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Dekarbonisierung Nationale Wasserstoffstrategie: Bundesnetzagentur zögert mit Genehmigung für Modellprojekte

Zwei Großprojekte drohen am Widerstand der Bundesnetzagentur zu scheitern. Die sieht in den beteiligten Unternehmen ein mögliches Problem.
14.07.2020 - 18:25 Uhr Kommentieren
Die Wasserstoff-Strategie der Bundesregierung beinhaltet auch einen Aktionsplan. Um Details wird allerdings noch gerungen. Quelle: dpa
Wasserstoff

Die Wasserstoff-Strategie der Bundesregierung beinhaltet auch einen Aktionsplan. Um Details wird allerdings noch gerungen.

(Foto: dpa)

Berlin Die Bundesregierung lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie beim Thema Wasserstoff vorankommen will. Darum enthält die Anfang Juni beschlossene Nationale Wasserstoffstrategie einen „Aktionsplan“, in dem 38 konkrete Vorhaben aufgelistet sind.

Unter Punkt zwei heißt es, man werde „die Möglichkeiten für neue Geschäfts- und Kooperationsmodelle von Betreibern von Elektrolyseuren mit Strom- und Gasnetzbetreibern“ betrachten. Vielversprechende Ansätze „wollen wir im Rahmen von ein bis zwei Modellprojekten testen“, heißt es in dem Aktionsplan weiter. Zwar werden die Modellprojekte nicht ausdrücklich genannt. Allen Beteiligten ist aber klar, dass es sich um „Element eins“ und „Hybridge“ handelt.

Die Bundesnetzagentur hat bei den Projekten jedoch Vorbehalte. Bereits 2019 hatten die beteiligten Unternehmen Investitionsanträge bei der Bundesnetzagentur gestellt, über die die Regulierungsbehörde bislang nicht entschieden hat. Allerdings hatte die Behörde durchblicken lassen, dass sie die Anträge kritisch sieht.

Wer allerdings gedacht hat, die Netzagentur werde den Projekten nach der Verabschiedung der Nationalen Wasserstoffstrategie ihren Segen geben, hat sich getäuscht. Der Fingerzeig aus der Wasserstoffstrategie ist aus Sicht der Bundesnetzagentur kein Anlass, die Projekte nun zu genehmigen. Durch die Wasserstoffstrategie habe sich der bestehende Rechtsrahmen bisher nicht geändert, teilt die Bundesnetzagentur mit.

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    Die Netzagentur verweist auf einen Passus im Aktionsplan, in dem es heißt, es müsse noch geprüft werden, ob der regulatorische Rahmen geändert werden müsse, ehe die Voraussetzung für eine Genehmigung gegeben sei. Die Projekte „Hybridge“ und „Element eins“ gehören zu den wenigen Vorhaben im Bereich der Wasserstoff-Elektrolyse, die in den industriellen Maßstab vorstoßen. Lediglich ein bis zwei weitere Projekte sind auf eine vergleichbare Größenklasse angelegt.

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    Das Problem: Hinter „Element eins“ und „Hybridge“ stehen jeweils Strom- und Gasnetzbetreiber und damit regulierte Unternehmen. Nach Überzeugung der Bundesnetzagentur gehört es nicht zu den gesetzlich definierten Aufgaben dieser Unternehmen, Anlagen zu betreiben, in denen aus Strom per Elektrolyse Wasserstoff produziert wird.

    Genau das aber ist Sinn und Zweck von „Element eins“ und „Hybridge“. Das Projekt „Element eins“ wird gemeinsam vorangetrieben vom Stromnetzbetreiber Tennet und den beiden Gasnetzbetreibern Gasunie und Thyssengas. Hinter „Hybridge“ stehen der Stromnetzbetreiber Amprion und der Gasnetzbetreiber Open Grid Europe. Für beide Anlagen ist eine Leistung von jeweils 100 Megawatt (MW) vorgesehen, das geplante Investment liegt bei jeweils 150 Millionen Euro.

    Stromnetze sollen entlastet werden

    Ziel ist es, überschüssigen Windstrom zu nutzen, um daraus grünen Wasserstoff herzustellen. Damit würden die Stromnetze entlastet. Den Wasserstoff könnte man in Wasserstoffleitungen einspeisen oder – die entsprechende Regulierung und technische Anpassung der Gasnetze vorausgesetzt – ins Gasnetz. Auch für andere Anwendungen stünde der Wasserstoff zur Verfügung, etwa in der Industrie oder im Mobilitätssektor.

    Die Unternehmen, die die beiden Projekte vorantreiben, versuchen seit Monaten, die Kritik zu entkräften, es verzerre den Wettbewerb, wenn sie sich als regulierte Netzbetreiber mit gesetzlich definierten Aufgaben und sicher kalkulierbarer Einnahmebasis durch die Netznutzungsentgelte in die Wasserstoffproduktion einschalteten.

    So werben sie beispielsweise mit dem Vorschlag, sie wollten die Anlagen Dritten diskriminierungsfrei zur Verfügung stellen. Zusätzlich wollen sie den Nachweis erbringen, dass die Anlagen signifikant zur Entlastung der Stromnetze beitragen könnten. So soll der Ausbau der erneuerbaren Energien von einem weiteren Ausbau der Stromnetze abgekoppelt werden können.

