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Cyberangriff Was wir über den Datenklau wissen

Via Twitter sind massenhaft Daten von Politikern und Prominenten veröffentlicht worden, darunter sogar Nachrichten von Ehepartnern. Und wie geht es nun weiter? Ein Überblick.
Update: 04.01.2019 - 16:47 Uhr Kommentieren
Auf einem Computerbildschirm ist ein Profil beim sozialen Netzwerk Twitter zu sehen, bei dem auf gestohlene Daten von Politikern verlinkt wird. Der Account wurde mittlerweile gesperrt. Quelle: dpa
Daten mehrerer hundert Personen geleakt

Auf einem Computerbildschirm ist ein Profil beim sozialen Netzwerk Twitter zu sehen, bei dem auf gestohlene Daten von Politikern verlinkt wird. Der Account wurde mittlerweile gesperrt.

(Foto: dpa)

Berlin, DüsseldorfPersönliche Daten und Dokumente von hunderten Politikern und Personen des öffentlichen Lebens sind geklaut und auf dem Twitter-Account @_0rbit veröffentlicht worden. Der Vorfall wurde am Freitagmorgen öffentlich, nachdem das RBB-Inforadio darüber berichtet hatte. Am Mittag bestätigten die Behörden schließlich die Veröffentlichung der Daten. Ein Überblick, was über den Vorfall bislang bekannt ist.

Welche Informationen wurden veröffentlicht?

Die Daten, die ins Internet gestellt wurden, sind sowohl privater als auch beruflicher Natur. Darunter sind Telefonnummern, Faxnummern, E-Mail-Adressen, Kopien von Personalausweisen und Mietverträgen, Privatadressen, Rechnungen, Briefe und Chatverläufe. Auch Sprachnachrichten von Ehepartnern und Kindern sowie Skype-Namen von Kindern der Betroffenen wurden veröffentlicht. Von den meisten Betroffenen wurden allerdings ausschließlich Telefonnummern veröffentlicht.

Sind alle Daten echt?

Viele der veröffentlichten Informationen wie eine Vielzahl der Telefonnummern und der Kontoauszüge sind zwar echt, jedoch nicht alle: So spricht der SPD-Bundestagsabgeordnet Florian Post, der zu den Betroffenen gehört, von mindestens einer gefälschten Datei. „Die gehört mir nicht, sie wurde mir nie geschickt, und ich hab sie nicht gespeichert“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Seit wann sind die Daten im Internet?

Die ersten Informationen wurden bereits am 19. Juli 2017 auf dem Twitter-Account @_0rbit veröffentlicht, ohne dass es bemerkt wurde. Dabei handelte es sich um Informationen über den Moderator Jan Böhmermann. Darauf folgten vereinzelt weitere Informationen.

Von August 2017 bis August 2018 wurden keine Daten hochgeladen. Im Dezember 2018 veröffentlichte der Inhaber des Twitter-Accounts nahezu täglich Informationen in einer Art Adventskalender. Am Freitagmittag wurde der Twitter-Account gesperrt.

Sind die Daten trotz der Sperrung des Accounts noch online?

Ja. Das Konto ist auf Twitter zwar nicht mehr zu finden, die Informationen wurden aber auch auf anderen Seiten hochgeladen. Am Freitagmittag waren sie dort laut dpa noch abrufbar.

Wer gehört zu den Betroffenen?

Veröffentlicht wurden die Daten von Mitgliedern aller Bundestagsparteien – mit Ausnahme der AfD. Zu einzelnen Parteien gibt es jeweils Listen mit Namen und zugehörigen Daten. Mit Abstand die längste Liste hat die CDU. Auch einzelne Informationen zu Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sind dabei. Auf den veröffentlichten Listen von CDU/CSU-Mitgliedern stehen 410 Namen, auf der SPD-Liste sind Daten von 230 Politikern veröffentlicht. Außerdem sind 106 Grünen-Politiker betroffen, dazu 91 Linken-Politiker und 28 FDP-Politiker.

