Debatte über Debeka-Datenhandel „Eher die Hand abhacken, als Adressen verscherbeln“

Tausende Beamte sollen der Debeka-Versicherung gegen Geld Namen für neue Policen genannt haben. Die Empörung ist groß – nicht nur in der Politik. Die Zunft selbst reagiert gereizt und fordert ein hartes Durchgreifen.
Update: 13.12.2013 - 17:12 Uhr 20 Kommentare
Logo der Debeka-Versicherungen: Skandal um illegalen Datenhandel weitet sich aus. Quelle: dpa

Logo der Debeka-Versicherungen: Skandal um illegalen Datenhandel weitet sich aus.

(Foto: dpa)

BerlinDie Vorwürfe des illegalen Datenhandels gegen Mitarbeiter der Debeka-Versicherung könnten sich ausweiten. Nach Handelsblatt-Recherchen soll es ein Netz von mehr als 10.000 Beamten geben, die für die Vermittlung von Versicherungen bezahlt wurden.

Über Jahre hinweg sollen demnach weit über 100 Millionen Euro geflossen sein. Die Debeka teilte am Mittwoch mit, es gebe zwar sogenannte Tippgeber. Dies jedoch stehe im Einklang mit dem Bundesbeamtengesetz.

Es werde dennoch geprüft, ob das Vorgehen mit den Tippgebern als nebenberuflichen Mitarbeitern angemessen sei, teilte die Debeka mit. Das übernehme die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, die bereits mit internen Prüfungen bei den Koblenzern beauftragt worden war.

Der Deutsche Beamtenbund zeigte sich entsetzt über die Vorwürfe. „Für Korruption darf es gerade im öffentlichen Dienst kein Pardon geben. Eine widerrechtliche Weitergabe von Personaldaten durch Verwaltungsmitarbeiter gegen Bezahlung ist keine genehmigungsfähige Nebentätigkeit, sondern ein Straftatbestand, der in jedem Einzelfall nachgewiesen und sanktioniert werden müsste“, sagte Klaus Dauderstädt, Chef des Deutschen Beamtenbundes, dem Handelsblatt.

Soweit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als sogenannte Vertrauensleute von Versicherungen, Banken, Bausparkassen oder anderen Selbsthilfeeinrichtungen des öffentlichen Dienstes Vergütungen erhielten, würden die strengen Regeln des Nebentätigkeitsrechts mit seinen transparenten Anzeige- und Genehmigungspflichten greifen, so Dauderstädt.

Nach Einschätzung von Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, steht mit dem Skandal um Datenhandel bei der Debeka-Versicherung die Zukunft des gesamten Geschäftsmodells des Unternehmens auf dem Spiel.

„Wenn dahinter sogar ein System mit Tausenden von Zuträgern steht, würde das gesamte Geschäftsmodell der Versicherung infrage gestellt“, sagte Wendt dem Handelsblatt. Er selbst sei schon mehrfach von Versicherungen nach Adressen gefragt worden, fügte er hinzu. „Aber eher würde sich ein ehrbarer Beamter die Hand abhacken, als dass er Adressen verscherbeln würde.“

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20 Kommentare zu "Debatte über Debeka-Datenhandel: „Eher die Hand abhacken, als Adressen verscherbeln“"

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  • Wie hier jetzt einige Debeka-Fans - oder sollte ich "Vertrauensleute" sagen - abwiegeln, ist eigentlich schon der zweite Skandal. Wenn die Infos stimmen, dann wurden hier Dienstgeheimnisse (nämlich Personaldaten) gegen bares Geld verscherbelt. Junge Berufsanfänger wurden in der Folge überrumpelt. Wer gerade erst neu in seinem Beruf anfängt, kann gegenüber dem älteren Kollegen doch nicht nein sagen!
    Die Fachhändler (Makler, Mehrfachagenturen) bezahlen zwar mit ihren Steuern den Beamtenapparat, werden von genau diesem aber um Wettbewerbsgleichheit betrogen. Und man darf ja raten, ob die verkauften Personaldaten während der Arbeitszeit der Beamten oder während deren Freizeit abgegriffen wurden...
    Man kann nur hoffen, dass alle Beteiligten sich dafür sowohl strafrechtlich als auch disziplinarisch verantworten müssen.
    Und wenn unser Rechtsstaat wirklich funktioniert, dann müssen alle Versicherten, deren Verträge durch solche Straftaten zustande gekommen sind, diese rückwirkend zum Beginn auflösen können.

