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Coronakrise RKI-Chef Wieler: „Die Einsicht der Bevölkerung ist noch lange nicht groß genug“

Der Chef des Robert Koch-Instituts appelliert an die Menschen, sich an die Regeln zu halten. Zur Eindämmung des Virus müssen aber auch viele Kliniken mehr tun.
31.03.2020 - 11:57 Uhr Kommentieren
Der Leiter des Robert Koch-Instituts erwartet eine Zunahme der Sterblichkeit durch das Coronavirus. Quelle: dpa
Lothar Wieler

Der Leiter des Robert Koch-Instituts erwartet eine Zunahme der Sterblichkeit durch das Coronavirus.

(Foto: dpa)

Berlin „Kein Land hat mehr Beatmungsplätze pro Einwohner als Deutschland“, sagte der Chef des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, am Dienstag auf seiner ersten Pressekonferenz zur Coronakrise seit sechs Tagen. Ob diese ausreichen, sei allerdings unklar, denn „die Pandemie läuft weiter und wird noch einige Wochen und Monate unterwegs sein“. Daher komme es nun darauf an, diese Kapazitäten für Schwerkranke auch optimal zu nutzen. 

Wieler appellierte daher an alle Krankenhäuser, ihre jeweils verfügbaren Betten auf der zentralen Webseite der „Divi“ einzutragen. Aktuell meldeten schon knapp zwei Drittel der Krankenhäuser mit Intensivbetten ihre Daten an die Seite der „Deutschen interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin“ und des RKI, das waren zuletzt 729 von insgesamt 1116 Kliniken.

Das sei schon ein „sehr großer Erfolg“, so Wieler. Eine „optimale Zuteilung der schweren Fälle“ und somit die Rettung einer größtmöglichen Zahl von schwer an Covid-19 Erkrankten sei aber nur möglich, wenn wirklich alle Krankenhäuser mitmachten.  

Stand Dienstag, null Uhr, waren dem RKI knapp 62.000 Corona-Infizierte und 583 Verstorbene gemeldet. Die Unterschiede sind nach wie vor sehr groß: Pro 100.000 Einwohner gibt es in Hamburg 119, in Mecklenburg-Vorpommern, das sich extrem abschottet, hingegen nur 23 Infizierte. Genesen seien bisher – vorsichtig gezählt – rund 16.000 Menschen.

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    Von den Toten waren 13 Prozent, also 77 Menschen, jünger als 70 Jahre. 57 Menschen waren jünger als 60 Jahre. Die rechnerische Sterblichkeit, also das Verhältnis von Infizierten zu Todesfällen, liege aktuell nach wie vor bei nur 0,8 Prozent.

    Wieler erwartete jedoch eine Zunahme der Sterblichkeit – vor allem weil der Tod bei Infizierten erst nach einiger Zeit eintritt. Zudem wurden neuerdings mehr alte Menschen in Heimen infiziert, auch dies werde die Rate vermutlich nach oben treiben. 

    Handy-Überwachung „nicht umsetzbar“

    Wieler appellierte erneut an die Menschen, zu Hause zu bleiben und sich selbst in Quarantäne zu begeben, wenn sie krank sind. Zur Debatte über die Wirksamkeit von einfachen Masken – dem sogenannten Mund-Nasen-Schutz – sagte er: „Auch selbst gebastelte oder genähte halten beim Nießen oder Husten Tröpfchen zurück und sind daher sinnvoll.“

    Experten weisen immer wieder darauf hin, dass einfache Masken – ähnlich wie Schals oder umgebundene Tücher – durch das Abfangen der Tröpfchen vor allem dem Schutz der anderen dienen. 

    Eine Standortbestimmung Infizierter oder deren Kontaktpersonen per Handy-Überwachung hält Wieler in Deutschland für „definitiv nicht umsetzbar“. Er räumte aber zugleich ein, dass dies die Arbeit der Gesundheitsämter bei der Verfolgung der Infektionsketten enorm erleichtern würde. Und: „Es ist klar, dass das in Südkorea massiv geholfen hat.“

    Im Vergleich zur Vorwoche sei die Einsicht in der Bevölkerung deutlich gewachsen – allerdings sei sie noch lange nicht groß genug, so Wieler. Nach der „Cosmo-Studie“ der Universität Erfurt hätten zuletzt 41 Prozent der Befragten das Virus als gefährlich eingeschätzt, eine Woche zuvor waren es nur 34 Prozent. Ein Drittel ist unsicher.

    Es sei auch „bedauerlich, dass viele Menschen immer noch an einen Medienhype glauben“, sagte der RKI-Chef. Und 89 Prozent geben zwar an, zu wissen, dass man sich bei Krankheitssymptomen in freiwillige Selbstquarantäne begeben und auf keinen Fall weiter arbeiten sollte, um keine Dritten zu gefährden. Aber lediglich 63 Prozent sagen, sie würden es auch tatsächlich tun, wenn sie selbst betroffen seien. 

    Mehr: Alles zu den aktuellen Entwicklungen rund um das Coronavirus lesen Sie in unserem Newsblog.

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