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Coronakrise Hausarbeit und Homeschooling lastet neben dem Job meist auf den Frauen

Unabhängig von der Krise folgt die Verteilung der Aufgaben in der Familie laut einer Umfrage vorwiegend klassischen Rollenbildern. Homeoffice und Homeschooling verschärfen den Trend.
03.12.2020 - 11:38 Uhr Kommentieren
Während in der Wahrnehmung der Männer Kinderbetreuung und Hausarbeit gerecht aufgeteilt sind, leiden viele Frauen unter der aktuellen Krisensituation. Quelle: dpa
Mutter mit Kind beim Kochen

Während in der Wahrnehmung der Männer Kinderbetreuung und Hausarbeit gerecht aufgeteilt sind, leiden viele Frauen unter der aktuellen Krisensituation.

(Foto: dpa)

Berlin Verfestigt die Coronakrise wieder traditionelle Rollenbilder? Dieser Eindruck kann in der Pandemie schnell entstehen, wenn sich Familien zwischen Job, Homeschooling, Haus- und Familienarbeit aufreiben. Eine neue Umfrage der Bertelsmann Stiftung kommt nun zu dem Ergebnis, dass eingefahrene Traditionen offenbar stets fortwirken.

Demnach folgt die Verteilung der Aufgaben im eigenen Zuhause vorwiegend klassischen Rollenbildern zwischen Mann und Frau. Während in der Wahrnehmung der Männer Kinderbetreuung und Hausarbeit gerecht aufgeteilt sind, leiden viele Frauen unter der aktuellen Krisensituation, so der Befund der am Donnerstag veröffentlichten Erhebung. Der Umstand, dass Kontaktsperre und Homeoffice dazu geführt haben, dass Männer und Frauen in diesem Jahr deutlich mehr Zeit zu Hause verbringen, ändert daran offenbar nichts.

So geben 69 Prozent der Frauen an, dass sie die generelle Hausarbeit erledigen, während das unter den Männern gerade einmal elf Prozent von sich behaupten. Ähnlich verhält es sich bei Kinderbetreuung und beim Homeschooling: Während laut Auskunft der Frauen jeweils mehr als die Hälfte von ihnen die hier anfallenden Aufgaben übernimmt, sind es bei den Männern nur 13 und 15 Prozent.

„Demnach finden sich Männer und Frauen bei der Bewältigung der zusätzlichen häuslichen Aufgaben, die mit den Einschränkungen des öffentlichen und beruflichen Lebens einhergehen, häufig in traditionellen Rollen wieder“, heißt es in einer Mitteilung der Bertelsmann Stiftung. In der Coronakrise laste die Haus- und Familienarbeit zum überwiegenden Teil auf den Schultern der Frauen.

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    Das Marktforschungsunternehmen Ipsos hatte im Auftrag der Stiftung mehr als 1000 Menschen im Mai 2020 befragt. Die Ergebnisse seien repräsentativ für die deutschsprachige Gesamtbevölkerung, hieß es.

    Mehr Retraditionalisierung

    Kurz nach dem ersten Lockdown zu Jahresbeginn hatte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) auf erste Umfragen verwiesen, nach denen Frauen in alte Rollenbilder zurückgedrängt würden und eher ihre Arbeitszeiten verkürzten als Männer, um die anfallende Sorgearbeit zu erledigen.

    Jüngst ergab dann aber eine repräsentative Befragung von Eltern mit Kindern unter 15 Jahren von Allensbach im Auftrag des Familienministeriums, dass in der Coronakrise in 59 Prozent der Fälle die Aufteilung bei der Kinderbetreuung unverändert blieb. 21 Prozent der Befragten gaben an, die Aufgabenverteilung sei ungleicher geworden. Und 20 Prozent fanden den Umgang mit den Kindern sogar partnerschaftlicher.

    Die Umfrage der Bertelsmann Stiftung spricht nun wieder mehr für Retraditionalisierung. Und die geschieht offenbar ganz bewusst: Obwohl den Männern auffällt, dass viele der genannten Aufgaben bei den Frauen liegen, sind sie dennoch zu 66 Prozent der Ansicht, die Aufgaben der Kinderbetreuung und Hausarbeit seien gerecht aufgeteilt.

    Die Frauen sehen das allerdings anders. Noch nicht einmal jede zweite Befragte ist der Meinung, dass die Hausarbeit gerecht verteilt sei. 43 Prozent geben an, dass ihnen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schwerer falle als zu normalen Zeiten. Fast die Hälfte der Frauen fühlt sich außerdem durch die Situation an ihre körperliche, psychische und emotionale Grenze gebracht. Unter den Männern räumen dies 30 Prozent ein.

    Ungleiche Aufteilung bereits vor Corona

    Die Befunde von Karsten Hank und Anja Steinbach vom Institut für Soziologie und Sozialpsychologie der Universität zu Köln, über die die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ zuerst berichtete, gehen in eine ähnliche Richtung. Demnach übernehmen in 60 Prozent der Beziehungen die Frauen überwiegend oder sogar vollständig die Hausarbeit und Kinderbetreuung. Seit Pandemiebeginn bringen sich zwar mehr Männer ein, allerdings nur fünf bis sieben Prozent. Studienautor Hank stellte fest, der kurz- oder gar nicht arbeitende Mann trinke eher ein Bier im Garten und hoffe, andere Arbeitslose zu treffen, als sich im Haushalt einzubringen.

    Auch laut der Bertelsmann-Ergebnisse ist die Coronakrise nicht der Auslöser für eine traditionelle Rollenverteilung. Demnach ist jede zweite Frau der Auffassung, dass Hausarbeit und Kinderbetreuung schon vor Ausbruch der Pandemie ungleichmäßig zwischen ihr und dem Partner aufgeteilt gewesen seien. Von den Männern äußern immerhin 39 Prozent dieselbe Meinung.

    „Insofern hat die Coronakrise weniger einen Rückfall in traditionelle Rollen verursacht, sondern scheint vielmehr ans Licht zu bringen, dass die traditionelle Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen in Deutschland bisher so gut wie gar nicht aufgebrochen war“, teilte die Stiftung mit.

    Barbara von Würzen, Expertin für Führung und Unternehmenskultur bei der Bertelsmann Stiftung, meint: „Vor diesem Hintergrund sollten sich sowohl Frauen als auch Männer mit ihren privaten und beruflichen Rollen auseinandersetzen, die Aufgabenverteilung in der Familie zur Sprache bringen und mit Rücksicht auf die Belastungen und Bedürfnisse des Partners oder der Partnerin aushandeln.“

    In Krisenzeiten, in denen Schulen, Kitas und andere Betreuungseinrichtungen geschlossen seien, sei es somit schwieriger geworden, das Bild der funktionierenden Karrierefrau aufrecht zu erhalten, die immer und jederzeit für den Arbeitgeber zur Verfügung steht.

    „Es bedarf eines interdisziplinären gesellschaftlichen Diskurses über die Vor- und Nachteile einer modernen Arbeitswelt. Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik, Familien- und Gesundheitspolitik können nicht mehr getrennt betrachtet werden“, fordert Martin Spilker, Experte für Unternehmenskultur und Führung bei der Bertelsmann Stiftung.

    Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben müssten an bereits existierende oder absehbare Entwicklungen in der Arbeitswelt angepasst werden. Maßnahmen für flexiblere Arbeitsformen sollten demnach forciert werden, dürften aber nicht zu Lasten der Work-Life Balance auf der persönlichen Ebene gehen.

    Mehr: Die neue Regelung zur Frauenquote ist von den Unternehmen selbst verschuldet

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