    Amprion legt Antrag auf Eis

    Bislang fruchteten die Argumente nicht. Nun macht sich bei den Initiatoren Frust breit. Amprion teilte auf Nachfrage mit, man habe bei der Bundesnetzagentur beantragt, den Investitionsantrag ruhen zu lassen. „Wir haben das Projekt so weit vorangetrieben, dass wir ohne genehmigten Investitionsmittelantrag den sehr reifen Projektstand nicht mehr substanziell weiterentwickeln können“, sagte ein Amprion-Sprecher.

    Allerdings gibt es auch in der Energiebranche Bedenken, die beiden Vorhaben der Netzbetreiber könnten den Wettbewerb verzerren. So fürchtet etwa ein Bündnis der Unternehmen Enertrag, Greenpeace Energy, Naturwind und Nordgröön, die Projekte könnten den Zukunftsmarkt Wasserstoff okkupieren.

    Der Fall zeigt, dass der Verteilungskampf auf vollen Touren läuft. Es geht um viel Geld. Die Bundesregierung hat allein mit ihrem kürzlich beschlossenen Konjunkturpaket neun Milliarden Euro für das Thema Wasserstoff in Aussicht gestellt, davon zwei Milliarden für den Aufbau von Wasserstoff-Partnerschaften mit Drittstaaten. Hinzu kommen weitere Programme, sodass sich das Volumen auf 12,5 Milliarden Euro summiert.

    Das Geld weckt Begehrlichkeiten. Längst geht es nicht mehr nur um die Frage, wer in die Produktion von grünem Wasserstoff einsteigen soll, sondern auch darum, wo die Produktion stattfindet. Grundsätzlich kommen zwei Modelle in Betracht: Die Anlagen können dort entstehen, wo auch der Windstrom produziert wird, also vornehmlich im Norden Deutschlands. Oder man baut die Elektrolyseure dort, wo der Wasserstoff eingesetzt wird, also in den industriellen Zentren im Westen und Süden der Republik.

    Aus Sicht von Florian Haslauer, Geschäftsführer der auf Energiethemen spezialisierten Unternehmensberatung e.venture Consulting, ist die Sache zumindest für die erste Phase des Aufbaus einer Wasserstoffinfrastruktur klar: „Die teuerste Form der Bereitstellung von grünem Wasserstoff ist, direkt bei neu errichteten Windparks dezentral die Elektrolyseure zu platzieren“, sagt Haslauer.

    Jeder neue Windpark verfüge ohnehin über einen Stromanschluss. Elektrolyseure seien auch in Zukunft keine Alternative zum Stromanschluss von Windparks, argumentiert Haslauer. Die Elektrolyseure müssten daher in der Nähe der Abnehmer, also in den industriellen Ballungszentren, stehen. So könne der Strommarkt mit der tendenziell steigenden Anzahl von Stunden mit niedrigen Strompreisen optimal für die Produktion von grünem Wasserstoff genutzt werden.

    Warnung der Stadtwerke

    Das Argument dürfte auch den Stadtwerken gefallen, die davor warnen, die Produktion von grünem Wasserstoff allein auf den windreichen Norden Deutschlands zu konzentrieren. Sie sehen die Erzeugung von Wasserstoff und den Aufbau einer Speicher- und Verteilinfrastruktur für Wasserstoff als lokales oder regionales Thema.

    Viele Stadtwerke befassen sich etwa mit der Frage, inwieweit sie die Busflotten des Nahverkehrs auf den alternativen Antrieb umstellen können. Einige Manager kritisieren, die Bundesregierung habe die Stadtwerke mit ihrer Wasserstoffstrategie nicht im Blick. Sie lege den Fokus vielmehr auf die Bereitstellung von Wasserstoff im industriellen Maßstab.

    Dabei seien dezentrale Ansätze für die Versorgung mit Wasserstoff unverzichtbar. Ein wichtiger Teilaspekt für den Weg in die Wasserstoffwelt steht im Mittelpunkt eines Konsultationsverfahrens, das die Bundesnetzagentur am Montag eingeleitet hat. Dabei geht es um die künftige Regulierung von Wasserstoffnetzen.

    Zwar gibt es in Deutschland bereits seit Langem Wasserstoffnetze. Es handelt sich dabei aber um „Inselnetze“, die der Versorgung von Industrieunternehmen dienen. Sie unterliegen daher nicht der Netzregulierung wie Strom- oder Gasnetze.

    Zu den Kernbestandteilen der Netzregulierung zählen staatlich festgelegte Entgelte für die Netznutzung und der diskriminierungsfreie Zugang Dritter. Nach Auffassung der Bundesnetzagentur wird die Grundsatzfrage der Regulierung für Wasserstoffnetze tendenziell „mittel- bis langfristig zu bejahen sein“, wenn der Energieträger Wasserstoff substanziell zur öffentlichen Versorgung beiträgt.

    Im Rahmen der Konsultation sollen die Marktakteure beispielsweise erklären, ob sie es für wahrscheinlich halten, dass sich ein reines Wasserstoffnetz entwickelt und damit parallel zum bestehenden Gasnetz existiert, oder ob es wahrscheinlicher ist, dass vermehrt Wasserstoff ins Erdgasnetz beigemischt wird. Ferner geht es um den Umfang einer etwaigen Regulierung für Wasserstoffnetze, aber auch um die Frage, wie Netzanschluss, Netzzugang und Netzausbau von Wasserstoffnetzen geregelt werden sollen. Die Konsultation endet Anfang September.

    Mehr: An Wasserstoff-Strategien mangelt es nicht – doch er dürfte trotzdem ein knappes Gut bleiben

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