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Sabine Vogt und Georg Ungefuk

Die Leiterin der Abteilung Schwere und organisierte Kriminalität beim Bundeskriminalamt (BKA) und der Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk haben erste Details zur Festnahme des mutmaßlichen Täters geliefert.

(Foto: dpa)

Datenklau Tatverdächtiger nach Hackerangriff identifiziert – Motiv war „Verärgerung“

Das BKA konnte bereits am Sonntag einen Fahndungserfolg erzielen. Erste Details: Der 20-jährige Verdächtige ist geständig und wieder auf freiem Fuß.
Update: 08.01.2019 - 15:09 Uhr Kommentieren
  • Daten-Diebstahl: BKA hat 20-jährigen Tatverdächtigen ermittelt.
  • Verdächtiger ist geständig, Einzeltäter und auf freiem Fuß.
  • Als Motiv gibt der Beschuldigte Ärger über öffentliche Äußerungen von Politikern an.

Was bisher bekannt ist

Nach dem Hackerangriff auf Hunderte Politiker, Journalisten und Künstler haben die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) und das Bundeskriminalamt (BKA) bereits am Sonntag die Wohnung eines 20-jährigen Tatverdächtigen aus Mittelhessen durchsucht und diesen vorläufig festgenommen. Bei einer Pressekonferenz am Dienstagmittag wurden erste Details des Falls bekannt – vor allem, dass der Beschuldigte geständig und bereits wieder auf freiem Fuß sei.

Das BKA ermittelt wegen des Verdachts „des Ausspähens und der unberechtigten Veröffentlichung personenbezogener Daten.“ Bei der Pressekonferenz erklärten die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft und das BKA, die Behörden seien am Freitag über die Veröffentlichung der Daten informiert worden und hätten umgehend Maßnahmen ergriffen.

Der am Sonntag festgenommene Verdächtige zeigte sich nach Angaben der Behörden kooperativ und hat ein umfassendes Geständnis abgelegt. Die Ermittler hätten eine „eine klare Reue-Reaktion“ beobachten können. Seit Montagabend befinde er sich mangels Haftgründen wieder auf freiem Fuß.

In der Regel bedeutet das: keine Flucht- oder Verdunklungsgefahr. Auch gehe von ihm keine Gefährdung mehr aus. Der Beschuldigte gab als Motiv demnach „Verärgerung über öffentliche Äußerungen der betroffenen Politiker, Journalisten und Personen des öffentlichen Lebens“ an. Näher hätte er es nicht spezifizieren können, erklärt BKA-Präsident Holger Münch.

Neben den illegal ausgespähten Daten der Zielpersonen, die der Beschuldigte mutmaßlich unter den Twitter-Accounts „G0d“ und „0rbit“ mithilfe von Filesharing-Plattformen verbreitete, sammelte der Verdächtige offenbar auch frei zugängliche Daten der Betroffenen. Die Behörden erklärten zudem, es sei der Twitter-Account eines Youtube-Künstlers praktisch gekapert worden. Nach Angaben des BKA stehe fest, dass keine Schadsoftware, also etwa Trojaner, eingesetzt wurden.

Der mutmaßliche Täter habe demnach allein gehandelt, Informationen zu seiner Person würden zum jetzigen Zeitpunkt nicht öffentlich gemacht. Die notwendigen Fähigkeiten, hieß es, habe sich der 20-Jährige online selbst antrainiert. Einen fachspezifischen Hintergrund, etwa eine IT-Ausbildung, habe der „computeraffine“ Verdächtige nicht. BKA und ZIT erklärten, derzeit würden Computer und Datenträger des Beschuldigten ausgewertet. Einen Rechner habe der Beschuldigte bereits bei Bekanntwerden der Leaks versucht zu entsorgen. Bei der Tat wurde versucht, die digitalen Spuren mittels einer Anonymisierung durch einen VPN-Dienst zu verschleiern.

Für die Tat sei ein „gewisser technischer Sachverstand“ nötig gewesen, sagte der Sprecher der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main, Georg Ungefuk. Bei der Ausspähaktion habe der Täter demnach mehrere Sicherheitslücken ausgenutzt, von denen noch nicht alle geschlossen seien.

Weitere Details am Nachmittag

Auf einer weiteren Pressekonferenz äußerten sich am frühen Nachmittag Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und BKA-Chef Münch zu Details des Ermittlungsverfahrens. Die zuständigen Behörden hätten „sehr rasch, sehr effizient und sehr gut rund um die Uhr gehandelt“, verwahrte sich Seehofer gegen Vorwürfe der Untätigkeit.

Der Tatverdächtige sei schon am vergangenen Sonntag identifiziert worden, ergänzte Seehofer. Er betonte: „Wir machen in so wichtigen Angelegenheiten also unsere Arbeit.“

Zugleich erklärte der Innenminister, die Löschung der von dem mutmaßlichen Täter ins Internet gestellten Daten dauere weiterhin an. Münch ergänzte, es sei wichtig gewesen, schnell und umfangreich zu halten: „Was die Spuren anbelangt, hat es uns der Täter leicht gemacht.“

Das BKA sei aber in der Lage, noch viel mehr zu leisten, sagte Münch an potenzielle Nachahmer gerichtet. Als Konsequenz warnte Seehofer vor dem sorglosen Umgang mit privaten Daten im Netz. Auch ein „ ein IT-Sicherheitsgesetz 2.0“ sei als Konsequenz noch für 2019 geplant.

Etwa 1.000 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, darunter zahlreiche Politiker, aber auch Jan Böhmermann und Til Schweiger, waren von dem Leak betroffen. Die Daten wurden wie bei einem Adventskalender auf der Plattform Twitter zwischen dem 1. und 24. Dezember veröffentlicht. Das wurde allerdings erst in der Nacht zu Freitag öffentlich – und somit auch vielen Betroffenen – bekannt. Etwa 50 Fälle waren schwerwiegender, weil größere Datenpakete wie Privatdaten, Fotos und Korrespondenz veröffentlicht worden waren.

BKA-Beamte hatten im Zuge der Ermittlungen am Sonntag die Wohnung eines Zeugen in Heilbronn durchsucht. Der Mann war in manchen Berichten fälschlicherweise als Verdächtiger bezeichnet worden, auch weitere Zeugen wurden vernommen.

Die Bundesregierung will aus dem Fall Konsequenzen ziehen und die Cyber-Sicherheit verbessern. Dazu soll in den nächsten Monaten unter anderem ein „Cyber-Abwehrzentrum plus“ geschaffen werden. Gerade die lange Reaktionszeit und die Tatsache, dass die Leaks über Wochen unentdeckt blieben, hatten für harsche Kritik an den zuständigen Behörden gesorgt.

Mit Agenturmaterial.

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