.

    Auch der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer, macht sich für Krisenhilfen für Minijobber stark: Die Regelungen zur Kurzarbeit sollten „auch vollumfänglich für geringfügig Beschäftigte und Auszubildende Anwendung finden“, fordert er.

    Ende vergangenen Jahres waren bei der Minijobzentrale insgesamt knapp 6,7 Millionen Minijobber im gewerblichen Bereich angemeldet, davon knapp 60 Prozent Frauen. Sie verteilten sich auf gut 1,8 Millionen Arbeitgeber.

    Während die Zahl der Beschäftigten, die ausschließlich einen Minijob haben, in den zurückliegenden Jahren gesunken ist, ist die Zahl der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse als Nebentätigkeit gestiegen.

    Umwandlung der Branche

    Die Gewerkschaften setzen sich – wie im Übrigen auch das Gebäudereinigerhandwerk – für eine Umwandlung aller Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ein. Jetzt in der Coronakrise räche sich die Zweiklassengesellschaft am Arbeitsmarkt richtig bitter, sagt Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). „Für Tausende Minijobber und ihre Familien wird die Coronakrise zu einer Existenzfrage, weil sie aus dem Solidarsystem der Arbeitslosenversicherung ausgeschlossen sind.“

    Für Minijobber, die wegen geschlossener Kitas und Schulen ihre Kinder betreuen müssen und deshalb nicht arbeiten können, gibt es nach dem Infektionsschutzgesetz für höchstens sechs Wochen eine Entschädigung in Höhe von 67 Prozent des Netto-Verdienstausfalls. „Das reicht bei den meisten hinten und vorne nicht zum Leben“, sagt Buntenbach. Die Gewerkschaften fordern eine Aufstockung auf 80 Prozent.

    Auch fordert der DGB als Krisensofortprogramm eine Anpassung der Hartz-IV-Leistungen, etwa als befristeten Zuschlag auf den Regelsatz. Verlieren Minijobber wegen des Corona-Shutdowns ihren Job, ist die staatliche Grundsicherung das letzte Auffangnetz, wenn das lebensnotwendige Einkommen nicht durch einen weiteren Job oder den Partner gesichert ist.

    Mehr: Seit einem Monat hat die Corona-Pandemie unseren Arbeitsalltag im Griff. Acht Beispiele, wie unterschiedlich Manager und Mitarbeiter mit der Krise umgehen – und was Experten ihnen raten.

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