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Coronavirus „Befinden uns noch früh in der Pandemie“ – RKI widerspricht Leopoldina-Vorstößen

Die Infektionszahlen sind gesunken. Doch es ist offen, ob sich die Pandemie tatsächlich abschwächt. Dafür braucht es nach Ansicht von RKI-Chef Lothar Wieler noch mehr Daten.
14.04.2020 - 12:43 Uhr 5 Kommentare

„Die Covid-19-Zahlen in unserem Land zeigen einige positive Tendenzen“

Berlin Es sind Zahlen, die Hoffnungen wecken: Am Ostermontag wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) rund 2000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet – ähnlich viele wie an den Tagen zuvor. Das sind deutlich weniger Fälle als in der Woche vor Ostern, als täglich bis zu 5000 Fälle hinzukamen.

RKI-Präsident Lothar Wieler nannte am Dienstagmorgen die neuen Zahlen zwar absolut erfreulich. Sie wären aber dennoch kein Grund zur Entwarnung. Das gelte selbst für den Fall, dass die Fallzahlen auch am Mittwoch weiterhin relativ niedrig ausfallen. 

„Wir können noch nicht abschließend sagen, ob die Fallzahlen tatsächlich sinken“, sagte Wieler. „Dafür brauchen wir noch mehr Daten.“ Derzeit hätten sich die Werte „auf hohem Niveau eingependelt“, und es gebe „keine eindeutigen Hinweise, dass sie stark zurückgehen“.

Wieler begründete seine Vorsicht damit, dass nach freien Tagen wie an Ostern die neuen Fallzahlen verzögert an das RKI gemeldet werden. Zudem sei es wahrscheinlich, dass an den Feiertagen weniger getestet worden sei. 

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    Außerdem liege die sogenannte Reproduktionsrate – also der Wert, der angibt, wie viele weitere Personen ein Infizierter ansteckt – noch immer bei 1,2. Das RKI hatte stets darauf hingewiesen, dass sich das Epidemiegeschehen erst dann wirklich abschwächt, wenn dieser Wert unter eins liegt.

    Generell gelte weiter, dass „wir uns noch sehr früh in der Pandemie befinden“ und ein Großteil der Bevölkerung noch nicht immun sei. Zudem gebe es für den Umgang mit dem erst Anfang Januar identifizierten Virus eben „keine Blaupause“.

    Das erschwert die Lage für die Politik erheblich. Die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten haben sich für Mittwoch zu einer Videokonferenz verabredet, um über eventuelle Lockerungen der Kontaktbeschränkungen zu entscheiden.

    Ältere sollten zuerst in die Schule zurück

    Der RKI-Chef wandte sich gegen die Bewertung der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, die vorgeschlagen hatte, bei gedämpftem Pandemiegeschehen zunächst die jüngsten Kinder wieder in die Schulen zu schicken. „Aus epidemiologischer Sicht macht es sehr viel Sinn, erst die Älteren wieder in die Schulen zu schicken“, sagte Wieler. Denn diese seien „sehr viel besser in der Lage, die nötigen Abstandsregeln einzuhalten“. Entscheiden müsse das aber die Politik.

    Unter Bildungspolitikern wird aktuell vor allem diskutiert, wie man mit den Abschlussklassen verfahren soll. Nach den Daten des Statistischen Bundesamts warten derzeit rund 1,1, Millionen Schüler auf die Antwort darauf, ob und in welcher Form sie ihren Abschluss machen können.

    Wieler rief daher die Bevölkerung auf, auf jeden Fall weiter extrem vorsichtig zu sein, und sich an die Regeln zu halten. Der zuletzt festgestellte Rückgang der Daten sei ein sehr schöner Erfolg, der nur möglich gewesen sei, weil die Bürger so diszipliniert seien.

    Die Dunkelziffer der Infizierten schätzt er aufgrund der hohen Testzahlen in Deutschland weiter als relativ gering ein. Für die Beobachtung und Einschätzung des Epidemieverlaufs sei es aber sehr hinderlich, dass es keine Meldepflicht für Tests mit negativem Ergebnis gebe. Das RKI hatte dies mehrfach empfohlen.

    Auch im Bundesgesundheitsministerium sei man offen dafür, das Infektionsschutzgesetz entsprechend zu ändern, so Wieler – dafür sei aber auch die Zustimmung der Länder nötig, die es bisher nicht gebe.

    Meldungen aus Südkorea nicht eindeutig zu bewerten

    Im internationalen Vergleich zu den Hotspots in Nordamerika und Europa steht Deutschland mit zuletzt 125.000 Infizierten, von denen geschätzt die Hälfte schon wieder genesen ist, und knapp 3000 Toten noch sehr gut da: In den USA sind bereits mehr als 22.000 Menschen gestorben, in Italien rund 20.000 und in Spanien 17.000. 

    Zu den aufschreckenden Meldungen aus Südkorea, nach denen sich dort gut 90 Menschen erneut mit Sars-CoV-2 infiziert hätten, sagte Wieler, dies sei bislang noch unklar. Auch nach einem Gespräch mit einem der führenden Virologen Koreas könne er nur sagen, dass „die meisten Fachleute Re-Infektionen für nicht plausibel halten“.

    Eine Erklärung für die Fälle könnten falsche Negativtests sein oder der Fund von Virus-Ausscheidungen, die aber nicht mehr vermehrungsfähig seien. All das seien aber Stand heute „nur Hypothesen“.

