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Coronakrise Unternehmen kürzen ihre Investitionen drastisch – und es drohen neue Probleme

Eine umfangreiche Umfrage zeigt: Fast jede zweite deutsche Firmen hat in diesem wegen Corona weniger investiert. Nach der Krise sehen sie ein anderes Problem auf sich zukommen.
01.12.2020 - 19:13 Uhr Kommentieren
EIB-Vizepräsident Ambroise Fayolle sagt: „Die Pandemie dämpft Investitionen“ Quelle: dpa
Europäische Investitionsbank

EIB-Vizepräsident Ambroise Fayolle sagt: „Die Pandemie dämpft Investitionen“

(Foto: dpa)

Berlin Die Aussichten für den Euro-Raum verdunkeln sich angesichts der zweiten Corona-Welle wieder. Solange hohe Infektionszahlen immer wieder Lockdowns erzwingen, wird der erhoffte Rebound der Konjunktur ausbleiben, warnen Ökonomen.

Diese dunkleren Aussichten verunsichern auch die Unternehmen. So geben 45 Prozent der deutschen Firmen an, 2020 wegen Corona weniger zu investieren. Dies zeigt eine Umfrage der Europäischen Investitionsbank (EIB) unter 13.300 europäischen Unternehmen, die dem Handelsblatt vorab vorliegt.

„Die Pandemie dämpft Investitionen, sodass Europa möglicherweise schlechter in der Lage ist, die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu bewältigen“, sagte EIB-Vizepräsident Ambroise Fayolle: Man brauche jetzt ein „abgestimmtes europäisches Vorgehen, um die Unsicherheit zu überwinden“.

Unter allen Branchen fährt laut der Umfrage die deutsche Industrie ihre Investitionspläne wegen Covid-19 am stärksten zurück. 56 Prozent aller Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe wollen wegen Corona ihre Investitionen kürzen.

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    Der wenig überraschende Grund: Die Unternehmen sind in der Coronakrise deutlich pessimistischer geworden, was ihre Geschäftsaussichten, das gesamtwirtschaftliche Klima sowie die Finanzierung von Investitionen betrifft. 78 Prozent der Unternehmen nennen die unsicheren Zukunftsaussichten als Grund, warum sie ihre Investitionen zurückfahren.

    Interessant ist allerdings: Ein noch größeres Investitionshindernis für deutsche Unternehmen stellt der Fachkräftemangel dar, den 83 Prozent der Unternehmen als größtes langfristiges Problem ansehen – mehr als in anderen EU-Ländern.

    Hier spiegelt sich vor allem die Entwicklung der vergangenen Jahren wider. Vor Corona war die deutsche Wirtschaft zehn Jahre in Folge gewachsen. In Teilen Deutschlands herrschte Vollbeschäftigung, Unternehmen hatten große Probleme, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden, insbesondere Firmen auf dem Land.

    Der Fachkräftemangel wird auch nach Corona fortbestehen, selbst im Falle einer höheren Arbeitslosigkeit. Denn nicht alle Arbeitnehmer passen auf die freien Stellen. Und die in diesem Jahrzehnt stark Fahrt aufnehmende Alterung der Gesellschaft wird das Reservoir an Arbeitskräften weiter verknappen.

    In den vergangenen Jahren hat eine starke Zuwanderung den Verlust an Arbeitskräften wettgemacht. Durch Corona ist die Zuwanderung allerdings zum Stillstand gekommen, die Bevölkerung ist erstmals seit langer Zeit im ersten Halbjahr 2020 geschrumpft. Wie die Entwicklung in der Zukunft weitergeht, ist derzeit schwer vorherzusagen.

    Digitalisierung und Klimawandel sind die großen Zukunftsthemen

    68 Prozent der befragten deutschen Unternehmen glauben, dass eine der langfristigen Folgen von Corona der zunehmende Einsatz digitaler Technologien sein wird. 41 Prozent der Firmen erwarten, ihr Produkt- und Dienstleistungsangebot anpassen zu müssen, 45 Prozent rechnen mit einer Anpassung der Lieferketten.

    Neben Corona und der Digitalisierung ist der Klimawandel das große Zukunftsthema für die Unternehmen. 54 Prozent der Unternehmen glauben, dass ihr Geschäft vom Klimawandel und den damit verbundenen Wetterveränderungen beeinträchtigt sein wird.

    Insgesamt sind die Firmen der Auffassung, dass der Übergang zu einer kohlenstoffarmen Zukunft eher positiv als negativ sein wird. Allerdings rechnen sie laut der Umfrage in den nächsten fünf Jahren mit eher negativen Auswirkungen auf ihre Lieferketten.

    Der Anteil der deutschen Unternehmen, die im vergangenen Geschäftsjahr in Energieeffizienz investiert haben, ist mit 52 Prozent leicht höher als im EU-Durchschnitt.

    Die Umfrage vermittle ein klares Bild der wachsenden Herausforderungen, die durch Corona zum Teil noch verstärkt würden, sagt EIB-Chefvolkswirtin Debora Revoltella: mehr Digitalisierung, mehr Innovation und mehr Klimaschutz. „Der Investitionsbedarf und die angespannte interne Finanzierungslage europäischer Unternehmen verlangen geduldige langfristige Investoren“, so Revoltella.

    Die 1958 gegründete EIB ist die Förderbank Europas und einer der größten Investoren in Europa. So hat sie etwa auch dem Impfstoffhersteller Curevac einen Kredit in Höhe von 75 Millionen Euro bewilligt. Ihr Präsident ist der Deutsche Werner Hoyer (FDP), früherer Staatsminister im Auswärtigen Amt.

    Mehr: Ersparnisse der Firmen gehen zurück – Rückgang der Investitionen droht

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