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Coronavirus Detektivarbeit und Quarantäne: Wie NRW mit dem Coronavirus umgeht

Hunderte Menschen stehen im Kreis Heinsberg unter präventiver Quarantäne. Viel Aufwand – und gleichzeitig läuft die Suche nach der Infektionsquelle.
27.02.2020 - 18:00 Uhr Kommentieren
Heinsberg in Nordrhein-Westfalen: Am Busbahnhof herrscht Leere. Quelle: dpa
Ortsbesuch

Heinsberg in Nordrhein-Westfalen: Am Busbahnhof herrscht Leere.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der Heinsberger Landrat Stephan Pusch ist plötzlich Krisenmanager. Schuld ist das Coronavirus: In der Kreisstadt am westlichen Rande Nordrhein-Westfalens sind gleich mehrere Fälle der Erkrankung aufgetreten.

Am Donnerstag muss der CDU-Politiker nun über eine Karnevalssitzung sprechen, auf der mit den Infizierten etwa 300 Menschen gefeiert haben. Und davon, dass es jeden in Heinsberg hätte treffen können. „Bis vor ein paar Tagen war das Coronavirus für uns alle noch unheimlich weit weg“, sagt er. Jetzt herrscht in der kleinen Kreisstadt an der niederländischen Grenze Ausnahmezustand.

Am Abend seien 14 neue Fälle im Kreis Heinsberg bestätigt worden, teilt das Gesundheitsministerium in Düsseldorf mit. Damit seien dort nun insgesamt 20 Personen infiziert. Neben einem Ehepaar, das bereits positiv auf das Coronavirus getestet wurde, haben die Behörden am Mittwochabend drei weitere Menschen ausfindig gemacht, die sich infiziert haben.

Nicht nur in Heinsberg wächst die Sorge. Auch die Bundesregierung hat ihre Strategie geändert: Das Gesundheits- und das Innenministerium haben einen gemeinsamen Krisenstab eingerichtet. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagt, es müsse damit gerechnet werden, dass sich die Epidemie auch in Deutschland ausbreite.

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    Innenminister Horst Seehofer (CSU) erklärt, die Lage habe sich deutlich verschärft. Die Regierung werde alles Menschenmögliche zum Schutz der Bevölkerung tun. Eine Garantie dafür gebe es aber nicht. Es gehe vor allem darum, die Infektionsketten in und nach Deutschland zu unterbrechen.

    Das versucht Landrat Pusch auf lokaler Ebene. Er redet zwei Minuten in die Kamera, dann aber muss er los: Um 9.30 Uhr kommt der Heinsberger Krisenstab, den der Landrat leitet, zu seiner nächsten Sitzung zusammen. Zwischen zehn und 15 Personen nehmen an den Sitzungen teil, je nach Lage. Neben Vertretern von Polizei, Feuerwehr und Krankenhäusern sind auch Experten des Gesundheitsamts und des Robert-Koch-Instituts dabei.

    In der zweistündigen Sitzung am Donnerstag geht es vor allem um die Frage, wie die Behörden die 300 Karnevalisten finden können, die mit dem infizierten Ehepaar auf der Kappensitzung in einem Ortsteil der Gemeinde Gangelt am 15. Februar gefeiert haben. Ihre Befürchtung: Mögliche Kontaktpersonen stecken derzeit weitere Menschen mit dem Coronavirus an.

    Immerhin, sagt Pusch, sei Heinsberg eher Dorf als Stadt. Das mache es einfacher, die Infektionsketten nachzuvollziehen.

    Spurensuche in Heinsberg

    Der Krisenstab veröffentlichte am Mittwoch im Internet eine Mitteilung, in der Teilnehmer der Kappensitzung gebeten werden, sich per E-Mail zu melden. Sie selbst, ihre Partner, Kinder und Mitbewohner sollen 14 Tage zu Hause bleiben.

    Die Rückmeldung laufe gut an, heißt es aus der Kreisverwaltung. Mehrere Hundert Menschen stünden bereits unter Quarantäne. Freunde und Verwandte würden ihnen Einkäufe vor der Haustür abstellen, um sie mit Lebensmitteln zu versorgen. Außerdem müssten die Menschen in Quarantäne ein Protokoll zu ihrem Gesundheitszustand erstellen.

    Der Politiker ist als Krisenmanager gefragt. Quelle: dpa
    Heinsberger Landrat Stephan Pusch

    Der Politiker ist als Krisenmanager gefragt.

