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Coronavirus Was über Folgeerkrankungen einer Corona-Infektion bekannt ist

Mehr als 184.000 Menschen in Deutschland haben eine Infektion überstanden. Die steigende Zahl der Genesenen liefert Hinweise zu Folgeschäden.
10.07.2020 - 16:33 Uhr Kommentieren
Die meisten Menschen überstehen eine Infektion mit dem Coronavirus unbeschadet. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) verlaufen 80 Prozent der weltweiten Fälle mild. Quelle: plainpicture/Caiaimages/Agnieszka Wozniak
Nachuntersuchung beim Arzt

Die meisten Menschen überstehen eine Infektion mit dem Coronavirus unbeschadet. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) verlaufen 80 Prozent der weltweiten Fälle mild.

(Foto: plainpicture/Caiaimages/Agnieszka Wozniak)

Düsseldorf Egal, ob milder oder schwerer Krankheitsverlauf: Bei vielen Corona-Infizierten ist der Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn das erste Symptom. Die gute Nachricht: Immerhin 90 Prozent der Betroffenen können spätestens vier Wochen nach der Infektion wieder schmecken und riechen, sagt Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).

Bei den restlichen zehn Prozent ist das laut dem Neurologen nicht der Fall. Noch nach Wochen fehlt ihnen der Geruchs- und Geschmackssinn. Ob dieser im weiteren Verlauf zurückkehrt, sei derzeit noch unklar. Immerhin kann im Verlauf von einem Jahr noch eine Besserung eintreten.

Weil auch Menschen, die eine Grippe durchgemacht haben, manchmal mit bleibenden Riechstörungen leben müssen, hält der Neurologe allerdings den dauerhaften Riechverlust als Folgeschaden auch einer Corona-Infektion für möglich. Daneben beobachten Mediziner Herz-Kreislauf-Probleme, Leber-, Nieren- und Lungenschäden sowie Schlaganfälle und Herzinfarkte bei Menschen, die eine Infektion durchgemacht haben.

Seit dem ersten Fall in Deutschland im Februar zählt das Robert Koch-Institut (RKI) mehr als 198.000 Fälle hierzulande. Die große Mehrheit der Betroffenen, und zwar mehr als 184.000 Personen, gilt mittlerweile als genesen.

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    Die meisten Menschen überstehen eine Infektion mit dem Coronavirus unbeschadet. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) verlaufen 80 Prozent der weltweiten Fälle mild. „Je milder der Krankheitsverlauf ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Betroffene mit Folgeerkrankungen oder Langzeitfolgen konfrontiert sein wird“, sagt Berlit.

    Mit der steigenden Zahl der Personen, die eine Infektion durchgemacht haben, wird nun deutlich, welche Folgeerkrankungen das Virus mit sich bringen kann. Während es vor wenigen Wochen in erster Linie darum ging, das Leben von Menschen mit schwerem Krankheitsverlauf zu retten und in Krankenhäusern ausreichend Kapazitäten bereitzustellen, legen Wissenschaftler nun zunehmend ihren Fokus auf Folgeerkrankungen und Langzeitfolgen.

    Hirnschädigungen möglich

    Doch weil die Krankheit noch sehr jung ist, stehen sie hier noch ganz am Anfang. Trotz bislang dünner Informationslage ist Berlit zufolge jetzt bereits ersichtlich, dass die Infektion das Gehirn in Mitleidenschaft ziehen kann.

    Der Geruchs- und Geschmacksverlust gehört laut dem Neurologen zu den häufigsten neurologischen Symptomen. Auch Patienten mit mildem Krankheitsverlauf leiden dem DGN-Generalsekretär zufolge darunter.

    Zudem berichtet Berlit, dass manche Patienten sich noch Wochen nach der Infektion nur schwer konzentrieren können und Gedächtnisprobleme haben. In der Akutphase seien diese Patienten oft verwirrt und unruhig gewesen oder halluzinierten. „Diese Zustände sind Ausdruck einer Enzephalopathie, also einer diffusen Hirnschädigung“, sagt der Neurologe.

    Eine solche Hirnschädigung weisen laut Berlit Männer etwas häufiger als Frauen auf. Sie trete vor allem bei intensivmedizinisch Behandelten, Älteren und Personen mit Risikofaktoren auf: etwa bei Patienten mit Bluthochdruck, Diabetes und Herzschädigungen.

    Die Hirnschädigung kann unterschiedliche Ursachen haben. Ist die Lunge massiv betroffen, ist es Berlit zufolge möglich, dass das Gehirn zu wenig Sauerstoff bekommt und Schaden nimmt. Aber auch eine übersteigerte Immunantwort auf das Virus könne das Gehirn beeinträchtigen. „In der Kernspintomografie sieht man bei diesen Patienten flächige Veränderungen der sogenannten weißen Substanz des Gehirns mit kleinen punktförmigen Einblutungen.“

    Nach der Infektion sollte eine gezielte Neurorehabilitation erfolgen. Eine Genesung des Gehirns ist möglich. „Oft können sich diese Patienten anschließend nicht mehr an die Phase der Verwirrtheit erinnern“, sagt Berlit.

    Schäden an Leber, Niere oder Lunge

    Auch Patienten, die Probleme mit der Leber haben, können darauf hoffen, dass sich das Organ erholt. Peter Galle, Klinikdirektor der Universitätsmedizin Mainz, führt eine Studie zu Leberschäden durch.

