Debatte um Pkw-Maut Viel Schotter für deutsche Straßen

Im Wahlkampf von Merkel ausgeschlossen, jetzt wieder auf dem Tisch: die Pkw-Maut für alle. Obwohl Torsten Albig für den Vorstoß viel Prügel kassiert, wird die Abgabe angesichts des Zustands der Straßen wahrscheinlicher.
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Albig fordert Schlagloch-Soli

DüsseldorfDie Alarmglocken schrillen. Buckelpisten, kilometerlange Staus, Brücken, die zu einem Großteil älter als 100 Jahre alt sind: Der Zustand von Deutschlands Straßen ist katastrophal. Das Schrillen dieser Glocken ist mittlerweile unüberhörbar, und das Geld reicht hinten und vorne nicht. Für seinen Vorschlag, eine „nutzerabhängige Abgabe“ über 100 Euro zu erheben, erntet Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig trotzdem eine Menge Schelte.

Vom Koalitionspartner, sogar aus den eigenen Reihen der SPD und erwartungsgemäß von den Verkehrsverbänden. Doch Albig bleibt am Dienstag dabei: „Deutschland steht vor dem Infarkt seiner Infrastruktur“, sagte er in Kiel. „Wenn wir kneifen, wird uns die Realität einholen.“

Die Zukunft des Verkehrs auf deutschen Straßen ist – je nachdem welchen Wissenschaftler oder Politiker man fragt – wahlweise schwarz oder pechschwarz. „Wenn man nicht massiv mehr investiert, wird die Wirtschaft massiv leiden“, sagt Verkehrsexperte Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg-Essen. Der Grund: die maroden Straßen.

Die führen zu mehr Staus – und das kostet. Ein vier Kilometer langer Stau über drei Stunden kotest die Wirtschaft 100.000 Euro, hat Schreckenberg errechnet. Und diese Kosten zahlt die Wirtschaft. Denn in der Zeit können keine Aufträge ausgeführt werden und Sprit wird auch nicht gebraucht. Und der Steuerzahler, der dann umgerechnet mehr für den Handwerker bezahlen muss. „Wir schieben auf und schieben auf. Der Berg wird immer größer“, kritisiert der Wissenschaftler.

Solche Vorstöße, wie dem lange verpassten Investitionsstau beizukommen ist, reihen sich mittlerweile aneinander wie auf manch einer Autobahn Schlagloch an Schlagloch. Die Schelte für Albig erklärt sich vor allem damit, dass der SPD-Politiker die stets von allein Seiten im Wahlkampf hochgehaltene Prämisse, der deutsche Autofahrer dürfe auf keinen Fall mehrbelastet werden, in Frage stellt. Das kommt nicht gut kurz vor der Europawahl. Denn die von der CSU durchgeboxte Pkw-Maut sollte an anderer Stelle, etwa Absenkung der Kfz-Steuer, für die Autofahrer ausgeglichen werden.

Damit würde aber von der Pkw-Maut lediglich das Plus aus der Nutzung ausländischer Fahrzeuge übrigbleiben. Das beläuft sich – ja nach zu Grunde gelegter Anzahl – auf zwischen 300 und 800 Millionen. Selbst nach Lesart des Verkehrsministerium, das von der höheren Summe ausgeht, wäre das lediglich nur gut ein Zehntel des benötigten Bedarfs. Ohnehin dürfte die EU ein solches Modell kippen.

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33 Kommentare zu "Debatte um Pkw-Maut: Viel Schotter für deutsche Straßen"

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  • Derartige und andere Vorschläge sind immer von eigenen Interessen geleitet. Leider. Im Fall von Herrn Albig würde ich fast wetten, dass der Versuch der Generierung zusätzlicher finanzieller Mittel durch die marode Rendsburger Hochbrücke befeuert wird.

  • Mir ist diese Diskussion eigentlich schon zuwider aber egal - ich bin für eine Strassenmaut. Diese haben ja zum Beispiel auch die Schweiz und Österreich für alle Autofahrer.
    Und die sch... EU ist mir sch... egal - sprich her mit der Maut für alle und wenn dann lokal auf Grundlage nationaler Gesetze die KFZ-Steuer gesenkt wir so what!
    Noch sind wir zumindest keine abhängige Region der EU-Autokraten und was wäre die jetzige EU ohne Deutschland? Ein bankrotter Schuldensumpft?
    Zum Glück besteht ja für mündige Bürger eindeutig ein Zeichen bei der EU-Wahl zu setzen.

  • Warum diese Aufregung? - So viel besser waren die Straßen noch vor 25 Jahren in der SBZ doch auch nicht ;-)
    Während in der DDR die Infrastruktur mangels Masse verkommen musste, weil viel des vom Volk erwirtschafteten Geldes (und/oder der Mitleidsabgaben aus dem Westen) für Rüstung, STASI, Korruption und den Ivan verbraucht wurde, sieht es in diesem, unserem Lande doch ganz anders aus. Ein Großteil des vom deutschen Volk erwirtschafteten Vermögens wird verbraucht für: Rüstung, STASI, Korruption und Rettung von Banken, Griechenland, die Folgen fachlicher Inkompetenz und fehlender Intelligenz von einigen (eher wenigen) Bereichen unserer Administration und einzelner (eher vieler)Politiker. - Also, dafür zahle ich doch gerne extra ;-)

