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Coronakrise Stau bei Genehmigungen: Mangelhafte Digitalisierung gefährdet den Neubau

Immobilien- und Wohnungsunternehmen schlagen Alarm: Eine unzureichende Digitalisierung verhindern dringend notwendige Baumaßnahmen.
16.04.2020 - 08:32 Uhr Kommentieren
In der Coronakrise rächt sich die mangelnde Digitalisierung. Quelle: dpa
Baugenehmigungen

In der Coronakrise rächt sich die mangelnde Digitalisierung.

(Foto: dpa)

Berlin 2019 wurden in Deutschland mehr Genehmigungen für den Bau von Wohnungen erteilt als 2018. Die Zahl stieg im Vorjahresvergleich um vier Prozent auf 360.600 Wohnungen – eine Rekordzahl. Mehr Genehmigungen gab es seit der Jahrtausendwende nur 2016. In diesem Jahr wird sich diese Entwicklung kaum wiederholen. Das befürchtet die Bau- und Immobilienbranche nach vier Wochen Corona-Ausnahmezustand in Deutschland. 

„Eine Umfrage unter unseren mittelständischen Mitgliedsunternehmen zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie hat gezeigt: Bei der Erteilung von Baugenehmigungen hakt es derzeit am meisten“, sagte Andreas Ibel, Präsident des BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, dem Handelsblatt. „Jetzt rächt sich, dass viele Kommunen digitale Baugenehmigungsverfahren noch nicht angegangen sind – obwohl das die Teilnehmer des Wohngipfels im Jahr 2018 als dringliches Ziel ausgegeben haben.“

Überall da, wo sonst Menschen zusammen kämen, müssten digitale Lösungen gefunden werden, mahnte Ibel. „Das gilt auch beim Einreichen und Bearbeiten von Baugenehmigungen in den Bauaufsichtsbehörden.“ Die Mitarbeiter müssten auch im Homeoffice entscheidungsfähig gemacht werden, forderte der BFW-Präsident. Anderenfalls drohten verheerende Folgen: „Was nicht genehmigt wird, kann nicht gebaut werden.“

Dabei ist Deutschland, gerade in den Ballungsräumen, auf Wohnungsbau dringend angewiesen. Da die Nachfrage das Angebot seit Jahren übersteigt, haben sich Mieten als auch Preise für Eigentumswohnungen kräftig erhöht. 2018 hatte das von Horst Seehofer (CSU) geführte Bundesbauministerium zu einem Wohngipfel geladen, um drängende Probleme in der Branche anzugehen.

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    Die Zahl der Baugenehmigungen ist zwar kein Indiz für die Entwicklung der Baukonjunktur, wohl aber Voraussetzung für den Bau neuer Wohnungen - und steht deswegen stets im Fokus von Immobilienexperten.

    Jürgen Michael Schick, Präsident des Immobilienverbandes ivd, erklärte, es sei davon auszugehen, dass die Zahl der Baugenehmigungen in den nächsten Monaten sinken werde. Investoren würden ihre Pläne überdenken. Er forderte – ebenso wie Ibel – die Baugenehmigungsverfahren auch während der Corona-Pandemie fortzusetzen, um die Schaffung von dringend benötigtem Neubau zu sichern.

    „Konjunkturgarant für die Zeit nach der Krise“

    „Die Baugenehmigungen von heute sind Konjunkturgarant für die Zeit nach der Krise“, mahnte Schick. BFW-Präsident Ibel forderte, „wo öffentliche Sitzungen und Bürgerbeteiligung erforderlich sind, müssen rasch pragmatische Lösungen gefunden werden – etwa durch die Auslegung der Unterlagen in separaten Räumen unter entsprechenden Hygienebedingungen oder durch Videokonferenzen“.

    Vor allem eines fällt der Branche jetzt auf die Füße: eine unzureichende Digitalisierung von Planungs-, Genehmigungs- und Bauprozessen, die notwendige Baumaßnahmen verhindert. Sie könnte die Lücke verkleinern, die, wie Ibel sagt, „durch jahrelangen Personalabbau in den Planungsämtern geschaffen wurde und die sich jetzt durch die Corona-Pandemie weiter vergrößert hat“.

    „Wohnimmobilien könnten als Gewinner aus der Krise herausgehen“

    Die meisten Behörden sind eben nicht optimal aufgestellt, was die Wohnungswirtschaft seit langem kritisiert. So würden digitale Prozesse nicht nur die Kontinuität der Arbeit in Phasen wie der Corona-Pandemie sicherstellen, sondern könnten ganz grundsätzlich den Wohnungsbau beschleunigen. „Häufig ist festzustellen, dass die freiberuflichen Architektur- und Planungsbüros über modernste Ausstattung verfügen, die kommunalen Bauämter jedoch nicht“, erklärte unlängst Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW.

    Dass die Nachfrage nach Wohnraum in den nächsten Monaten einbrechen wird, ist bislang nicht zu erwarten. Investoren wie Sebastian Fischer von Primus Immobilien beobachten etwa für Berlin eine weiterhin hohe Nachfrage – trotz Corona.

    Mehr: Noch läuft die Arbeit auf den meisten deutschen Baustellen weiter, trotz Personalausfällen und zunehmenden Lieferengpässen. Doch das Konfliktpotenzial nimmt zu.

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