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Coronakrise Zögerliche Ticketerstattung: Verbraucherschützer wollen juristisch gegen Airlines vorgehen

Nach den massenhaften Flugausfällen warten immer noch viele Verbraucher auf die Erstattung ihrer Tickets. Verbraucherschützer wollen das nicht länger hinnehmen.
11.08.2020 - 10:53 Uhr Kommentieren
Fast menschenleer ist das Terminal 1 des Flughafens Frankfurt: In der Coronakrise ist der Flugverkehr nahezu komplett zusammengebrochen. Quelle: dpa
Flughafen Frankfurt am Main

Fast menschenleer ist das Terminal 1 des Flughafens Frankfurt: In der Coronakrise ist der Flugverkehr nahezu komplett zusammengebrochen.

(Foto: dpa)

Berlin Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller hat Reise- und Flugunternehmen wegen schleppender Rückzahlung von Tickets mit juristischen Konsequenzen gedroht. Die Erstattungspraxis vieler Firmen sei ein Skandal.

„Sie brechen geltendes Recht und zahlen Vorkasse-Gelder für stornierte Reisen und Flüge wochen- und monatelang nicht zurück“, sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) dem Handelsblatt. Der VZBV sowie die Verbraucherzentralen „gehen deshalb juristisch gegen solche Unternehmen vor“.

Nach den vielen Corona-bedingten Flugausfällen warten zahlreiche Verbraucher auch Wochen und Monate später noch auf die rechtlich verbindliche Erstattung ihrer Tickets. Dabei müssen die Gesellschaften eigentlich den Ticketpreis grundsätzlich innerhalb von sieben Tagen erstatten.

„Wir stehen zu dem Thema Erstattungen in bestem Kontakt zur deutschen Bundesregierung“, sagte eine Lufthansa-Sprecherin am Wochenende. Insgesamt seien im Jahr 2020 für die gesamte Lufthansa-Gruppe bisher mehr als zwei Milliarden Euro ausbezahlt worden. Flüge aus den Monaten März und April seien bereits weitestgehend abgearbeitet. Weniger als eine Milliarde Euro an Erstattungen stünden noch aus.

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    Verbraucherschützer Müller brachte eine gesetzliche Pflicht zu automatischen Entschädigungen ins Spiel. „Bislang entschädigen die Airlines trotz aller Versprechungen weder zeitnah noch online-basiert. Das ist alles andere als verbraucherfreundlich“, sagte der VZBV-Chef. „Deshalb sollte nun die Bundesregierung eine automatisierte Entschädigung auf den Weg bringen.“

    Starker Anstieg bei Bußgeldverfahren

    Die Entschädigungspraxis der Airlines hat auch die zuständige Aufsichtsbehörde auf den Plan gerufen. Wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervorgeht, hat das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) bis 30. Juni 2020 insgesamt 648 Bußgeldverfahren gegen Fluggesellschaften aufgrund von Passagierbeschwerden eingeleitet. Die Zahl liegt damit bereits jetzt über den im gesamten Vorjahr eingeleiteten Verfahren (630).

    Laut der Regierungsantwort, die dem Handelsblatt vorliegt, führt das LBA als Aufsichtsbehörde über die Luftfahrtunternehmen vor allem wegen abgesagter (375) und verspäteter (245) Flüge Ordnungswidrigkeitsverfahren durch.

    Über 20 Verfahren laufen außerdem wegen sogenannter Nichtbeförderung, insbesondere wegen Überbuchung, und Verstößen gegen Informationspflichten. Insgesamt 174 der eingeleiteten Verfahren betreffen die Erstattung von Flugticketkosten. „Das LBA prüft die Anzeigen und wird bei festgestellten Verstößen Bußgelder verhängen“, heißt es in der Antwort der Bundesregierung.

    „Bundesregierung muss Infokampagne starten“

    Auch das Beschwerdeaufkommen ist infolge der Coronakrise gestiegen. Insgesamt gingen beim Luftfahrt-Bundesamt in der ersten Jahreshälfte 1470 Beschwerden wegen Annullierungen, Verspätungen oder Nichtbeförderung ein. Davon wurden seit Mitte März, dem Zeitpunkt, als wegen Corona der Luftverkehr fast vollkommen zum Erliegen kam, etwas mehr als 1000 Beschwerden erfasst. Rund 680 davon richteten sich gegen die Nichterstattung der Flugscheinkosten.

    Der Grünen-Tourismuspolitiker Markus Tressel wies darauf hin, dass im Vergleich zu den Verbraucherzentralen nur wenige Beschwerden beim LBA ankämen. Dies zeige auch, dass die meisten Betroffenen von ihren Rechten immer noch keine Kenntnis hätten, sagte Tressel dem Handelsblatt. „Die Bundesregierung muss deshalb eine Infokampagne starten, damit Verbraucherinnen und Verbraucher ihre Rechte kennen und die Möglichkeit zur Beschwerde nutzen können.“

    Verbraucherschützer Müller zeigte sich offen für den Vorstoß. „Eine Infokampagne ist sicherlich hilfreich.“ Besondere Unterstützung verdiene vor allem die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (söp). „Denn das ist die kostenfreie Anlaufstelle für Verbraucher, die im Streitfall mit Verkehrsunternehmen schlichten kann.“

    Mehr: Lesen Sie hier, was das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) gegen die zögerliche Ticketerstattung unternimmt.

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