    (Foto: dpa)

    Genaue Zahlen erhebt der Kreis nicht. Fest steht aber: Noch sind nicht alle Karnevalisten identifiziert. Deshalb will das Heinsberger Gesundheitsamt nachhelfen. Rund 50 Mitarbeiter sind dort damit beschäftigt, mögliche Besucher der Kappensitzung und deren Umfeld abzutelefonieren.

    In den sozialen Netzwerken machen derweil Bilder von leeren Supermarktregalen in Heinsberg die Runde, einige Apotheken bedienen wegen Ansteckungsgefahr nur noch durch das Notdienstfenster. Eine Kita mit 65 Plätzen, in der eine der Infizierten als Kindergärtnerin arbeitet, bleibt für zwei Wochen geschlossen.

    Landrat Pusch hat auch den Hauptsitz der Kreisverwaltung für Publikumsverkehr gesperrt. Dort hat sich neben dem Krisenstab und der Presseabteilung auch eine sogenannte Krisengruppe eingerichtet, kurz: KGS. Die Mitarbeiter arbeiten in Acht-Stunden-Schichten, 24 Stunden am Tag. Bei ihnen laufen die Informationen aller Behörden und Hotlines zusammen. Die KGS ordnet und leitet sie an den Heinsberger Krisenstab oder übergeordnete Behörden weiter – darunter das nordrhein-westfälische Gesundheits- und Innenministerium.

    Kein Krisenstab auf Landesebene in NRW

    Anders als in Heinsberg und Berlin gibt es auf Landesebene aber noch keinen Krisenstab. Ein solcher würde in NRW laut Vorschrift nur „bei landesweiten Großeinsatzlagen oder Katastrophen einberufen“. Die Staatskanzlei stuft die Situation derzeit nicht so ein. In einem Krisenstab, der von NRW-Landeschef Armin Laschet (CDU) einberufen werden kann, würden alle Ressorts der Landesregierung zusammenarbeiten.

    Stattdessen ist im Gesundheitsministerium von ebenjener „Taskforce“ die Rede, der auch der Heinsberger Landrat Pusch Bericht erstatten muss. In dem rund ein Dutzend Mitglieder umfassenden Gremium sitzen auch Vertreter des NRW-Innenministeriums, des Robert-Koch-Instituts und des Bundesgesundheitsministeriums. In dem Gremium würden „rechtliche und fachliche Fragestellungen“ beantwortet.

    Weitere 30 Mitarbeiter seien in der Behörde mit der Eindämmung des Coronavirus beschäftigt. Sie würden auch Fragen aus bislang nicht vom Coronavirus betroffenen NRW-Kommunen beantworten.

    Bundesgesundheitsminister Spahn telefoniere zudem mehrfach am Tag mit seinem NRW-Ministerkollegen Karl-Josef Laumann (CDU). Der hält es derzeit nicht für notwendig, ganze Ortschaften abzuriegeln. Es gehe nun darum, „Schritt für Schritt“ jeden Tag über geeignete Maßnahmen zu entscheiden. Diese hingen von der Lagebeurteilung des Robert-Koch-Instituts ab. Das Institut gehe derzeit nicht davon aus, dass in Deutschland Städte abgeriegelt werden müssen, sagte Institutsleiter Lothar Wieler.

    Im Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD), in dem der infizierte Mann aus dem Kreis Heinsberg und seine Ehefrau behandelt werden, treffen sich mehrmals täglich kleine Taskforces bestehend aus Infektiologen, Virologen sowie Vertretern der Krankenhaushygiene, des Katastrophenschutzes und der Pflege.

    Zudem stehe das UKD „im engen und ständigen Austausch mit den zuständigen Ministerien und Gesundheitsbehörden“. Bereits seit Januar treffen sich darüber hinaus Ärzte und Vorstandsmitglieder zwei Mal pro Woche, um über Maßnahmen zu beraten, auch das Gesundheitsamt der Stadt Düsseldorf sei eingebunden.

    Der Zustand des infizierten Mannes sei „weiterhin ernst und hat sich bisher nicht gebessert“, teilte das Klinikum mit. Auch seine Ehefrau leidet an einer Lungenentzündung. Die infizierten Patienten werden laut UKD „streng isoliert“.

    Mehr: Das Coronavirus trifft Europas Banken.

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