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CSU Wandlungskünstler: Der überraschende Erfolg von Markus Söder

Auf dem CSU-Parteitag kann sich Markus Söder feiern lassen. Er hat sich als fürsorglicher Landesvater neu erfunden – und gilt manch einem in der Union gar als potenzieller Kanzlerkandidat.
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CSU: Der überraschende Erfolg des Wandlungskünstlers Markus Söder Quelle: dpa
Markus Söder

Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef steht in seinem politischen Zenit.

(Foto: dpa)

Berlin Als Markus Söder am Dienstag die Unionsfraktion besuchte, da ging er auch kurz auf den anstehenden CSU-Parteitag ein. Er freue sich natürlich auf den Besuch von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, sagte der bayerische Ministerpräsident. In der Vergangenheit sei so ein Auftritt einer CDU-Chefin beim CSU-Parteitag ja schon mal… Söder machte eine lange Pause, so als suche er nach dem passenden Wort.

Doch er brauchte gar nichts mehr zu sagen. Jeder Abgeordnete wusste sofort, was gemeint war: Der Parteitag vor vier Jahren, als der damalige CSU-Chef Horst Seehofer die damalige CDU-Chefin Angela Merkel düpierte mit minutenlagen Vorhaltungen über die Fehler ihrer Flüchtlingspolitik.

Vergleichbares hat Kramp-Karrenbauer nicht zu befürchten, wenn sie am Samstag in München auftritt. Im Gegenteil: Söder wird ihr einen herzlichen Empfang bereiten. Anders als Seehofer führt Söder die CSU mittlerweile so unangefochten, dass er auf Profilierungsversuche gegenüber der CDU-Chefin verzichten kann. Und so weist Söder auch pflichtschuldig jede Spekulation zurück, ob nicht er statt Annegret Kramp-Karrenbauer der nächste Kanzlerkandidat der Union werden könnte.

Mit dem CSU-Vorsitz und dem Amt des bayerischen Ministerpräsidenten habe er seinen „Traumjob“ gefunden, sagte Söder diese Woche bei der Feier der CSU-Landesgruppe in Berlin. Das kann man ihm abnehmen – nicht nur, weil er viele Jahre darauf hingearbeitet hatte, seinem Rivalen Seehofer beide Posten abzujagen.

Trotzdem müssen ihm die wiederholten Frage nach einer Kanzlerkandidatur schmeicheln, verdeutlichen sie doch nicht nur die Schwäche Kramp-Karrenbauers, sondern auch Söders Stärke. Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef steht in seinem politischen Zenit.

Wer hätte das vor einem Jahr gedacht? Bei der Landtagswahl fuhr die CSU für ihre Ansprüche ein desaströses Ergebnis ein: 37,2 Prozent. Und das war noch ein vergleichsweise glimpflicher Ausgang. Im Sommer 2018, nach der Eskalation im Flüchtlingsstreit mit der CDU, zog es die CSU in Umfragen schon Richtung 30 Prozent.

CSU soll weiblicher, jünger und digitaler werden

Auch wenn Söder und die gesamte CSU-Spitze den damaligen Krawallkurs gegen die Kanzlerin mittrugen, so wurde er doch vor allem Seehofer angelastet. Das ermöglichte es Söder, seinem Rivalen Seehofer nach dem Amt des bayrischen Ministerpräsidenten auch den CSU-Vorsitz abzunehmen. Auf einem Sonderparteitag im Januar wurde Söder mit 87,4 Prozent zum Parteichef gewählt.

An diesem Freitag stellt er sich nun zur Wiederwahl. Die ist gesichert. Aber Söder wird hoffen, sein Ergebnis aus dem Januar zu verbessern, über 90 Prozent wären gut. Die Chancen dafür sind nicht schlecht. Söder macht derzeit strategisch vieles richtig. Auf polternde Auftritte und populistische Zuspitzung verzichtet er weitgehend, stattdessen gibt er als Ministerpräsident den fürsorglichen Landesvater. Inhaltlich stellt sich Söder nun viel breiter auf, gibt seiner Politik eine grüne und soziale Note.

Gleichzeitig treibt er eine Parteireform voran. Die CSU soll weiblicher, jünger und digitaler werden. Der Parteitag soll verschiedene Quoten beschließen, der Anteil der Frauen soll in den Gremien genauso erhöht werden wie der junger Politiker. Die CSU soll moderner werden. Insgesamt 75 Punkte werden dazu in einem Leitantrag aufgelistet – ein Hinweis auf den 75-jährigen Geburtstag, den die Partei im kommenden Jahr feiert.

Söder hat die CSU rechtzeitig stabilisiert, damit sie einigermaßen unbeschwert feiern kann. In Umfragen steht die CSU stabil bei 37 Prozent. Bei der Europawahl lag sie sogar über 40 Prozent – und schnitt so deutlich besser ab als die CDU. Das erhöht das Selbstbewusstsein der Christsozialen innerhalb der Union und der Großen Koalition – und das obwohl die drei CSU-Bundesminister kaum performen.

Entwicklungsminister Gerd Müller agiert weitgehend unter dem Aufmerksamkeitsradar, Verkehrsminister Andreas Scheuer kämpft mit Maut-Problemen und von Innenminister Horst Seehofer erwartet ohnehin niemand mehr was. Er wird voraussichtlich auch nicht zum Parteitag nach München kommen.

Die CSU ist jetzt auf Söder zugeschnitten, er ist der starke Mann in München. Und was ist mit den Spekulationen um die Kanzlerkandidatur? Als Kanzlerkandidat würde sich Söder außerhalb Bayerns deutlich schwerer tun. Das weiß er. Zwei Mal habe die CSU versucht, den Kanzler zu stellen, sagte Söder gerade bei der Feier der Landesgruppe in Berlin. Und ergänzte: „Keine Sorge, es bleibt zwei Mal.“ Ein wenig kokettieren mit Kanzlerambitionen wird man ja noch dürfen – das kann der Beliebtheit in CSU und Bayern nur zuträglich sein.

Mehr: Der CSU-Vorsitzende macht derzeit strategisch vieles richtig und strebt eine Reform seiner Partei an. Auf dem Parteitag dürfte er mit gutem Ergebnis wiedergewählt werden.

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1 Kommentar zu "CSU: Wandlungskünstler: Der überraschende Erfolg von Markus Söder"

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  • Politisches Format entwickelt man nur durch permanente Anpassung an die politischen Verhältnisse. Ideologen und Betonköpfe braucht in der Politik nun wirklich niemand. Söders Entwicklung nötigt vielen Respekt ab. Ja, er ist ein möglicher Kanzlerkandidat, aber eben nur einer von vielen in der CDU. Merz, Spahn und Kretschmer die CDU hat Möglichkeiten, da werden die Sozis blass vor Neid. Unabhängig von der Kanzlerkandidatur ist das personelle Tableau der CDU für ein künftiges Kabinett durchaus beeindruckend. Merz-Kanzler, Söder-Finanzen, Spahn-Aussen und Kreschmer-Inneres. Das kann man zusammenstellen wie man will, das ist immer gut und konkurenzlos. Nur eine kann es nicht: AKK