    Angesichts der regen Debatte über eine Maskenpflicht warnte Wieler erneut vor vermeintlicher Sicherheit: Man könne zwar davon ausgehen, dass auch selbst gebastelte oder genähte Masken das Risiko der Ansteckung für andere senken würden, das sei aber „nicht nachgewiesen“.

    Auch die einfachen OP-Masken böten zwar einen gewissen Schutz für Dritte, aber keinesfalls hundertprozentigen. Eine große Gefahr sei zudem, dass Menschen sich mit Masken subjektiv sicherer fühlten und daher die Abstandsregeln und die Handhygiene nicht mehr so ernst nähmen – und sich womöglich öfter ins Gesicht fassten. Das jedoch sei epidemiologisch extrem schädlich.

    Mehr: Ein Beratergremium der Regierung hat Vorschläge für die schrittweise Rückkehr zur Normalität erarbeitet. Das Tempo der Lockerungen ist in der Politik umstritten.

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    5 Kommentare zu "Coronavirus: „Befinden uns noch früh in der Pandemie“ – RKI widerspricht Leopoldina-Vorstößen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Herr Merz, von mir volle Punktzahl.

      Ich meine wir können es uns leisten - bei der Vernunft der Menschen - auf das schwedische Modell umzuschwenken.
      Die Immunisierung der Bevölkerung muss einfach schneller gehen.
      Und wie schon häufig von mir gesagt, die Zahlen vom RKI ist wenig dazu geeignet, davon so weitreichende und für uns teure Entscheidungen zu begründen.
      Die Qualität der Empfehlung vom RKI ließ schon in der Vergangenheit zu wünschen übrig.

      Die Datenlage für die Grundlage von Entscheidungen müssen her. Die Hochrechnungen vom RKI aufgrund von imaginären Annahmen bringt uns nicht entscheidend weiter.

      Wir könnten ein wenig Mut zeigen. In der Tat ist es Fakt, dass nicht jeder Coronatoter nicht an sondern mit Corona gestorben ist. Das ist eine wichtige Aussage, die das RKI nur auf journalistischer Nachfrage bestätigt hat.
      Wir sollten nicht wieder akzeptieren, dass das Handeln der politischen Spitze - bei allem Wohlwollen - alternativlos ist - siehe Schweden.

      Bleibt gesund.

    • Die nächste Bundestagswahl ist noch zu weit weg, also dauert die Epedimie noch weiter an....
      Für mich ist das wichtiste, dass die Kinderspielplätze wieder freigegeben werden, damit die Kinder an der Luft spielen können! Wir sind sowieso fast alle schon mit dem Virus in Kontakt gewesen. Doch keiner wird wissen wie welche Maßnahme sich auswirkt, wenn nicht ausprobiert wird. Freiheit und Selbstbestimmung ist für mich wichtiger als von "Oben" diktiert zu werden. Ein allgemeines Lebensrisiko ist von jedem zu akzeptieren!

    • Herr März: "Risikogruppen sollten sollten die Öffentlichkeit meiden, um sich zu schützen. "
      Vielen Dank auch, sie Promoter der "Herde". Ich soll mich selbst einsperren? Kaufen Sie für mich dann ein?

      Mieter treffen sich schon jetzt mit anderen im Hausgarten, 51 Studenten in München wurden zerstreut, in den Ostertagen sah ich Völkerwanderung am Isarufer.
      Ich bin neugierig wie die Zahlen sich in 2 Wochen entwickeln werden, ob wir dann noch freie Plätze in den Münchner Krankenhäusern haben werden?

      Bleiben Sie gesund!

    • Wenn man die Schulen und Kindertagesstätten jetzt wieder aufmacht, kann man auch gleich jedem im Krankenhaus die Hand schütteln. Die Kinder kommen auch irgendwann aus der Einrichtung nach Hause, die Eltern sind auch nicht alle 25 Jahre alt. Wer Kinder hat, weiß, wie häufig diese alle möglichen Krankheiten von Außen einschleppen. Perfektes Durchseuchungs-Management. Wie will man denn ernsthaft in der Schule Hygiene- Maßnahmen und Abstand einhalten? Hat mal Jemand wirklich den Alltag an Schulen beobachtet?

      Schau ich mir die politische Führung in NRW an, wie sie den Mundschutz unter der Nase trägt, weiß ich, wem ich ehr zutraue, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Philosophen und Soziologen sind da sicher nicht die erste Riege.

    • Wie soll sich eine Immunisierung in der Bevölkerung einstellen, wenn wir die Abstandsregel beachten und sonst weitgehend auf Kontakte verzichten? Demnach würde die aktuelle Situation ja noch Monate andauern.
      Wenn Kinder und deren Eltern, die keine Vorerkrankung haben, ein sehr geringeres Risiko haben, dann sollen doch bitte alle KiTas und Schulen öffnen. Dadurch wird dann die Herdenimmunisierung angestossen.
      Risikogruppen sollten sollten die Öffentlichkeit meiden, um sich zu schützen. Was ich sehe ist, dass Familien Zuhause bleiben und Rentner die leeren Straßen genießen. Kinderspielplätze sind abgesperrt und die ältern treffen sich zu Radtouren (selbst gesehen).
      Die bestehende Datenbasis sollte mal objektiv bewertet werden und der "Panikmodus" verlassen werden. Siehe die Daten aus Hamburg, die belegen, dass nicht jeder Corona-Toter auch an Corona verstorben ist.

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