  • @shannon
    Sie kapieren nicht worum es geht.
    Wenn ich in meinem Unternehmen Daten die mir
    aus dienstlichen Gründen zugänglich sind, einer externen Organisation zu meinem Vorteil zugänglich mache - reicht das für zwei Kündigungen.
    Punkt aus und richtig so.
    Es ist auch egal um was für Daten es sich dabei handelt.
    Es spielt erstrecht keine Rolle
    ob die Debeka "ein gutes Preis-Leistungsverhältnis" hat uns sie (oder sollte ich sagen: Sie?) nur aus Ihrer Sicht sinnvolle Produkte verkaufen.
    Können Sie das nicht begreifen?

  • Wenn Beamte aus Personalstellen die ihnen dienstlich anvertrauten Daten gegen Bezahlung weitergeben, dann und nur dann wäre das vielleicht ein Skandälchen, zuerst aber mal ein Fall für behördeninterne Datenschützer und Staatsanwalt. Außerdem: ist überhaupt ein Schaden entstanden? Ich bin seit Jahrzehnten bei der Debeka versichert und zufrieden. Ist es ein Schaden, wenn man durch Tipgeber bei einem Versicherer landet, der in Tests regelmäßig unter den besten ist?
    Wenn die Medien einen echten Skandal suchen, warum gehen sie nicht nach Brüssel, wo Lobbyisten ein Regime steuern, das uns weit mehr echten Schaden zufügt als ein grenzwertiges Tipgebersystem. In Berlin ist es nicht besser. Also warum im kleinen prügeln, was man im großen zuläßt?

  • Als ich 1996 in Koblenz(!) meine Prüfung zum Versicherungsfachmann machte, wußten alle, egal von welcher Gesellschaft, das die DeBeKa ein Netz von Tipp-gebern in "jedem Amt2 und vor allem auf den Beamtenschulen, z.B. in Mayen hatte. Und die Newcomer bekamen halt von den alten Hasen, egal ob Finanzamt, Post oder Lehrerschaft, den Tipp DeBeKa. Als ich mich 1988 selbständig machte, kam der Gatte der Post-Kollegin meiner damaligen Frau an wegen Versicherungen - was ist also so heiß an der Geschichte? Dafür erinnert sich Herr Gabriel nicht mehr, wie er früher in Talkshows das Modell Carsten Maschmeyer (AWD) als neue Wege beschreitend gelobt hat - fast wie Adenauer "was stört mich mein Geschwätz von gestern", ...

  • Ich kann mich lolo und einigen anderen nur anschließen.

    Das Handelsblatt verkommt zu einen "Skandal-Blättchen". Jeder Vorfall wird ungeprüft zum Skandal. Das ist nicht nur bei dem vorliegenden Fall der Debeka so. Ob politische Interessen oder nur die Auflage, bzw. die Aufrufe der Internetseite, eine Rolle spielen ist fraglich. Der vom HB vorangetriebene Dauerbeschuss der gesamten Versicherungsbranche hat nur noch wenig mit unabhängigen Journalismus zu tun. Vielleicht trägt ja auch Herr Kleinlein seinen Teil dazu bei, dass das HB zu dem Zentralorgan des Verbraucherschutzes mutiert.

    Zur Sache:
    Dass Versicherungen nebenberufliche Mitarbeiter haben, ist nicht zu beanstanden. Die HUK hat fast ihr ganzes Vertriebssystem darauf aufgebaut. Diese Nebentätigkeiten sind grundsätzlich nicht illegal. Also hier kein Skandal!
    Hier werden zwei verscheiden Sachverhalte (Adresshandel und Nebenberufliche Vermittler) vermischt, um wieder eine Schlagzeile zu haben.

