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DAK-Report Der kranke Deutsche

In Deutschland ist der Krankenstand so hoch wie seit 20 Jahren nicht mehr. Statistiken zeigen: Es gibt einen direkten Zusammenhang zur Wirtschaftslage. Feiern die Deutschen gerne krank?
03.08.2016 - 13:29 Uhr 37 Kommentare
Der Krankenstand in Deutschland ist so hoch wie seit 20 Jahren nicht mehr. Quelle: dpa
Wie krank ist Deutschland?

Der Krankenstand in Deutschland ist so hoch wie seit 20 Jahren nicht mehr.

(Foto: dpa)

Berlin Ist Deutschland ein Volk von Krankmachern? Fast könnte man das glauben, schaut man sich die aktuelle Krankenstandsentwicklung bei der Deutschen Angestelltenkrankenkasse an. Auf 4,4 Prozent ist danach im ersten Halbjahr 2016 der Krankenstand bei den 2,6 Millionen erwerbstätigen Versicherten der drittgrößten deutschen Krankenkasse gestiegen. Das sind 0,3 Prozentpunkte mehr als im ersten Halbjahr 2015.

Die Zahlen sind annähernd repräsentativ für die gesamte deutsche Erwerbsbevölkerung. Im Durchschnitt fehlte danach jeder Arbeitnehmer wegen Krankheit 7,9 Tage an seinem Arbeitsplatz. Vor Jahresfrist waren es noch 7,4 Tage. So hoch war der Krankenstand zuletzt vor 20 Jahren. Mehr als jeder dritte Berufstätige wurde mindestens einmal krankgeschrieben. Im Schnitt dauerte eine Erkrankung jedoch länger als die Krankschreibung, nämlich 12,3 Tage. Im Vorjahr waren es noch 11,7 Tage.

Die häufigsten Leiden der Deutschen
Platz 10: Unspezifische Symptome
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3,9 Prozent der Berufstätigen ließen sich im ersten Halbjahr 2016 wegen unspezifischer Symptome krankschreiben. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Analyse der DAK-Gesundheit. Insgesamt betrug der Krankenstand in diesem Zeitraum 4,4 Prozent. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015 ist er damit um 0,3 Prozentpunkte gestiegen.

(Foto: dpa)
Platz 9: Kreislaufsystem
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4,1 Prozent der Deutschen haben sich wegen Problemen mit dem Kreislauf krankschreiben lassen. Berufstätige in den östlichen Bundesländern waren insgesamt mit einem Krankenstand von 5,5 Prozent häufiger und länger krankgeschrieben als im Vorjahreszeitraum. 2015 waren es noch fünf Prozent. Im Westen ist der Krankenstand mit 4,2 Prozent deutlich niedriger.

(Foto: Imago)
Platz 8: Nervensystem, Augen, Ohren
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Nervensystem, Augen und Ohren schaffen es auf den achten Platz des Rankings der häufigsten Gründe bei Krankschreibungen. Für die aktuelle Krankenstands-Analyse hat das Berliner IGES Institut die Daten von 2,6 Millionen erwerbstätigen DAK-Versicherten für das erste Halbjahr 2016 ausgewertet.

(Foto: Imago)
Platz 7: Neubildungen wie Krebs
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4,3 Prozent der Beschäftigten ließen sich im vergangenen Halbjahr aufgrund von Neubildungen wie z.B. Krebs krankschreiben. Die Dauer der Erkrankung lag dabei durchschnittlich bei 32 Tagen.

(Foto: dpa)
Platz 6: Infektionen
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Zecken übertragen Krankheiten und können so für schlimme Infektionen sorgen. In Deutschland ließen sich 2016 im ersten Halbjahr 4,6 Prozent der Beschäftigten aufgrund von Infektionen krankschreiben.

(Foto: Imago)
Platz 5: Verdauungssystem
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Übelkeit, Erbrechen, Magen-Darm. 5,1 Prozent der deutschen Beschäftigten ging es im vergangenen Halbjahr im wahrsten Sinne des Wortes zu schlecht, um zu arbeiten.

(Foto: Imago)
Platz 4: Verletzungen und Vergiftungen
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Den Finger mit der Möhre verwechselt oder Schwiegermutters Pilzsuppe gegessen – 11,6 Prozent der Beschäftigten in Deutschland ließen sich wegen Verletzungen oder Vergiftungen krankschreiben.

(Foto: Imago)

Trotzdem warnen Arbeitswissenschaftler vor Panikmache. Im Langzeitvergleich sei der Krankenstand nicht besorgniserregend hoch, so Jörg Marschall vom IGES-Institut, das die Gesundheitsdaten der DAK ausgewertet hat. Tatsächlich belegen Daten des Bundesgesundheitsministeriums, dass der Krankenstand in früheren Zeiten schon einmal deutlich höher war. So waren in den 1970er-Jahren Krankenstände von über fünf Prozent an der Tagesordnung. Erst in den Jahren nach der Wiedervereinigung gingen die Krankenstände deutlich zurück.

Damals waren die Arbeitslosenquoten in Deutschland noch viel höher. Die Wirtschaft kriselte. 2007 erreichte der Krankenstand der Deutschen mit 3,2 Prozent den niedrigsten Stand seit 1975. Seither geht es wieder aufwärts. Die Daten belegen, wie stark der Krankenstand in Deutschland noch immer von der Wirtschaftslage abhängt. Es gebe einen statistisch belegbaren Zusammenhang zwischen Konjunkturentwicklung und Krankenstand.

