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Datensicherheit Seehofer will neues „Frühwarnsystem“ gegen Datenhacks prüfen

Der Innenminister wehrt sich gegen Kritik an seinem Krisenmanagement. Er will die Rolle des BSI und des BKA bei der Cybersicherheit weiter stärken.
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Innenminister Seehofer will neue Stellen beim BSI und BKA schaffen. Quelle: dpa
Pressekonferenz zum Datenhack

Innenminister Seehofer will neue Stellen beim BSI und BKA schaffen.

(Foto: dpa)

Berlin An dem Nachmittag, an dem sich Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) erstmals seit dem Bekanntwerden des Hacks den Fragen der Journalisten stellt, geht er in Abwehrhaltung. In einem Minutenprotokoll zählt er auf, wann welche Behörde informiert wurde, wer wann was gesagt und getan hat. Und er verkündet den Fahndungserfolg: „Ich möchte darauf hinweisen, dass der Tatverdächtige seit Sonntag identifiziert war.“

Mehr als 96 Stunden zuvor war bekannt geworden, dass persönliche Daten von rund 1000 Politikern, politisch aktiven Prominenten und Journalisten im Internet via Twitter veröffentlicht und verbreitet wurden. Hinter dem Datenleck steckt kein ausländischer Geheimdienst, keine organisierte Gruppe, sondern ein Einzeltäter: Ein 20-jähriger Mann, der noch zur Schule geht und bei seinen Eltern wohnt. Als Tatmotiv gab er an, dass er sich über die Betroffenen geärgert habe.

Warum Seehofer die Öffentlichkeit erst heute darüber informiert hat, darüber wird er sich später noch Fragen gefallen lassen müssen. Jetzt aber erst mal das Protokoll. Am Morgen des 4. Januar, so Seehofer, um 6.50 Uhr, habe er von dem Sachverhalt Kenntnis erhalten.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), das Bundeskriminalamt (BKA) und das Bundesamt für Verfassungsschutz hatten bereits am 3. Januar um 22.40 Uhr „auf verschiedenen Wegen“ Kenntnis erhalten. Unter anderem war ein Hinweis vom Büro der von dem Datenleck betroffenen SPD-Vorsitzenden Andrea Nahles eingegangen.

Um 1.20 Uhr lieferte das BSI dem BKA eine erste Einschätzung. Um 2.12 Uhr habe es „erste Löschersuche“ gegeben. Beim Kurznachrichtendienst Twitter waren diese allerdings erst am 4. Januar um 12 Uhr erfolgreich Ebenfalls am Freitagmittag sei ein Verfahren eröffnet worden, sagt BKA-Chef Holger Münch, über das Wochenende seien 55 Mitarbeiter im Einsatz gewesen. Länder und Bundesbehörden hätten Informationen geliefert. Am Sonntagmittag, „48 Stunden nach Aufnahme der Ermittlungen“, wie Münch am Dienstag betonte, kannte man den Täter bereits, am Sonntagabend nahmen Beamten ihn fest. Am Montagabend gestand er die Tat.

Seehofer will zeigen, dass seine Behörden, die in den letzten Tagen in die Kritik geraten waren, alles richtig gemacht haben. Der Fall – wer hinter dem Hack stand, warum die privaten Nachrichtenverläufe und Kontaktdaten von Politikern, Prominenten und Journalisten veröffentlicht wurden – ist vorerst gelöst.

Dennoch muss sich Seehofer Kritik gefallen lassen daran, warum er so spät erst die Öffentlichkeit darüber informiert hat, dass der Mann ein vergleichsweise harmloser Einzeltäter war. Er habe die Ermittlungen nicht gefährden wollen, verteidigt sich Seehofer am Dienstag in gewohnt ruhigem Ton. „Es ist besser, andere äußern Vermutungen als der zuständige Minister“, so Seehofer.

Seine Behörden versuchen nun, die weitere Verbreitung der Daten zu verhindern, Seehofer dämpfte jedoch die Erwartungen. „Grundsätzlich ist anzumerken, dass es leider unwahrscheinlich ist, die Verbreitung der Daten gänzlich zu unterbinden, da Dritte die Daten erneut an beliebigen Stellen veröffentlichen können“, so Seehofer.

Er sieht nun Bedarf für die Verbesserung der Behördenarbeit auf verschiedenen Ebenen. So soll die Einrichtung eines Frühwarnsystems für solche Taten geprüft werden. „Wir wollen alles Mögliche in Bewegung setzen, dass sich solche Fälle möglichst nicht wiederholen können“, sagte Seehofer. BSI-Chef Arne Schönbohm erklärte, dass das bisherige System aufgrund der fehlenden Schlagwörter in den Tweets und der Art der Veröffentlichung der erbeuteten Daten den Vorfall nicht erkennen konnte.

Die Rolle des BSI und des BKA bei der Cybersicherheit sollen zudem weiter gestärkt werden. Der Bundestag habe dazu bereits 350 neue Stellen für das BSI und 160 neue Stellen für das BKA in dem Bereich genehmigt. Das BSI soll zudem stärker zu einer Verbraucherschutzbehörde ausgebaut werden.

Die Bevölkerung soll besser über Sicherheit im Netz informiert werden. Beim Cyberabwehrzentrum sollen künftig auch die Landesbehörden eingebunden werden, bislang wird dort vor allem die Arbeit der für Cybersicherheit zuständigen Bundesbehörden koordiniert.

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