    Die zuerst erhobenen Vorwürfe wegen des Adressenhandels sind zu prüfen. Aber solange die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und der BAFIN (auch alles Beamte!) noch laufen, gibt es eben keine Schlagzeile. Also muss man, ohne zu recherchieren. Schade!

  • Dass es in fast jeder Behörde Vertrauensleute oder Tippgeber der Versicherung gibt, die für die Vermittlung von Namen bzw Adressen Provisionen erhalten, ist doch ein alter Hut. Wie das rechtlich zu bewerten ist, kann ich zwar nicht sagen. Wenn nun aber das Handelsblatt daraus gemeinsam mit einigen linken Politikern einen Skandal machen will, hat das natürlich einen Geschmack. Hierüber denke ich mir meinen Teil.

  • Herzlichen Glückwunsch! Der unabhängige Journalismus liegt im Sterben.

    Das Handelsblatt ist nun endgültig zur Marionette des linken Flügels unserer Politik geworden.

    Was für ein Zufall, dass Mr. Investigativ (Iwersen) mit seinem angeblichen Skandal kurz nach der Bundestagswahl bzw. während der Koalitionsfindung um die Ecke kommt. Was für ein Zufall, dass er und seine Schargen direkt den neuen und aufgrund seines Vereins mächtigsten PKV-Vorsitzenden direkt und penetrant torpediert. Was für ein Zufall, dass sich unmittelbar nach zwei Berichten drei sog. Politiker mit ihrem gefährlichen Halbwissen zu Wort melden und ihre heisse Luft, für die sich sonst keiner interessiert, ablassen (alle drei natürlich befürworter der hirnlosen Bürgerversicherung). Was hier passiert ist der wirkliche Skandal! Es wird systematischer Rufmord im Auftrag der Politik begangen.

    Das Einzige, was eine Überprüfung wert wäre, ist der Vorwurf aus dem ersten Bericht; nämlich, ob Adressen wirklich im Auftrag oder im Wissen der Debeka-Führung gekauft wurden. Alle weiteren Meldungen, z. B. zum (im übrigen rechtlich einwandfreien) VM-System sind doch nur Zucker für den Affen, um die Meute bei Laune und die Sozialisten-Politiker Gehör zu verschaffen; nichts anderes!

    Dazu kommen die lächerlichen Interviewpartner: Der eine, Chefgewerkschaftler, empfielt mit seiner Unterschrift selbst seinen Mitgliedern die Debeka als Versicherer und heuchelt nun etwas von "Hand abhacken"; absolut unglaubwürdig! und der andere, ein Landesdatenschützer, der einmal im Jahr sein Gesicht in die Kameras halten kann, geniesst seine 15 Min. Ruhm, ohne bisher etwas fundiertes beitragen zu können. In diesem Zusammenhang: Es spricht doch für sich selbst, dass dieser Datenschützer medienwirksam Aussagen zu einem laufenden Verfahren gibt; lachhaft!

    Die Doppelmoral der Medien macht mich krank. Sich über die Einflussnahme von Regierungen im Snowden-Fall brüskieren und hier selbst Marionette der Polizik sein!

  • Buhuhu! Sie armer! Wenn es doch so schlimm ist, mit der Debeka zusammen zu arbeiten, dann tun Sie's doch einfach nicht... auf die achso mickrigen Provisionen können Sie doch offenbar pfeifen. Oder gibt es doch so viele Interessenten, die Sie nach den guten Debeka-Produkten fragen, die Sie dann nicht mehr anbieten können?

    Was für eine Doppelmoral!

  • Auch ich wurde in den achtziger Jahren Beamtenanwärter. Noch bevor ich dies schriftlich erhielt, bekam ich einen Anruf von der Bayerischen Beamtenkrankenkasse. Man gratulierte zur Ernennung und wies auf die eigene Krankenversicherung hin...

  • Auch ich wurde vor vielen Jahren Beamtenanwärter. Drei Tage bevor ich dies schriftlich erhielt, rief schon ein Vertreter der Bayerischen Beamtenkrankenkasse an, gratulierte zur Ernennung und wies auf die Krankenversicherung seines Unternehmens hin.

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