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    „In Zeiten, in denen die Menschen ihren Arbeitsplatz eher gefährdet sehen, melden sie sich eher nicht krank, obwohl es ihnen schlecht geht“, so Marschall. In besseren Zeiten sind sie dagegen eher bereit sich auszukurieren. „Das Vorurteil, dass Arbeitnehmer in wirtschaftlich guten Zeiten gerne öfter mal blau machen, weil sie keine Lust zum Arbeiten haben, lässt sich so generell aber nicht bestätigen.“

    Auch in der aktuellen guten Arbeitsmarktlage gehen fast zwei Drittel der Arbeitnehmer mindestens einmal im Jahr trotz Krankheit zur Arbeit. Die Experten sprechen vom „Präsentismus“. Arbeitnehmer tauchen trotz Krankheit am Arbeitsplatz auf, sind aber nicht leistungsfähig also im Wesentlichen vor allem anwesend oder „präsent“. Arbeitgeber gefällt das in der Regel eher nicht, zumal jemand der lange trotz Krankheit zur Arbeit geht, wohlmöglich am Ende schwerer erkrankt und dann umso länger seine Arbeitskraft nicht einsetzen kann.

    Psychische Erkrankungen und Rückenleiden
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    37 Kommentare zu "DAK-Report: Der kranke Deutsche"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Ich möchte mich für meine unsinnigen Kommentare entschuldigen, ich muss jetzt meine Pillen nehmen und Flaschen sammeln gehen. Untertänigsten Dank, dass sie mich den ganzen Tag, was schreibe ich, Monate ertragen haben.

    • "Es dürfte nach menschlichem Ermessen - neben anderen, nicht direkt beeinflussbaren - Umständen auch einen direkten Zusammenhang zwischen (...)"

      Ich hoffe, ich lerne irgendwann nochmal, Spiegelstriche/Klammern entweder richtig zu setzen oder gleich die Finger davon zu lassen:

      Korrektur:

      Es dürfte nach menschlichem Ermessen - neben anderen, nicht direkt beeinflussbaren Umständen - auch einen direkten Zusammenhang zwischen (...)

    • Die Bundesregierung entnimmt im kommenden Jahr rund tausend Millionen Euro zur Versorgung von Flüchtlingen aus dem Gesundheitsfonds. Durch die Maßnahme sollen die Krankenkassen vor zu großen finanziellen Belastungen bewahrt werden.

    • In Zukunft brauchen sie weder Motivation, Gesundheit, Begeisterung und all den Müll, da ohnehin die Maschinen ihre Jobs machen. Den billigen Dreck brauchen sie auch nicht mehr zu essen und ob sie fett und krank sind, völlig egal. Die Besamung geht per Amazon. So erledigt sich manch eine Sache von selbst.

    • Ich bin nie krank ... ich bin eine kerngesunde Generationen Deutsche.
      Ich stehe früh auf. Arbeite mit Begeisterung täglich 10 h. Null Bock kenne ich nicht.
      Mit dem Verdienst konsumiere ich reichlich. Autos sind meine Leidenschaft.

    • "Motivation lässt sich allerdings weder verordnen noch erzwingen."

      Wichtiger Zusatz: Und sie gedeiht nur in Freiheit.

      Oder was glauben Sie wohl, warum Kim Jong-uns Raketen (Gott sei Dank natürlich!!!) regelmäßig ins Wasser fallen?

    • Es dürfte nach menschlichem Ermessen - neben anderen, nicht direkt beeinflussbaren - Umständen auch einen direkten Zusammenhang zwischen der Abwesenheitsquote vom Arbeitsplatz und der Motivation, seine Arbeit gut zu machen geben.

      Motivation lässt sich allerdings weder verordnen noch erzwingen.

    • Das die Menschen bei der derzeitigen politischen Entwicklung permanent Magenschmerzen haben, kann ich verstehen.

    • Zitat: " Vor 15 Jahren habe ich noch für ein Brötchen 40 Pfennig bezahlt! "

      Heute zahle ich bei Malzen 0,28 €/Brötchen. Macht 2 % Inflation.

    • @ Marcel
      „2. Mein Beruf macht mir Spaß und ich lebe in normalen sozialen Verhältnissen.“
      Mit ein Hauptgrund, warum Sie zufrieden sind.
      Vielen macht ihre Arbeit aber überhaupt keinen Spaß, aber die Umstände lassen sie aus Angst in ihren ungeliebten Jobs, bei cholerischen Chefs und mieser Bezahlung verharren. THE GERMAN ANGST, die überall in diesem Land propagiert wird. Man riskiert nichts und lebt weiter in der vermeintlichen Sicherheit, die nur eine Scheinsicherheit ist. Man verschenkt sein Potenzial aus Angst, man könnte abrutschen. Dank Hartz IV leben wir in einer Gesellschaft, die von (Verlust)Angst geprägt ist. Hinzu kommt, dass sich viele Privathaushalte über Jahre und Jahrzehnte verschuldet haben. Haus und Auto sind finanziert und müssen abbezahlt werden. Da muckt man nicht auf, sondern funktioniert nur noch, weil es ansonsten das Ende der guten bürgerlichen Mittelschicht bedeuten würde, zu der man sich selbst persönlich ja zählt. Wieviele Millionen von Mittelstandsexistenzen wären ab morgen pleite, wenn die Banken die Kreditlinien zurückfordern würden, die Kreditkarten sperren, die Dispoüberziehungen einfrieren würden. Sie verstehen, was ich meine?! Große Teile der deutschen Mittelschicht- und Unterschicht leben in der Verschuldung.

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