CSU-Chef Seehofer fühlt sich von Parteifreunden demontiert

Nach der Bundestagswahl fühlt sich Horst Seehofer von der eigenen Partei demontiert. Auch in Berlin gibt es für den CSU-Chef einen Rückschlag.
Update: 03.03.2018 - 09:21 Uhr Kommentieren
CSU-Chef Horst Seehofer fühlt sich von Parteifreunden demontiert Quelle: AFP
Angela Merkel und Horst Seehofer

Die Kanzlerin hat dem CSU-Chef einem Bericht zufolge die Zusage erteilt, dass dessen Partei den Posten des Staatsministers für Digitales stellend darf.

(Foto: AFP)

DüsseldorfCSU-Chef Horst Seehofer sieht sich seit dem schlechten CSU-Ergebnis bei der Bundestagswahl „etlichen Bösartigkeiten“ ausgesetzt. „Ich bin ordentlich von Parteifreunden demontiert worden, lebe aber trotzdem noch und hab keine Neigung, da zurückzuschlagen“, sagte der scheidende bayerische Ministerpräsident der „Süddeutschen Zeitung (Samstag). In der Politik gebe es keine Dankbarkeit. „Sie können eine Partei retten, Sie können sie nach oben führen, aber Sie werden nicht erleben, dass letzten Endes dafür Dankbarkeit herrscht.“

Nach massivem Druck aus der Partei hatte sich Seehofer im Dezember bereiterklärt, das Amt des Ministerpräsidenten spätestens bis Ende März an seinen Erzrivalen Markus Söder abzugeben. Der 68-Jährige will nun als Innen- und Heimatminister nach Berlin wechseln, wenn die SPD-Mitglieder einer Neuauflage der großen Koalition zustimmen.

Laut „Spiegel“ muss Seehofer als Heimatminister allerdings auf zusätzliche Kompetenzen aus dem Agrarministerium verzichten – und bezieht sich dabei auf ein vertrauliches Treffen der Spitzenrunde von Union und SPD am Donnerstag. Das Thema soll beim Landwirtschaftsministerium beheimatet bleiben. Angela Merkel hat sich nun offenbar doch dagegen entschieden, die Entwicklung des ländlichen Raumes künftig in das Heimatministerium zu integrieren.

Seehofer, der Innen-, Bau- und Heimatminister werden soll, falls die GroKo zustande kommt, soll stattdessen von Merkel die Zusage bekommen haben, dass die CSU jemanden für die Position des Staatsministers für Digitales stellen darf. Dorothee Bär, stellvertretende Parteivorsitzende, ist laut dem Bericht eine mögliche Kandidatin. Die CSU kommentierte den Bericht auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa zunächst nicht.

Dem Nachrichtenmagazin zufolge hatte Seehofer die Zuständigkeiten aus dem Landwirtschaftsministerium auch deshalb verlangt, weil über sie bundesweit Fördergelder verteilt werden. Merkel wiederum habe nicht noch weitere Kompetenzen aus dem Bereich der CDU abgeben wollen. Insbesondere die designierte Agrarministerium Julia Klöckner (CDU) sprach sich laut „Spiegel“ intern dagegen aus, auf Kompetenzen zu verzichten.

Am Montag hatte Seehofer bei einem Empfang in der Staatskanzlei in München noch erklärt, er halte seinen Wechsel in ein schwarz-rotes Bundeskabinett für hoch wahrscheinlich, aber nicht für „endgültig“ sicher. Er begründete dies damit, dass der genaue Zuschnitt seines Ministeriums noch besprochen werden müsse.

Am Donnerstagabend kündigte der scheidende bayerische Ministerpräsident dann an, „definitiv“ als Bundesinnenminister nach Berlin wechseln zu wollen.

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