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Datenschutz Digitalpolitiker warnen vor WhatsApp

Ohne Überwachungssoftware können offenbar verschlüsselte WhatsApp-Nachrichten mitgelesen werden. Nicht nur deshalb warnen Politiker auch Behörden vor der Nutzung des Messengers.
22.07.2020 Update: 22.07.2020 - 13:41 Uhr 2 Kommentare
Im Visier der Sicherheitsbehörden: WhatsApp-Kommunikation von Terrorverdächtigen. Quelle: Reuters
WhatsApp-Logo

Im Visier der Sicherheitsbehörden: WhatsApp-Kommunikation von Terrorverdächtigen.

(Foto: Reuters)

Berlin Ein Bericht über eine bisher unbekannte Zugriffsmöglichkeit des Bundeskriminalamts (BKA) auf den zu Facebook gehörenden Messenger WhatsApp alarmiert die Politik. Wie der Bayerische Rundfunk und der WDR berichten, soll das BKA schon seit einigen Jahren in der Lage sein, Kommunikation über WhatsApp zu überwachen, ohne dafür eine Überwachungssoftware auf dem Handy der Zielperson installieren zu müssen.

„Inwieweit es sich bei den Zugriffen des BKA um eine Sicherheitslücke handelt, muss geklärt werden“, sagte der digitalpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Jens Zimmermann, dem Handelsblatt. „Da offenbar aber ein direkter Zugriff auf Endgeräte nötig ist, scheint mir dies unwahrscheinlich.“

Der Grünen-Politiker Dieter Janecek ergänzte: „Warum unsere Sicherheitsbehörden weiter auf dem Einsatz des Staatstrojaners beharren, wenn sie offensichtlich bereits über erweiterte Fähigkeiten verfügen, ist völlig unverständlich.“

Anscheinend seien die Sicherheitsbehörden „bei Weitem nicht so blind wie immer behauptet“, erklärte der Vorsitzende des Bundestags-Digitalausschusses, Manuel Höferlin (FDP), auf Twitter. „Auf der einen Seite den Staatstrojaner fordern und dann nicht mit offenem Visier spielen. Das passt nicht zusammen.“ Für Höferlin liegt auf der Hand: „Wer wirklich sicher kommunizieren will, wird nicht WhatsApp nutzen.“

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    Die beiden Sender berufen sich auf ihnen vorliegende Dokumente von 2018. Darin regen Ermittler an, bei der Überwachung eines mittlerweile verurteilten Islamisten dessen digitale Kommunikation heimlich mitzulesen. Möglich ist das demnach durch die weniger bekannte Funktion von WhatsApp, den Messenger auch über einen Internetbrowser zu bedienen. Nutzer scannen dazu mit dem Smartphone den QR-Code ab, der im Browserfenster angezeigt wird. Anschließend sind die Nachrichten auch im Browser zu lesen.

    Das BKA wollte sich dazu nicht äußern. Aus Sicherheitskreisen heißt es, die Methode zur WhatsApp-Überwachung werde bislang kaum eingesetzt. Da die Ermittler dafür zumindest kurzzeitig Zugriff auf das Handy eines Verdächtigen haben müssen, sei der Aufwand für viele Verfahren zu hoch.

    Grüne setzen auf Threema

    Ungeachtet dessen sieht die Politik die Nutzung von WhatsApp kritisch. Sie unterstützen insbesondere eine Warnung des Bundesbeauftragten für den Datenschutz, Ulrich Kelber. Dieser hatte kürzlich in einem Schreiben an alle Bundesministerien und -behörden erklärt, dass der Einsatz von WhatsApp für eine Bundesbehörde ausgeschlossen sei.

    Politiker von Koalition und Opposition warnen ebenfalls davor, den Messenger zur Kommunikation zu benutzen. „Facebook konnte bis heute nicht überzeugend darlegen, wie die Verbindung und Datenweitergabe mit WhatsApp datenschutzkonform ausgestaltet wird“, sagte der SPD-Abgeordnete Zimmermann.

    Auch der Grünen-Bundestagsabgeordnete Janecek riet Behörden, nicht über WhatsApp zu kommunizieren. „Wer wirklich sicher kommunizieren will, für den ist WhatsApp offensichtlich auch weiterhin keine Alternative. Es sollten nur Anbieter, die strengste Datenschutz- und Sicherheitsstandards gewährleisten, genutzt werden – idealerweise auch europäische Anbieter“, sagte Janecek dem Handelsblatt. „Innerhalb der Grünen-Bundestagsfraktion verwenden wir beispielsweise Threema aus der Schweiz.“

    Auch die FDP-Fraktion nutze eine „sichere Alternative“, sagte Höferlin dem Handelsblatt. Es gebe eine ganze Reihe anderer Messengerdienste, auch aus Europa, die in Sachen Datenschutz und Datensicherheit „wesentlich besser aufgestellt“ seien. Bei WhatsApp hält der FDP-Politiker etwa für problematisch, dass der Messenger standardmäßig auf die Kontakte zugreife, wenn das vom Nutzer nicht selbst abgestellt werde. „Sehr problematisch ist außerdem, dass Facebook alle Dienste über dieselbe Serverinfrastruktur laufen lässt.“