    Ein Viertel der Patienten reagierten zunächst mit erhöhten Leberwerten auf die Infektion. „Die Leber ist ein Organ, das sich eher ganz gut erholt“, sagt der Facharzt für Innere Medizin, der auch Gastroenterologe und Hepatologe ist. Er erwartet daher nur einzelne Fälle, bei denen es zu dauerhaften Schäden der Leber komme.

    Schlechter ist es laut Galle um Patienten mit Nierenschäden bestellt: „Unter den Patienten, die einen Einbruch der Nierenfunktion während der Erkrankung hatten, gibt es einen Teil, der dauerhaft dialysepflichtig bleiben wird.“

    Auch die Lunge kann dauerhaften Schaden nehmen, insbesondere die jener Patienten, die auf der Intensivstation intubiert werden mussten. Je länger die künstliche Beatmung anhält, desto schwieriger ist es, die Muskeln wieder aufzubauen.

    Zudem reagiert die Lunge empfindlich auf Überdruck und auf den Sauerstoff, der der Beatmungsluft zugesetzt wird. Eine Lungenentzündung und eine Fibrose, eine Vernarbung des Lungengewebes, können die Folge sein, die wiederum die Lungenfunktion langfristig einschränken können, weiß der Klinikdirektor.

    Schlaganfall oder Herzinfarkt

    Nicht nur bei schwer erkrankten Covid-19-Patienten, auch bei jüngeren Personen ohne Gefäßrisikofaktoren wurde laut Berlit beobachtet, dass es zum Schlaganfall kommen kann. Die wahrscheinlichste Erklärung für dieses Phänomen ist dem Neurologen zufolge die deutlich erhöhte Gerinnungsneigung bei der Corona-Infektion. „Bis zu ein Drittel aller Covid-19-Patienten haben ein erhöhtes Thrombose- und Lungenembolie-Risiko.“

    Galle weiß bereits jetzt, dass insbesondere Patienten mit einem schweren Krankheitsverlauf oder Vorerkrankungen von Folgeerkrankungen betroffen sind.

    Aus einer Antwort des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag im Mai war bereits hervorgegangen, dass „bei dem relativ hohen Anteil von intensivpflichtigen und beatmungsbedürftigen Patienten auch mit Spätfolgen im Sinne von langen Rehabilitationszeiten und möglicherweise bleibenden Beeinträchtigungen zu rechnen ist“.

    Eine verlässliche Datenbasis zu möglichen Folgeerkrankungen erwartet Experte Galle in diesem Jahr nicht mehr. Quelle: imago images/Panthermedia
    Forschung zum Coronavirus

    Eine verlässliche Datenbasis zu möglichen Folgeerkrankungen erwartet Experte Galle in diesem Jahr nicht mehr.

    (Foto: imago images/Panthermedia)

    Der häufigen Behauptung, dass vor allem alte Menschen einem hohen Risiko von Folgeschäden ausgesetzt sein sollen, stimmt Galle so pauschal nicht zu. „In vielen Fällen treten Gefäßsystemprobleme und Thrombosen auf, wenn eine Vorerkrankung in dem jeweiligen Organ existiert“, sagt der Mediziner. Die damit verbundenen Gerinnungsprobleme können laut Galle zu einem langfristigen Schaden führen.

    Es seien also primär Patienten mit Vorerkrankungen, die Folgeschäden erleiden. „Dass die älteren Menschen mit mehr Begleiterkrankungen versehen sind, erklärt dann, dass es mehr Ältere sind, die davon betroffen sind.“

    In vielen Ländern arbeiten Forscher mit Hilfe von Altersgrenzen. Davon hält Galle wenig. Er plädiert dafür, den Fokus auf Begleiterkrankungen zu legen.

    Für problematisch hält Galle auch die Dunkelziffer derjenigen, die gar keine Symptome haben, also womöglich gar nicht wissen, dass sie infiziert waren oder sind. „Mit Corona haben wir eine neue Erkrankung, die eine noch nie dagewesene Aufmerksamkeit erhält.“ Jeder Infizierte mit Symptomen erhalte ein besonderes Augenmerk. „Es meldet sich natürlich niemand und sagt: ,Ich rieche jetzt wieder gut.'“

    Verlässliche Datenbasis nicht mehr in diesem Jahr

    Um mehr über die Krankheit, insbesondere bei Patienten ohne Symptome, zu erfahren, müssten die Testkapazitäten seiner Ansicht nach ausgeweitet werden. Neurologe Berlit schätzt, dass ein Drittel aller Covid-19-Infizierten so gut wie gar nichts von der Infektion bemerkt.

    Eine verlässliche Datenbasis zu möglichen Folgeerkrankungen erwartet Galle nicht mehr in diesem Jahr. „Nimmt man den einzelnen Patienten, benötigt man als grobe Richtlinie ein halbes Jahr, um verlässliche Äußerungen zu Folgeerkrankungen zu treffen“, sagt der Klinikdirektor.

    Für die Erfassung und Auswertung der Daten müsse man weitere Monate addieren. „Anfang 2021 dürfte man eine ordentliche Datenbasis zu Folgeerkrankungen haben.“

    Bis es verlässliche Informationen zu Langzeitfolgen gibt, werden laut Berlit weitere Monate vergehen. In der Neurologie spreche man von Langzeitfolgen, wenn Symptome länger als ein Jahr nach der Erkrankung bestünden. Im Mai kommenden Jahres rechnet er daher mit einer belastbaren Datenlage zu Langzeitfolgen.

    Mehr: Verfolgen Sie die aktuellen Entwicklungen in der Coronakrise in unserem Newsblog.

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