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Coronavirus SPD kritisiert Billigpreise und Fleischindustrie – und Tönnies

SPD-Chef Walter-Borjans hat die Arbeitsbedingungen in der Schlachtbranche angeprangert. Minister Heil kritisiert das Verhalten der Firma Tönnies nach dem Corona-Ausbruch.
22.06.2020 - 02:03 Uhr 1 Kommentar
Die Politik habe die Aufgabe, gute Arbeitsbedingungen und artgerechte Tierhaltung zu gewährleisten, so der SPD-Chef. Quelle: dpa
SPD-Chef Norbert Walter-Borjans

Die Politik habe die Aufgabe, gute Arbeitsbedingungen und artgerechte Tierhaltung zu gewährleisten, so der SPD-Chef.

(Foto: dpa)

Berlin Der SPD-Vorsitzende Norbert Walter-Borjans hat die Arbeitsbedingungen in der Schlachtbranche scharf kritisiert und höhere Fleischpreise gerechtfertigt. „Die Fleischindustrie hat ein System aufgebaut, in dem Arbeitskräfte wie Glieder einer Lieferkette behandelt werden: Alles muss möglichst billig sein“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Alles ist dem Gewinnstreben und der Effizienz untergeordnet – Hauptsache, am Wochenende gibt es Steak im Sonderangebot.“

Die Politik habe die Aufgabe, gute Arbeitsbedingungen und artgerechte Tierhaltung zu gewährleisten. „Natürlich verteuert das die Produkte“, sagte Walter-Borjans. „Deshalb gehört zur Lösung dazu, dass Klein- und Mittelverdienende mehr Geld in der Tasche haben – durch faire Löhne und ein gerechtes Steuersystem.“ Wenn sie ihren Lebensstandard nur sichern könnten, „weil Osteuropäer in unseren Schlachthöfen oder Näherinnen in Bangladesch für unsere Textilien ausgebeutet werden, dann läuft etwas gewaltig schief“.

Auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hat nach dem massiven Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies scharfe Kritik an dem Unternehmen und der Fleischindustrie geübt. Sein Vertrauen in die Firma Tönnies sei auch „gleich Null“, sagte der SPD-Politiker am Sonntagabend im „Bild“-Talk „Die richtigen Fragen“, wo er auf eine entsprechende Aussage des örtlichen Krisenstableiters angesprochen wurde.

Corona sei „wie ein Brennglas“, sagte Heil. „Das heißt, wir sehen Dinge, die vorher schon nicht in Ordnung waren, jetzt sehr sehr deutlich. Die Ausbeutung von Menschen aus Mittel- und Osteuropa, die da offensichtlich stattgefunden hat, wird jetzt in der Pandemie ein allgemeines Gesundheitsrisiko mit erheblichem Schaden.“ Deshalb müsse sich „im Grund nach in dieser Branche was ändern“.

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    Er kritisierte, durch Verhalten, „wo Menschen sich offensichtlich nicht an Regeln gehalten haben“, sei eine ganze Region „in Geiselhaft genommen worden“.

    Mehr als 1300 Infizierte Tönnies-Arbeiter

    In einer Fleischfabrik des Marktführers Tönnies im westfälischen Rheda-Wiedenbrück waren mehr als 1300 Arbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Produktion wurde für 14 Tage gestoppt. Der Fall hatte die Debatte um die Bedingungen in der Schlachtindustrie angeheizt.

    Angesichts mehrerer Corona-Ausbrüche in Schlachtbetrieben sollen Vorgaben für die Branche verschärft werden. Zugleich kommt Bewegung in die Debatte um eine bessere Tierhaltung und ein Ende des Preiskampfes bei vielen Lebensmitteln. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) setzt sich nun auch für eine Tierwohlabgabe ein, die auf Fleisch, Wurst und anderes aufgeschlagen werden könnte.

    Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sprach sich in dem „Bild“-Gesprächsformat dafür aus, Druck auf Tönnies auszuüben: „So wie die Firma im Moment arbeitet ist das absolut unverantwortlich. Und jeder, der dieses Fleisch kauft, sollte sich überlegen, was er da tut.“ Die Hauptverantwortung liege aber bei der Bundesregierung, beim Gesetzgeber, denn es müssen sich Gesetze ganz grundlegend ändern. „Das ganze System ist krank.“

    Mehr: Laschet lehnt Lockdown für Kreis Gütersloh trotz mehr als 1300 Infizierten vorerst ab.

    • dpa
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    1 Kommentar zu "Coronavirus: SPD kritisiert Billigpreise und Fleischindustrie – und Tönnies"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Was die SPD kritisiert ist das Geschäftsmodell Tönnies und Kollegen, welches seit Jahrzehnten bekannt und offensichtlich erlaubt ist.
      Lächerlich, dass man nunmehr auf diese Weise positiv in die Medien kommen will.
      Spricht nicht gerade für die Qualität des politischen Personals und von einer ausgedehnten Schlafmützigkeit.

      Gleichzeitig sollte die SPD dann den Leuten auch erzählen, dass es dann kein kg - Schweinefleisch mehr für € 3,90 beim Diskounter nicht mehr gibt, was nebenbei kein Fehler wäre.

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