Neben Hunderten Politikern sind auch Personen des öffentlichen Lebens betroffen. Darunter: Jan Böhmermann, Sido, Materia, Oliver Welke und Til Schweiger. Die Sprecherin des Schauspielers sagte, er lasse die Angelegenheit derzeit rechtlich von seinem Anwalt prüfen. Eine der größten Datenmenge soll von Extra3-Moderator Christian Ehring stammen.

Betroffen sind unter anderem:

Angela Merkel (CDU), Bundeskanzlerin
Peter Altmaier (CDU), Bundeswirtschaftsminister
Andreas Scheuer (CSU), Bundesverkehrsminister
Alexander Dobrindt (CSU), Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Bundestag
Robert Habeck (Grüne), Bundesvorsitzender der Grünen
Christian Hirte (CDU), Bundesbeauftragter für die Ost-Bundesländer
Til Schweiger, Schauspieler und Regisseur
Jan Böhmermann, Moderator
Konstantin von Notz (Grüne), Vize-Vorsitzender und netzpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion
Peter Tschentscher (SPD), Hamburgs Erster Bürgermeister
Malu Dreyer (SPD), Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz
Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt
Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident von Schleswig-Holstein
Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen
Ralf Stegner (SPD), Landesvorsitzender und Fraktionsvorsitzender der SPD im schleswig-holsteinischen Landtag
Raed Saleh (SPD), Fraktionsvorsitzender der SPD im Berliner Abgeordnetenhaus
Katharina Schulze (Grüne), Fraktionschefin der Grünen im bayerischen Landtag

Woher stammen die Daten?

Die Mischung aus betroffenen Politikern und Prominenten ist ungewöhnlich und stellt selbst Experten vor ein Rätsel. „Die bunte Mischung der Daten spricht nicht für einen klassischen Hackerangriff, weil die Informationen nicht aus einer Quelle stammen können“, sagt Timo Kob. Er ist Vorstand der IT-Sicherheitsfirma HiSolutions und Professor für Cybersecurity.

Kob sagt, es wirke so, als hätten der oder die Täter eine Sammelleidenschaft entwickelt. Ein Leak aus einer Kontaktdatenbank des Bundestags sei vorstellbar, allerdings würde sich damit nur eine Teilmenge der veröffentlichten Informationen erklären lassen.

Wer steckt hinter dem Datendiebstahl?

Auch hier gibt es bislang keine belastbaren Erkenntnisse. Weil die AfD nicht dabei ist und sich einige der betroffenen Satiriker sich gegen rechts- und rechtsextremes Gedankengut einsetzen, liegt die die Vermutung nahe, dass die Veröffentlichung dem rechten Spektrum zuzuordnen ist. Bewiesen ist das bislang nicht.

„Wenn das ein Täter war, der nur nach Aufmerksamkeit giert, wird man vielleicht Spuren verfolgen können. Bei Profis ist das schwieriger“, sagt Experte Kob. Er fragt sich: „Sind jetzt alle Daten veröffentlicht oder handelt es sich nur um einen Leistungsnachweis und der Täter hat möglicherweise brisante Daten in der Hinterhand behalten?“

Sind die veröffentlichten Informationen sensibel?

Nicht alle Daten sind streng vertraulich. Es sind auch Informationen wie Handynummern dabei, die jeder öffentlich im Internet finden kann.

Wie geht es nun weiter?

Mehrere Behörden werden sich nun mit der Aufklärung beschäftigen – darunter das Bundeskriminalamt, aber auch eine Reihe von Landesbehörden. Laut Bundesinnenministerium koordiniert das Nationale Cyber-Abwehrzentrum die Maßnahmen. Auch der Generalbundesanwalt hat sich in die Prüfung eingeschaltet. Dazu sei in der Behörde in Karlsruhe ein Beobachtungsvorgang angelegt worden, sagte eine Sprecherin des Justizministeriums.

Mit Agenturmaterial.

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