    WhatsApp weist Vorwürfe zurück

    Der Bundesdatenschützer Kelber hatte seine Warnung mit dem Hinweis verbunden, dass allein durch die Versendung von Nachrichten jedes Mal Metadaten an WhatsApp geliefert würden. Zudem sei davon auszugehen, dass diese dann unmittelbar an Facebook weitergegeben würden. Allein aus der Tatsache, dass zum Beispiel ein Bürger mit einer Bundesbehörde kommuniziert habe sowie der Häufigkeit von Nachrichten, ließen sich Rückschlüsse ziehen, erklärte Kelber in seinem Schreiben. „Diese tragen, wenn auch nur als kleiner Mosaikstein, zur verstärkten Profilbildung bei.“

    Die Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) warb vor diesem Hintergrund für eine Alternative zur Behördenkommunikation. „Für die behördeninterne Kommunikation steht einer Reihe von Bundesministerien und dem Bundeskanzleramt der Messengerdienst Wire im Rahmen einer Erprobungsphase zur Verfügung“, sagte Bär dem Handelsblatt. „Die Metadaten der Kommunikation auf Wire sind vor Außenstehenden geschützt.“

    Als Metadaten gelten etwa die IP-Adresse, Standortdaten, Informationen über das Smartphone und dessen Betriebssystem oder Nachrichten-Datum und -Uhrzeit. Anhand dieser Metadaten lassen sich nach Einschätzung von Experten Bewegungs- und Benutzerprofile erstellen. Durch die Verknüpfung einzelner Daten könnten zudem Rückschlüsse auf Berufe, Hobbys, finanzielle Situation, Vorlieben oder sogar Krankheiten der Nutzer gezogen werden.

    WhatsApp wies die Vorwürfe wegen angeblicher Sicherheitsmängel zurück. „Die privaten Gespräche der Menschen bleiben sicher und durch Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt.“ Um die App mit dem Webbrowser auf dem Computer nutzen zu können, sei zudem eine Registrierung notwendig. Dazu müsse das Mobiltelefon entsperrt sein und eine aktive Internetverbindung bestehen.

    WhatsApp hatte sich auch schon gegen die Vorwürfe Kelbers gewandt. Man gebe keine Benutzerdaten an Facebook weiter, um etwa zielgruppengenauere Werbung auf Facebook zu ermöglichen. „WhatsApp kann keine Nachrichten lesen, da diese standardmäßig durchgehend verschlüsselt sind“, sagte ein Sprecher seinerzeit dem Handelsblatt. Es würden auch keine „Benutzer-Metadaten“ mit Facebook geteilt, „um Facebook-Profile zu erstellen oder Facebook-Produkte oder -Werbung anderweitig zu verbessern“.

    Mehr: Lesen Sie hier, warum der deutsche Inlandsnachrichtendienst künftig auch verschlüsselte Messengerdienste überwachen soll.

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    2 Kommentare zu "Datenschutz: Digitalpolitiker warnen vor WhatsApp"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Das nenne ich aber jetzt Schizophrenie par excellence.
      Politiker und Behörden WOLLEN doch die Messenger überwachen - und die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist ihnen doch sowieso ein Dorn im Auge. Da wollen sie doch sowieso "Backdoors" haben - aber natürlich nur, um "Hasskriminalität" und Dissidenten verfolgen zu können, und nicht etwa Mord, Raub oder Totschlag...

    • Das Beispiel WhatsApp zeigt vorzüglich wie mittelalterlich, wettbewerbsfeindlich und monopolfreundlich wir Verbraucher selbst agieren.

      Sichere Alternativen (neben Threema) gibt's wie Sand am Meer, aber wir lieben unser Spielzeug, weil wir meinen, dass wir nur mit diesem Messenger so heliozentrisch in unserem Netzwerk verankert sind.
      Jeder der eine anbieterunabhängige, kostenlose E-Mail Adresse hat, kann fast identisch wie WhatsApp per COI (chat over imap) - instant messenger-like - miteinander kommunizieren:
      - PGP-verschlüsselt
      - anbieterunabhängig (keine Bettelei im Netzwerk, zum gleichen Anbieter zu wechseln um verbunden zu bleiden!!)
      - sofort verfügbar (heute=jetzt=in diesem Moment.....geht's noch klarer?)

      Und so werden alle Warnungen von Datenschützern verhallen, denn die Datensicherheit ist gar nicht der Punkt, der Verbraucher kümmert, zumal's noch hip zu sein scheint jede Kleinst-News in den öffentlichen Äther zu senden... Zeig mir wie Du netzwerkst und ich sage Dir wer Du bist. (geschützt=unsichtbar=inexistent)

      Interessant wäre doch zunächst mal: Wieviele Verbraucher bekunden nicht nur Interesse am Datenschutz, sondern praktizieren ihn schon heute mit den Mitteln die aktuell verfügbar sind. (Und das sind 'ne Menge!) Das ist die Zielgruppe. Der Rest ist nicht wirklich interessiert. Der Rest sind vermutlich Jutebeutel-Bioladen Einkäufer, die mit dem SUV durch die Gegend fahren, sprich: Sammler jedweder Netzwerk-fördernder Statussymbole und Verhaltensweisen.

      Genauso gibt's wirklich sehr gute Alternativen zu google, Amazon, Apple u.s.w. .....Aber wer will die schon ernsthaft?

      Meine persönliche Vermutung: Die tatsächliche Datenschutz-Zielgruppe ist leider nicht allzu groß.

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