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Demografie in Deutschland 500.000 weniger

Trotz jüngster Zuwanderungsrekorde schrumpft Deutschland laut einer neuen Bertelsmann-Studie weiter. Das größte Problem: Die höchst ungleiche Verteilung der Bevölkerung auf die verschiedenen Regionen verschärft sich.
10 Kommentare

Berlin Deutschland wird bis 2030 um mehr als eine halbe Million Einwohner schrumpfen, hat jetzt die Bertelsmann-Stiftung in einer aktuellen Untersuchung festgestellt. Die Zahl ist eher undramatisch. Was sind 500.000 gemessen am aktuellen Bevölkerungsstand von 80,8 Millionen. Schon im April hat das Statistische Bundesamt bei der Aktualisierung älterer Bevölkerungsprognosen, die wegen der hohen Zuwandererzahlen in den vergangenen Jahren nötig wurde, festgestellt, dass die deutsche Bevölkerung in den kommenden fünf bis sieben Jahren sogar noch wachsen wird.

Erst ab 2020 werden wir weniger werden, und erst ab 2023 werden auf deutschem Boden weniger Menschen leben als heute. Also kein Grund zu Panik? Die Bertelsmann-Stiftung meint doch. Denn schon vorher wird ein anderer Prozess eintreten und den hat die Bertelsmann-Stiftung an Hand der Prognose-Daten aller Kommunen mit mehr als 5000 Einwohnern untersucht: Die Einwohnerzahlen werden in vielen vor allem ländlichen Regionen Deutschlands dramatisch sinken. Während Metropolen wie Frankfurt am Main, München und Leipzig und in eingeschränkterem Umfang auch Berlin ein Boom an Zuwanderung bevorsteht.

Vor allem der Osten blutet aus. Die zehn Kreise und Städte, die bis 2030 am meisten Bevölkerung verlieren werden, liegen alle in Ostdeutschland. In Hoyerswerda im Kreis Bautzen, in Bitterfeld Wolfen (Kreis Anhalt-Bittelfeld) oder im Gräfenhainichen (Kreis Wiitenberg) werden 2030 sogar rund 26 Prozent weniger Menschen leben als heute. Dagegen erwarten Gemeinden wie Unterföhring und Feldkirchen im Kreis München oder Ilvesheim im Rhein-Neckarkreis und Teltow im Kreis Potsdam Mittelmark, also in Ostdeutschland, einen Anstieg der Einwohnerzahl um ein Viertel.

Generell lässt sich sagen: Städtische Regionen vor allem in Westdeutschland wachsen, der ländliche Raum verliert. „Es wird für die schrumpfenden und alternden Regionen immer schwieriger werden, eine gute Infrastruktur zu gewährleisten“, sagt Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung. Die zentrale Herausforderung sei, auch in einwohnerschwachen Regionen flexible Mobilitätsangebote, schnelles Internet und eine gut erreichbare Gesundheitsversorgung sicher zu stellen.

Beispiel Pflegebedarf: 2030 wird die Hälfte der Bundesbürger über 48 sein. Auch diese Zahl klingt auf den ersten Blick undramatisch. Aber in vielen Kommunen wird dann das Durchschnittsalter bereits deutlich höher sein. Von 63 Jahren bis 41 reicht die Spanne. 2012 waren es noch 37 bis 65. Die drei jüngsten Kommunen werden 2030 München, Unterföhring und Münster sein – alles Städte, die derzeit schnell wachsen. Die ältesten werden Bad Füssing in der Nähe von Passau, schön heute ein Rentnerparadies, Guben im Kreis Spree Neiße und Grömitz an der Ostsee sein – zumindest außerhalb der Badesaison.

In den Ballungszentren wird es noch schlimmer werden

Das ist allerdings nicht das Problem. Landkreise, besonders im Osten, verlieren massiv an Einwohnern. Quelle: dpa
Deutschland schrumpft weiter

Das ist allerdings nicht das Problem. Landkreise, besonders im Osten, verlieren massiv an Einwohnern.

