Das Phänomen Merkel „Eine Mutter kann nicht abgewählt werden“

Der Psychoanalytiker und Bestseller-Autor Hans-Joachim Maaz sieht das Ergebnis der Bundestagswahl kritisch. Im Interview erklärt er, warum Merkel von einer Muttersehnsucht der Deutschen profitiert und was das bedeutet.
Update: 30.09.2013 - 08:23 Uhr 71 Kommentare
Der Psychoanalytiker und Börsen-Psychologe Hans-Joachim Maaz im Gespräch mit Handelsblatt Online-Chefredakteur Oliver Stock. Quelle: Thomas Einberger für Handelsblatt

Der Psychoanalytiker und Börsen-Psychologe Hans-Joachim Maaz im Gespräch mit Handelsblatt Online-Chefredakteur Oliver Stock.

(Foto: Thomas Einberger für Handelsblatt)

Hans-Joachim Maaz hat mit seinem Buch „Die narzisstische Gesellschaft. Ein Psychogramm“ einen Bestseller gelandet. Der Psychoanalytiker und Autor, der in der DDR aufgewachsen ist und in Halle Chefarzt war, ist ein freundlicher, weißhaariger Herr. In zwei Stunden soll er einen Vortrag vor Bankern und ihren Kunden halten. Das Thema ist letztlich die Gier und wie sie entstanden ist. Maaz ist sich nicht sicher, ob er der richtige für dieses Thema ist. Als Psychiater beobachtet er den einzelnen Menschen, aber versucht immer wieder seine Erkenntnisse auf die Gesellschaft, die Politik und die Wirtschaft zu übertragen.

Herr Maaz, Angela Merkel hat die Wahlen gewonnen. Haben die Deutschen Sehnsucht nach Mutti?

Auf jeden Fall profitiert Merkel von dieser Vorstellung. Eine Mutter kann schließlich nicht abgewählt werden. Ich glaube, die meisten Menschen haben eine Muttersehnsucht, wollen das aber nicht wahrhaben. Sie projizieren deswegen diese Sehnsucht auf Frauen, die das garantiert nicht erfüllen können. Merkel ist so ein Fall. Darin liegt ein Grund für ihren Wahlerfolg.

Und wer soll mit ihr nun koalieren? Wer passt aus Sicht des Psychiaters zu ihr?

Zu ihr passt keiner. Eben weil sie die Rolle der Mutter übernommen hat. Sie wird hofiert, dabei müsste ein Koalitionspartner sie auch angreifen dürfen. Das macht aber keiner der männlichen Politiker, die als Koalitionspartner in Frage kämen. Deswegen wird sie lieber – wie jetzt gerade – systematisch ausgehungert.

Haben Sie gewählt?

Ja, weil ich eine andere Politik erzeugen wollte.

Was für eine?

Eine, die das Konkurrenzdenken weniger fördert. Als Psychiater kenne ich viele Menschen, die erfolgreich sind, sich aber geplagt fühlen. Sie ersetzen ihren Mangel an innerer Bestätigung durch äußere Werte. Diese seelische Problematik weitet sich aus. Sie erfasst die ganze Gesellschaft mit dem Erfolg, dass wir Wachstum erzeugen müssen, dass uns das aber nicht mehr Wohlstand bringt, sondern uns zerstört.

Jetzt brauchen wir ein Beispiel ...

... nehmen Sie die Kinderbetreuung. Niemand führt die Diskussion aus der Perspektive der Kinder, sondern stets wird aus der Perspektive der Eltern argumentiert. Die Eltern sollen ungestört arbeiten können, deswegen sollen schon Kleinstkinder von anderen betreut werden. Aus der DDR wissen wir, wie schädlich Krippenerziehung ist. Und trotzdem übertragen wir jetzt diese DDR-Verhältnisse auf ganz Deutschland.

