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Datensparsamkeit „Ein Push für den Markt“

Das Prinzip der Datensparsamkeit ist in Zeiten von Big Data vielen Wirtschaftsvertretern ein Dorn im Auge. Allerdings birgt der Grundsatz aus Expertensicht viele ökonomische Chancen, sofern die Firmen umdenken.
08.11.2016 - 11:37 Uhr 1 Kommentar
Das Prinzip der Datensparsamkeit ist ab 2018 für alle EU-Staaten verpflichtend. Quelle: dpa
Lager für Magnet-Datenbänder.

Das Prinzip der Datensparsamkeit ist ab 2018 für alle EU-Staaten verpflichtend.

(Foto: dpa)

Berlin Die Digitalwirtschaft ist skeptisch, ob man mit Datensparsamkeit eine wirtschaftlich sinnvolle Nutzung von Daten und einen effektiven Datenschutz in Einklang bringen kann. Anders als das Bundesjustizministerium, das auch aus verbraucherschutzrechtlicher Sicht insbesondere den Datenschutz im Blick hat. Doch diese Maxime bedeutet nicht zwingend einen Wettbewerbsnachteil. Staatssekretär Ulrich Kelber (SPD) verwies kürzlich in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt vielmehr auf die vielen Vorteile und nannte als Vorbild in dieser Hinsicht das Silicon Valley.

„Dort sind Firmen auf dem Weg, den nachhaltigen Umgang mit den Daten ihrer Kunden zum Wettbewerbsvorteil zu machen“, erklärte Kelber. Diesen Vorteil habe Deutschland schon, dank des Grundsatzes der Datensparsamkeit. „Ihn aufzugeben, wäre also auch wirtschaftlich Unsinn.“ Abgesehen davon lässt sich das Prinzip der Datensparsamkeit ohnehin nicht mehr infrage stellen. Nach der jüngst verabschiedeten Datenschutzgrundverordnung der Europäischen Union ist das Prinzip für alle Mitgliedstaaten ab dem Jahr 2018 bindend.

Deshalb schlägt Kelber auch im Sinne der hiesigen Wirtschaft vor, die anstehende Harmonisierung des europäischen Datenschutzes dafür zu nutzen, Konzepte zu entwickeln, wie Big-Data inklusive Datensparsamkeit aussehen und funktionieren kann. Was Kelber „Datensparsamkeit 4.0“ nennt, soll am Ende die Behauptung widerlegen, dass zwischen Big-Data und Datensparsamkeit ein großer Widerspruch besteht. Denn, gibt der SPD-Politiker zu bedenken, nur wer unbegrenzt werben, ausforschen und steuern möchte, müsse wissen, welche Person sich hinter einem Datum verbirgt. „Alle übrigen Analysen funktionieren sehr wohl erfolgreich mit anonymisierten Daten“, so Kelber.

Der Wirtschaft ist das zu kurz gedacht. Der Vorstandschef der Hypo-Vereinsbank, Theodor Weimer, plädierte jüngst in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt für Gesetze und Strukturen, „die dem neuen Produktionsfaktor Daten Raum geben“, gleichzeitig wandte er sich aber gegen den Grundsatz der Datensparsamkeit und das Prinzip der Zweckbindung, weil beides „diametral mit den Möglichkeiten der Big-Data-Analyse und der ökonomisch sinnvollen Nutzung des Datenreichtums“ kollidiere. Ähnlich hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geäußert. In einer kürzlich gehaltenen Rede beim Tag der Deutschen Industrie betonte sie, dass Daten der Rohstoff der Zukunft seien und daher „das uns einst vom Bundesverfassungsgericht vorgegebene Prinzip der Datensparsamkeit nicht mehr zur heutigen Wertschöpfung passt“.

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    Die Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein, Marit Hansen, hält von derlei Thesen wenig. Die von einigen Politikern vertretene Ansicht, das Prinzip der Datensparsamkeit müsse dem Prinzip der „Datensouveränität“ geopfert werden, sei Unsinn. „Die Prinzipien dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern können in Einklang gebracht werden“, sagte Hansen dem Handelsblatt. Dies habe Staatssekretär Kelber ganz richtig erkannt. „Während Datensparsamkeit manchmal übersetzt wird mit einer Art unzeitgemäßer Enthaltsamkeit, was personenbezogene Daten angeht, funktionieren neue Ansätze auf Basis von innovativen technischen Lösungen.“

    „Eine große Chance für deutsche Firmen mit innovativen Lösungen“
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    1 Kommentar zu "Datensparsamkeit: „Ein Push für den Markt“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Inzwischen kenne ich das Spielchen. Alle paar Jahr, werden neue Stichworte ohne Inhalt generiert und groß nach vorne gebracht. Die aktuellen sind Digitalisierung, Industrie 4.0 und Big Data. Je mehr so ein Thema gepusht wird, desto größer ist die Ernüchterung wenn man irgendwann darstellt, dass es doch keine wirkliche Revolution war, sondern das es das schon immer gab. Und genauso wie Microsoft irgendwann mal unantstbar war, wird man in einer Generation über ein Phänomen wie Facebook lachen (weil es total uncool ist, Photos von seinem Essen oder sonst irgendeinen Blödsinn ins Internet zu stellen)

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