  • "Ach ja, und da ist ja noch unsere Willkommenskultur..."
    ---
    ...die den deutschen Steuerzahler Jahr für Jahr 32 Milliarden Euro kostet. Hier (und in der Entwicklungshilfe! Auch diese gehört massiv gekürzt und an glasklare Nachweise für die Verwendung jedes einzelnen Cents gebunden! Wieso bekommen reiche Länder wie China oder Brasilien überhaupt noch Geld von uns?) rigoros zusammenstreichen und wir können unsere Straßen und Brücken in Gold einfassen!
    So sieht's aus. Deutsche Steuergelder haben in unserem Land verwendet zu werden. Punkt! In Verschwenderländer wie den Club Med sollte kein einziger Cent fließen, denn deren krise ist durch Unfähigkeit hausgemacht.
    Man erinnere sich: "No-Bail-Out" ist Bestandteil der Euro-Verträge. Aber Verträge haben ja in Europa resp. der Eurozone nur den Wert von benutztem Toilettenpapier. Nur wenn Deutschland bluten soll, dann ist man sich einig und hält sich auch dran!
    Sorry für die scharfe Formulierung, aber angesichts der ständigen dreisten Forderungen der Poltik nach mehr Geld bin ich mehr als angefressen, denn ich muß für mein Geld hart arbeiten! Ein Staatsquto von rund 65%...70%, wenn man alles zusammenzieht, sollte ja wohl reichen. Von 100 Euro, die dieser Soze mal so eben fordert, können manche einen ganzen Monat leben (Essen und Trinken)!

  • Besser als eine nutzerabhängige Abgabe in Höhe von 100 Euro pro Jahr wäre eine nutzungsabhängige Abgabe, abhängig von Wegstrecke und Achslast. Im Artikel steht: Fahren 60000 PKW's die gleiche Strecke wie ein LKW, verursachen alle PKW's zusammen die gleichen Straßenschäden wie der LKW. Diese Aussage ist tatsächlich wahr, denn die Straßenschäden sind proportional zur 4. Potenz der Achslast. Hieraus folgt auch, dass ein BMW-SUV bei gleicher Fahrstrecke 40 mal größere Straßenschäden verursacht wie ein VW-Golf, aber nur unwesentlich höhere KFZ-Steuer bezahlt.

    Hier gilt eindeutig wieder, dass die Kleinen für die Großen und die Wenigfahrer für die Vielfahrer bezahlen sollen. Gerechter und vernünftiger wäre eine Angleichung des Dieselpreises an den Benzinpreis und eine KFZ-Steuer, die proportional zur 4. Potenz der Achslast wäre. Dies wäre machbar, gerecht und würde keinen zusätzlicher Verwaltungsaufwand erfordern.

    Was mich am meisten ärgert ist, dass der Vorschlag von der SPD kommt. Entweder ist sie zu blöd zu begreifen, was sie fordert, oder sie will ganz bewusst, dass wieder mal die Großen von den Kleinen subventioniert werden. Dafür ist die aber von ihren Wählern sicherlich nicht gewählt werden. Im Wahlkampf hatte Steinbrück die PKW-Maut mit einem ähnlichen Argument abgelehnt.

    Aber was kümmert mich mein Geschwätz von gestern, wenn ich erst an der Regierung bin.

  • Der war gut! Normal antworte ich nicht so, aber da....

  • 20.000.000.000 Milliarden Euro für einen Afganistaneinsatz, der außer toten deutschen Soldaten nichts gebracht hat.

    Das Mehrfache für ESM, Eurorettung, Bankenrettung, Griechenlandrettung, Vasallendienste für unsere US-Freunde usw.

    Im Kindergarten mußten wir einen Förderverein gründen, damit mal Geld für einen neuen Ball oder ein neues Sonnensegel da ist. In der Schule das Gleiche.

    Und jetzt noch ein extra Topf, damit wir schöne Straßen haben.

    Aktuell erzielt der Staat ja REKORDsteuereinnahmen.

    Was passiert wenn es dank demographischer Entwicklung oder rein konjunkturell bedingt mal rückwärts geht.

  • Das darf der gute Journalist nicht erkunden, da ist er weg und gegen die EU also wird mit Seperatisten in Verbindung gebracht.

  • Zwei Fragen:

    Wieviel nimmt der Bund und die Länder durch KFZ-Steuer und Mautgebühren ein?

    Und wieviel verwendet es zweckgebunden für die zunehmend marode Infrastruktur?

    Und ...

    warum kann Herr Schäuble nicht auf sein Abschiedgeschenk die 0-Runde verzichten und sich angemessen um sein Land kümmern bevor der Schaden auch deswegen noch größer wird?

  • So ist es! Der Süden lebt in Saus und Braus, der Michel darf's bezahlen.

    Spanien hat 14.700 km Autobahn, Deutschland 12.800 km
    http://es.wikipedia.org/wiki/Red_de_carreteras_de_Espa%C3%B1a

    3000 km Hochgeschwindigkeitszüge in Spanien, das zweitlängste Netz weltweit nach China.
    http://es.wikipedia.org/wiki/Alta_velocidad_ferroviaria_en_Espa%C3%B1a

    Jeder Deutsche hat bis zu 5 mal so viel an Kohäsionsfonds bezahlt, wie z.B. die Franzosen (allerdings ähnlich viel wie Holländer und Finnen). Daher hat Deutschland über viele Jahre mehr als 50% der Gesamtsumme an Kohäsionszahlungen in der EU gestemmt.

    Daneben bezahlen wir das Harakiri der Energiewende, ESM, EFSM, Ukraine, etc. pp. Prima,dann auch noch einmal für die Strassen bezahlen.

    Wann bitte lernen die Herren Politiker, dass der Haushalt auf der AUSGABENSEITE saniert werden muss, nicht auf der Seite der Einnahmen. Aber nein, seit Peer Steinbrück wissen wir "Der (Moloch) Staat braucht das Geld!" und zwar für Steinbrücks Pension und die Hochgeschwindigkeitszüge in Spanien. Hurra!

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