Nach der Wahl ist klar, dass die linken und die rechten Wähler in Deutschland zwei etwa gleich starke Gruppen ergeben. Gibt es ein deutsches Lebensgefühl?

Deutsche verleugnen oft die Gefahren. Sie wollen nichts Bedrohliches sehen. Das Unangenehme, das Peinliche wird weggeschoben. Sie nehmen keine Positionen ein, die kritisiert werden können. Die Tendenz sich zu vergnügen, geht mit der Neigung einher zu verleugnen, zu welchem Preis so ein Leben nur zu haben ist.

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71 Kommentare zu "Das Phänomen Merkel: „Eine Mutter kann nicht abgewählt werden“"

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  • Wir werden von Politikern regiert, die viele Symptome des malignen Narzismus aufweisen, wie z. B. Egomanie, Machtwahn, emotionale Kälte, Skrupellosigkeit, notorisches Lügen, Sucht nach öffentlicher Selbstdarstellung, fehlende Emphathie usw.
    Wenn unsere Politiker weitgehend narzistisch sind, wie weit wirkt sich diese Störung auf die gesamte Gesellschaft aus? Ich wäre sehr gespannt darauf, was Herr Maaz darauf antwortet.

  • Betacom: Wieso darf meine eine demokratische Entscheidung nicht kritisch sehen? Na ja, so ist das halt, wenn man im Westen aufgewachsen ist und Demokratie mit Demokratismus verwechselt.

    Vorzugsweise haben ihr die Medien diese Rolle angedacht und das Volk hat sie bereitwillig übernommen: wer ist denn das Volk, Sie etwa? Ich kenne niemanden, der das übernommen hat.

    "Eine [Politik], die das Konkurrenzdenken weniger fördert." Was ist daran verwerflich? Wer spricht von menschenverändernder Politik? Niemand, außer Ihnen!

    Ja, so ist das halt, wenn man im demokratischen Westen aufgewachsen ist: man kann nicht lesen und vor allem wird keine andere Meinung geduldet.

  • Das Schöne an der Psychologie ist, dass sie irgendwie immer recht zu haben glaubt. Wohlgemerkt, irgendwie! Fangen wir mit der ersten Behauptung an: Eine Mutter kann man nicht abwählen. Das ist wohl wahr. Diese Aussage hat die gleiche Qualität, als wenn man sagen würde. Eine Kugel ist immer rund. Die Eigenschaft der Kugel rund zu sein kann man ihr nicht nehmen. Genauso wenig kann man einem Kind die Eigenschaft Kind eine Mutter zu sein, nehmen kann. Nach I. Kant ist dies ein analytisches Urteil. Dies liegt bekanntlich immer dann vor, wenn die Wahrheit und Falschheit durch den Begriff schon festgelegt. Es bringt somit keinen Erkenntnisgewinn. Dies hält den Autor nicht davon ab aus diesem analytischem Urteil den Schluss zu zuziehen, dass alle Deutschen in der Anbetung der Bundeskanzlerin ihr Muttersehnsüchte zu stillen. Endlich scheint der Autor den Stein der Weisen zu finden, warum fast alle Deutschen schmachtend Merkelianer werden. Offenbar braucht Merkel keine gute Politik zu machen. Nein, sie braucht nur Frau zu sein. Noch besser Mutter, was sie leider nicht ist, sonst wäre sie bis zu ihrem freiwilligen Rücktritt eine politische Muttersehnsuchtserfüllerin. Toller geht es nimmer.

  • Die narzisstische Fassade greifen gute Psychologen bei ihren Patienten niemals an, denn das endet dann regelmäßig im Suizid
    _____________________
    Das stimmt zum Teil. Ein wesentlich normalere Variante wäre, sie stoppen die Therapie, weil der Therapeut einfach zu doof ist, in ihren Augen.

    Was jedoch nicht bedeutet, dass man grundsätzlich therapeutisch nichts machen kann.

