Debatte um Kanzlergehalt Steinbrück und das liebe Geld

Noch ist er kein Kanzler, aber der SPD-Kandidat beklagt schon jetzt sein mögliches Salär als zu niedrig. Kann die Strategie, aus seiner Schwäche fürs Monetäre eine Tugend zu machen, aufgehen?
Update: 30.12.2012 - 17:55 Uhr 115 Kommentare

Berlin"Ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin verdient in Deutschland zu wenig - gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen muss und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weit weniger Verantwortung und viel größerem Gehalt", sagte der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ und löste damit eine heftige Debatte aus.

"Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin", beklagte sich Steinbrück. Abgeordnete des Bundestages arbeiteten fast sieben Tage die Woche, im Schnitt zwölf bis 13 Stunden. Gemessen an ihrer Leistung seien sie nicht überbezahlt. "Manche Debatte, die unsere Tugendwächter führen, ist grotesk und schadet dem politischen Engagement."

Das blieb nicht unwidersprochen. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Union, Michael Grosse-Brömer (CDU), räumte gegenüber der "FAS" zwar ein, dass das Gehalt von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) "sehr niedrig" sei, fügte aber hinzu: "Beschwerden darüber hat man von der Bundeskanzlerin selbst bisher nicht gehört." Das zeige, dass Geld nicht der Beweggrund dafür sein könne, das Amt auszuüben.

Merkel selbst hält ihre Bezüge als Regierungschefin nicht für zu niedrig. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte der "Bild"-Zeitung (Montagsausgabe), es gebe "ein in Jahrzehnten gewachsenes, ausgewogenes und auskömmliches Gehaltssystem im Öffentlichen Dienst und Staatsämtern auf allen föderalen Ebenen". Dieses habe sich "alles in allem bewährt".

Selbst aus seinen eigenen Reihen musste Steinbrück Kritik vernehmen. Mehrere SPD-Politiker widersprachen ihrem Kanzlerkandidaten. "Wenn wir Politiker uns an den Gehältern in der Wirtschaft orientieren, dann machen wir einen Fehler", sagte der Bundestagsabgeordnete Dieter Wiefelspütz derselben Zeitung. "Unsere Gehälter sichern uns eine gute bürgerliche Existenz – mehr muss nicht sein." Der Kieler Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Bartels sagte, ein politisches Spitzenamt wie das des Bundeskanzlers zu bekleiden sei auch eine Ehre. "Man macht es nicht, um reich zu werden", sagte Bartels.

Der SPD-Haushaltspolitiker Carsten Schneider setzte in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" noch eins drauf. Das Bundeskanzlergehalt sei „die bestbezahlte Tätigkeit in der Bundesregierung mit Pensionsansprüchen, die durchaus angemessen sind."

Selbst von früheren Amtsinhabern aus der Partei erhält Steinbrück keine Rückendeckung. Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) sagte der "Bild am Sonntag", seiner Meinung nach würden Politiker in Deutschland "angemessen bezahlt". "Ich habe jedenfalls davon immer leben können. Und wem die Bezahlung als Politiker zu gering ist, der kann sich ja um einen anderen Beruf bemühen."

Kritik auch von Grünen und Linken
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115 Kommentare zu "Debatte um Kanzlergehalt: Steinbrück und das liebe Geld"

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  • Tja, wie wäre das, wenn so ein abgehobener Politfreak mal über einen längeren Zeitraum von einem Durchschnittsgehalt sein Dasein fristen müsste - da geht wohl geradebei diesem Menschen jede Bodenhaftung verloren ...

  • "Und wem die Bezahlung als Politiker zu gering ist, der kann sich ja um einen anderen Beruf bemühen." Z.B. als Berater bei GazPROM ?

  • Man könnte das viele Geld, das für den kommenden Bundestagswahlkampf verpulvert wird, sparen. Steinbrück ist Merkels bester Wahlkämpfer.

