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Coronavirus in Deutschland „Patient Null“ in NRW noch nicht gefunden – Kein Sperrbezirk in Heinsberg

Im Kreis Heinsberg in NRW sind bislang 35 Menschen mit dem Coronavirus infiziert worden. Die Behörden suchen weiter den Auslöser – doch der Ort wird nicht abgeriegelt.
28.02.2020 - 20:16 Uhr Kommentieren
Im dem Ort in Nordrhein-Westfalen wohnt der bislang am stärksten betroffene Patient des Virus in Deutschland. Quelle: AFP
Gangelt nahe Heinsberg in NRW

Im dem Ort in Nordrhein-Westfalen wohnt der bislang am stärksten betroffene Patient des Virus in Deutschland.

(Foto: AFP)

Düsseldorf In dem stark vom Coronavirus betroffenen Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der Infizierten gestiegen. Doch von derzeit 35 nachweislich betroffenen Menschen wird nur ein Ehepaar im Krankenhaus behandelt. Alle anderen seien nicht stationär aufgenommen worden, sagte Landrat Stephan Pusch (CDU) am Freitag. Der Krankheitsverlauf sei bei ihnen vergleichsweise mild.

Alle aktuell positiv Getesteten seien in häuslicher Quarantäne, eine stationäre Behandlung sei nicht notwendig. Eine Sperrzone für Heinsberg sei nicht in der Debatte. Zuvor hatte es vom WDR eine Meldung zu der Einrichtung eines Sperrbezirks gegeben. Laut einer offiziellen Mitteilung des Senders auf Twitter sei die Ursache für die Falschmeldung „ein Kommunikationsproblem zwischen dem zuständigen Landrat und dem WDR-Reporter“. Der ursprüngliche Tweet wurde wieder gelöscht.

Landrat Pusch sagte, in Heinsberg sei häusliche Quarantäne sei das Mittel der Wahl. Es werde nicht jede Person in Quarantäne geschickt, die potenziell mit einem Erkrankten in Kontakt gekommen sein könnte. „Sonst müsste ich meinen halben Krisenstab in Quarantäne schicken.“ Insgesamt befänden sich im Kreis rund 1000 Personen in Quarantäne.

Der 47-jähriger Mann aus Gangelt bei Heinsberg sowie seine Frau (46) werden weiter in der Düsseldorfer Uniklinik behandelt. Der Mann war als erster Patient mit dem neuen Virus Sars-CoV-2 in NRW identifiziert worden. Er schwebte durch eine Vorerkrankung zunächst in Lebensgefahr. Laut Uniklinik war er am Freitag weiter in kritischem Zustand, dieser habe sich aber etwas stabilisiert. Wo er sich infiziert hat, war weiter unklar. Der „Patient Null“ werde vielleicht auch nie gefunden, sagte Pusch.

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    Unter den 35 Infizierten sind nach Kenntnis des Landrats bisher keine Kinder. Am Freitagabend wurden aber noch Testergebnisse von Kindern eines Kindergartens erwartet, in dem die 46-jährige Infizierte als Erzieherin tätig ist.

    53 Fälle in Deutschland

    Auch in ganz Deutschland steigen die Zahlen der Infizierten an. Bis Freitagvormittag zählte das Robert Koch-Institut 53 nachgewiesenen Infektionen, hauptsächlich in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Im Laufe des Tages wurden mehr als ein Dutzend weitere Fälle gemeldet. Betroffen sind auch die Bundesländer Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen und Hamburg beziehungsweise Schleswig-Holstein.

    Nach Ansicht eines Experten werden sich noch etliche weitere Menschen mit Sars-CoV-2 anstecken. „Es werden sich wahrscheinlich 60 bis 70 Prozent infizieren, aber wir wissen nicht, in welcher Zeit“, sagte der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité am Freitag. „Das kann durchaus zwei Jahre dauern oder sogar noch länger.“

    Problematisch werde das Infektionsgeschehen nur, wenn es in komprimierter, kurzer Zeit auftrete. „Darum sind die Behörden dabei, alles zu tun, um beginnende Ausbrüche zu erkennen und zu verlangsamen.“
    Deutschland sei hervorragend auf die Lungenkrankheit Covid-19 vorbereitet. Drosten mahnte dennoch: Die benötigte Zahl der Therapiebetten auf den Intensivstationen könne man schwer vorhersagen, aber, „wenn wir jetzt nichts tun, dann werden die vielleicht nicht ausreichen“.

    Nachdem bei einem Mitarbeiter eines großen Beratungsunternehmens in Düsseldorf das Coronavirus nachgewiesen wurde, sollen 1500 Kolleginnen und Kollegen des Mannes erst einmal zuhause bleiben.

    Die Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) berichtete am Freitag, sie sei am Donnerstagabend über die Erkrankung ihres Angestellten informiert worden und habe daraus Konsequenzen gezogen. Betroffen sind rund 1400 Mitarbeiter von Ernst & Young in Düsseldorf und weitere 110 Beschäftigte der Niederlassung in Essen, wo der Mann ebenfalls gelegentlich gearbeitet habe.

    Arzt in Hamburg angesteckt

    In Deutschlands zweitgrößter Stadt Hamburg hat sich ein Arzt der Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) aus Henstedt-Ulzburg (Schleswig-Holstein) infiziert. Nach Erkenntnissen der Behörden hatte er im privaten und beruflichen Umfeld Kontakt zu etwa 100 Personen.

    Die Kontaktpersonen des Kinderarztes am Klinikum seien bereits alle auf Sars-CoV-2 getestet worden, mit negativem Ergebnis, sagte eine Sprecherin. Unter den Betroffenen seien 16 Kinder, die mit je einem Elternteil auf Station isoliert worden seien, und 12 ärztliche Mitarbeiter, die zu Hause isoliert seien.

    Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzte angesichts der wachsenden Zahl von Sars-CoV-2-Infektionen das Risiko einer weltweiten Verbreitung des Virus von „hoch“ auf „sehr hoch“. Noch aber sei der Kampf gegen die Ausbreitung nicht verloren, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus.

    Nach Einschätzung von UN-Generalsekretär António Guterres hat die Bekämpfung des Coronavirus Sars-CoV-2 einen kritischen Punkt erreicht. „Wir wissen, dass eine Eindämmung möglich ist, aber das Zeitfenster schließt sich“, sagte Guterres am Freitag in New York. Es sei für alle Regierungen die Zeit gekommen, den Erreger mit allen Mitteln zu bekämpfen - „und dies ohne Stigmatisierung und unter Achtung der Menschenrechte“.

    Mehr: So gefährlich ist Covid-19: Die Folgen des Virus in acht Grafiken

    • rtr
    • dpa
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