  • Eines hat der Herr Maaz leider nicht erwähnt:

    Narzissten sind untherapierbar. Es gibt für Narzissten keine Heilung. Es kann lediglich geschehen, dass aufgrund einer schweren Krise die narzisstische Fassade zusammenbricht und dann bleibt von der Person nichts mehr übrig. Die narzisstische Fassade greifen gute Psychologen bei ihren Patienten niemals an, denn das endet dann regelmäßig im Suizid.
    Was das für eine Gesellschaft bedeutet, kann sich jeder selbst ausmalen. Die Deutschen kennen das. Wir haben das "die Stunde Null" genannt. Deutschland existierte nicht mehr, nachdem die narzisstische Fassade der Nazis zusammenbrach. Ohh, wir waren wohl doch keine Herrenmenschen. Wer hätte das nur gedacht?

    Und noch etwas hat er nicht erwähnt: Nämlich WAS für einen Typus Mutti sich die Deutschen ausgesucht haben. Aber das kommentiere ich hier besser auch nicht weiter. Da darf jeder selbst ausmalen, was Merkel wohl für eine Mutti ist oder wäre, wenn sie denn Kinder hätte...

  • "Ich möchte von keinem Partner abhängig sein!"

    Heute ist das leider so, da jeder (ob Mann oder Frau) Egoist ist. Deshalb ist das Wort "Partner" bzw. "Ehepartner" nicht mehr korrekt. Es wird ja nicht umsonst vom Volksmund "Lebensabschnittgefährte" genannt. Gäbe es noch wirkliche Partner, dann würde sich die Frage der Abhängigkeit überhaupt nicht stellen...

  • Ich freue mich über diese Art der Darstellung, denn es erinnert mich an die Kindheitszeit, wo die Welt noch in Ordnung war. Oben sitzt die liebe Mama und alles ist in bester Ordnung. Man fühlt sich sicher und die Welt läuft rund.

    Auch wenn man es vordergründig anders sehen kann, aber ist das nicht wirklich die bessere Sichtweise? Schon der heilige franz von Assisi sagte mal, dass er sich den Gleichmut wünscht wenn es um Sachen geht, die man nicht ändern kann. Und was die Politik betrifft, so wissen wir als Volk weder was wirklich läuft, noch was zu machen ist.

    Gerade wir Deutschen gehören im Moment zu den führenden Wirtschaftsnationen der Welt, spricht denn wirklich etwas dagegen, wenn man sich auch mal zurück lehnt und das genießt?

  • @Novaris

    "Alles klar ???"

    Alles klar. Bleibt nur die eine Frage: Wann begreift das Schlafschaf dies endlich und ändert etwas daran ?
    Die Antwort kann ich mir selbst geben: Gar nicht bzw. erst dann kommt der Versuch, wenn es zu spät ist und das Schlafschaf schon auf der Schlachtbank liegt....

  • ...lol...

  • @Hardie 67 --- @Freidenker ---- hier ein
    Zitat :
    Nicholas Rockefeller sagte :
    "Der Feminismus ist unsere Erfindung aus zwei Gründen. Vorher zahlte nur die Hälfte der Bevölkerung Steuern, jetzt fast alle weil die Frauen arbeiten gehen. Ausserdem wurde damit die Familie zerstört und wir haben dadurch die Macht über die Kinder erhalten. Sie sind unter unserer Kontrolle mit unseren Medien und bekommen unserer Botschaft eingetrichtert, stehen nicht mehr unter dem Einfluss der intakten Familie. In dem wir die Frauen gegen die Männer aufhetzen und die Partnerschaft und die Gemeinschaft der Familie zerstören, haben wir eine kaputte Gesellschaft aus Egoisten geschaffen, die arbeiten (für die angebliche Karriere), konsumieren (Mode, Schönheit, Marken), dadurch unsere Sklaven sind und es dann auch noch gut finden."

    Alles klar ???

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