  • Lieber Herr Steinbrück, liebe Leser, geschätzte Mitbürger. In Anbetracht der Tatsache, dass wir in einem System leben, das die Souveränität der BRD untergräbt, wundert es mich nicht (und mir persönlich ist es auch egal) wie viel Geld Sie oder eine Frau Merkel verdienen. Ihrer Aussage über das zu geringe Gehalt eines Bundeskanzlers stimme ich zu. Denn es geht doch tatsächlich um eine enorme Verantwortung, die diese Position mit sich bringt. Also bleibt klarzustellen, dass Sie mit Ihrer Äußerung deutlich diesem gewollten System innewohnen. Durch die Nicht-Souveränität der BRD wird deutlich, welche Marionetten sich in unseren Parlamenten befinden. Da wir in einem Staat von Egoisten leben, ist es durchaus verständlich, dass diese Marionetten natürlich mehr verdienen als andere. Auch Sie gehören nur den Wirtschaftsunternehmen und Großbanken. Der Einzige, der dies offen zugibt ist unser Herr Schäuble. Dieser unterstrich deutlich diese Nicht-Souveränität. Also: Wir befinden uns in einer Nation voller Egoisten. Das heißt, dass die oberste Schicht egomane Ausprägungen haben muss. Deshalb stimme ich Ihnen vollkommen zu.

  • Lieber Herr Steinbrück - wer von Verantwortung redet, sollte diese erstmal tragen können. Wer meint, es gäbe niemanden in Deutschland, der mehr Verantwortung hätte als Frau Bundeskanzlerin, hat weder Ahnung von seinem eigenen Land, noch Wertschätzung für die eigenen Landsleute. Warum dann nicht ein sozialdemokratisches Grundgehalt von 17.000 Euro für jeden Beamten, der Verantwortung trägt? Ach.. es sind ja gleich wert...

  • ..........................
    SPD UND DIE MORAL
    ..........................
    ..........................
    WO SIND DIE VIELEN EINFACHEN PARTEIGENOSSEN,
    DIE ANGST HABEN, DASS DIE IDENTITÄT UND MORAL
    IHRER PARTEI VERLOREN GEHT.
    ..
    WARUM STEHT KEINER AUF, UM DIESE ENTWICKLUNG
    ZU STOPPEN..!!
    ..
    EIN VERMEINTLICHER SIEG IST DAS EINE -
    DER VERLUST DER GLAUBWÜRDIDKEIT DAS ANDERE..!!
    ..
    ..

  • Hallo, sei vorsichtig mit der Absage - PS wird auf Basis des AGG gegen die Diskriminierung klagen - die haben das Gesetz doch mitgemacht. Mit Deiner Absage würdest Du ja unterstellen, Steinbrück wäre unfähig KK zu sein. Stimmt doch gar nicht - DER WILL EINFACH NICHT. So blöd kann keiner sein, wenn er den Job wollte. Das ist Arbeitsverweigerung. Der möchte weiter von Bochum und andere Stadtwerke für Nada Geld kassieren

  • Lieber Kaki-Trallalla - Schweigen kann auch Gold sein... gilt nicht nur für Steinbrück, wenn ich mir den Kommentar anschaue...

  • Steinbrück ist mit seiner Ansicht hinsichtlich der Fahrtauglichkeit eines Golfes (angebliche Holzklasse), seines Stundenlohns als Finanzminister 38 Euro, seiner unsäglichen Aktion um die West-LB "Essen auf Rädern" für Frau Merkel geworden. Die kann gar nicht mehr verlieren - es sei denn, die SPD Spitze (aber bitte bitte nicht Gabriel und Nahles einbeziehen, sondern einfach mal nur die normale Primärintelligenz bemühen!)hat einen seltenen hellen Moment, jagt PS zu Helmut Schmidt zum Schachspielen (geräuchert=konserviert) und stellt Hannelore Kraft auf. Die ist wenigstens unverdächtig hinsichtlich der verbliebenen Bodenhaftung.


  • Sehr geehrter Herr Steinbrück,

    vielen Dank für Ihre Bewerbung als Bundeskanzler.

    Wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass wir Sie bei der Besetzung der Stelle nicht berücksichtigen können, da wir der Auffassung sind, dass man vor Ihrer geforderten Gehaltserhöhung erst eine entsprechende Leistung erbringen sollte.

    Wir bedauern, Ihnen keinen günstigeren Bescheid geben zu können.




    Mit freundlichen Grüßen,

    Das deutsche Volk.

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