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Datenklau Polizei durchsucht nach Hackerangriff Wohnung in Heilbronn

Das BKA hat die Wohnung eines 19-Jährigen durchsucht. Er soll Kontakt zu dem Hacker haben, der Daten von Spitzenpolitikern veröffentlicht hat.
Update: 07.01.2019 - 15:16 Uhr Kommentieren
Bei dem Online-Angriff auf Politiker und Prominente sind persönliche Daten und Dokumente von hunderten Personen des öffentlichen Lebens im Netz veröffentlicht worden. Quelle: dpa
Daten mehrerer hundert Personen geleakt

Bei dem Online-Angriff auf Politiker und Prominente sind persönliche Daten und Dokumente von hunderten Personen des öffentlichen Lebens im Netz veröffentlicht worden.

(Foto: dpa)

Berlin Im Zusammenhang mit dem Online-Angriff auf Politiker und Prominente haben Beamte des Bundeskriminalamts die Wohnung eines Mannes in Heilbronn durchsucht. Das meldeten das ARD-Politikmagazin „Kontraste“ und das rbb-Inforadio am frühen Montagmorgen unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Demnach fand der Einsatz bereits am Sonntagmorgen statt, beschlagnahmt wurden technische Geräte. Der Mann sei 19 Jahre alt, er werde als Zeuge in dem Verfahren zu dem Datenklau behandelt, hieß es.

Der Betroffene bestätigte dem Sender die Durchsuchung. Zuvor hatte er über Twitter erklärt, dass er seit langem mit dem Hacker, der sich „0rbit“ nennt, in Kontakt stehe. 0rbit habe sich nach der Veröffentlichung der Daten, die er unter anderem bei Hackerangriffen auf Politiker, Youtube-Stars und Musiker erbeutet hatte, bei ihm gemeldet.

Laut rbb arbeitet der 19-Jährige als Angestellter im IT-Bereich und war in sozialen Medien verdächtigt worden, er selbst sei Orbit. Unter dem inzwischen gesperrt Twitter-Konto @_0rbit wurden im Dezember zahlreiche persönliche Daten von Politikern und Prominenten als eine Art Adventskalender veröffentlicht. Dies hat er dementiert. Das Bundeskriminalamt war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Von dem Online-Angriff sind rund 1.000 Politiker und Prominente betroffen. Etwa 50 Fälle seien schwerwiegender, weil größere Datenpakete wie Privatdaten, Fotos und Korrespondenz veröffentlicht worden seien, hieß es.

Nach Ansicht des Chaos Computer Clubs (CCC) ist der Täter aber unvorsichtig vorgegangen und hat zu viele Informationen von sich preisgegeben. „Das Vorgehen war einfach sehr unvorsichtig, es wurde mit den Betroffenen gechattet, es wurden Details des Vorgehens preisgegeben. Es wurden sehr viele Metadaten, Zugriffszeiten und Motivationen, Rechtschreibfehler, eigene Gedanken in diesen Daten hinterlassen“, sagte CCC-Sprecher Linus Neumann der Deutschen Presse-Agentur. „Das sind alles kleine Puzzlestücke darauf, wie der Angreifer drauf ist, was seine Motivation ist und wann er was getan hat.“

Als Konsequenz hat das Bundesinnenministerium Verbesserungen in der Abwehr solcher Attacken angekündigt. Das Cyber-Abwehrzentrum, das im konkreten Fall die Ermittlungen führe, werde verbessert, „ein Cyber-Abwehrzentrum plus“ werde in den nächsten Monaten konkret ins Werk gesetzt, sagte der parlamentarische Staatssekretär Stephan Mayer (CSU) am Rande der Jahrestagung des Beamtenbundes dbb in Köln.

Noch am Montag wollte Seehofer laut Mayer die Präsidenten des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und des Bundeskriminalamts (BKA), Arne Schönbohm und Holger Münch, anhören. Dabei gehe es um Fragen des Zeitablaufs beim aktuellen Datenklau und darum, wer hinter den Angriffen stecke. Politiker von SPD, Grünen und FDP hatten infrage gestellt, dass die Behörde rasch genug auf den Angriff reagiert habe.

Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck forderte am Montag eine bessere Ausrüstung und Ausbildung der Polizei für solche Delikte. Man brauche eine „Cyber-Polizei“, sagte er im ARD-„Morgenmagazin“. „Wenn eingebrochen wird, muss man auch den Täter fangen. Und wenn jetzt nichts passiert, dann wird das eine Ermutigung für alle Anderen sein, weiter einzubrechen in unsere Daten“, warnte Habeck. „Die Polizei muss ertüchtigt werden, solche Leute zu fassen.“

Habeck ist einer der Hauptbetroffenen der Veröffentlichung der gestohlenen Daten. Als er davon erfahren habe, sei seine erste Reaktion „eine Art Panik“ gewesen, berichtete er. Die gesamte persönliche Kommunikation mit seiner Familie sei plötzlich auf irgendwelchen rechten Seiten im Internet nachlesbar gewesen. „Das ist so, als ob einem die Liebesbriefe der letzten zehn Jahre geklaut werden und alle beugen sich darüber und sagen „Na mal gucken, was er da alles noch so hat“.“

  • dpa
  • rtr
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