(Foto: dpa)

Selbst in Berlin, dessen Bevölkerung bis 2030 um über zehn Prozent wachsen wird, wird die Zahl der dort lebenden über 80-Jährigen um mehr als 75 Prozent wachsen. Ähnlich ergeht es Schleswig-Holstein und Brandenburg mit 68,8 bzw 60,9 Prozent mehr Hochbetagten. In einzelnen Regionen werden sich die Zahlen der sehr Alten sogar verdoppeln. Eine Herausforderung nicht nur für die Pflegeversicherung, sondern auch für die Kommunen, die so der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Karl Josef Laumann, für ein ausreichendes Angebot an Pflegeeinrichtungen und geeigneten Wohnraum sorgen müssen.

Apropos Wohnraum. Ihn sinnvoll und bezahlbar zu vermehren, ist derzeit das Hauptproblem schnell wachsender Städte wie Frankfurt, München, Leipzig , Berlin oder auch Köln. Hier sind die Wohnungsmärkte bereits seit Jahren angespannt. Und es wird nach Einschätzung nicht nur der Wohnungswirtschaft noch schlimmer werden.

Der Grund: Obwohl der Wohnungsneubau boomt, bleibt die Zahl der Fertigstellungen schon heute hinter dem Bedarf zurück. 245.000 Wohnungen wurden im vergangenen Jahr neu gebaut. Dieses Jahr sollen es 260.000 sein. Immer noch zu wenig, sagt Bauministerin Barbara Hendricks. Nach Schätzung ihres Ministeriums müssten in dem kommenden fünf Jahren jährlich 275.000 Wohnungen neu gebaut werden.

Aus Sicht des Bundesverbands der Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) ist das noch zu wenig, weil dabei die 500.000 Wohnungen nicht berücksichtigt seien, die im vergangenen Jahrzehnt zu wenig gebaut worden seien. Dem Wohnungsmangel in den Boom-Städten stehen wachsende Leerstände in den schrumpfenden Regionen gegenüber. Im Osten reichen sie bis zu zehn Prozent in Sachsen nach dem letzten Mikrozensus des statistischen Bundesamts Stand Mai 2013.

Bundesweit fanden zuletzt 1,7 Millionen Wohnungen keinen Mieter. Ostdeutschland hatte mit acht Prozent die höchste Leerstandsquote, Berlin nicht mitgerechnet. Dort gibt es Leerstände inzwischen nur noch in Randbezirken und hässlichen Wohnlagen. Steigende Mieten sind die Folge.

Dagegen werden die Mietpreisbremsen am Ende auch nur helfen, wenn zugleich genügend neue Wohnungen gebaut werden. Doch genau daran gibt es Zweifel: Neben hohen Baukosten, steigenden Grunderwerbssteuern und teuren energetischen Auslagen sei die Debatte um die Mietpreisbremse vielmehr ein Grund, warum der Wohnungsbau nicht ausreichend in Gang kommt, meint GdW-Chef Axel Gedaschko.

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10 Kommentare zu "Demografie in Deutschland: 500.000 weniger"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Solche Studien sind immer sehr interessant, Was passiert in 15 Jahren - klasse was die alles ermitteln können. Vor 15 Jahren hätte kein Mensch gedacht, dass wir uns im "Krieg gegen den Terrorismus" befinden. 1980 haben die allerwenigsten Deutschen daran geglaubt, dass sie 15 Jahre später wiedervereint wären und einige diese Wiedervereinigung dabei schon wieder verfluchten. 1930 hätte auch niemand vermutet das man in 15 Jahren den zweiten Weltkrieg miterlebt hätte. Unsere "Experten" schaffen es ja nicht mal Wirtschaftsprognosen für ein Jahr richtig zu ermitteln, die Wetterexperten geben nach 2 Wochen schon auf, aber Bertelsmann sagt uns was in 15 Jahren passiert. Fakt ist kein Mensch kann in die Zukunft schauen, wir wissen schlicht und ergreifend einfach nicht was morgen passiert. Mit etwas Pech bricht nächste Woche völlig überraschend in Nordamerika die Yellowstone-Caldera aus und dann ist es ziemlich sicher, dass die Besiedlung in Deutschland das geringste Problem ist.

    @ Herr Brandt: Leider werden die Personen, die diese Studien in Auftrag geben und diejenigen die diese Studien durchführen nicht zu den gestrichenen Stellen zählen, sodass wir uns den Dreck dann immer noch durchlesen müssen.

  • Das die Schrumpfung der Bevölkerung lt. Herrn Bullkowski unbedeutet ist, muß als richtig angesehen werden. Die Schrumpfung fördert im hohen Maße eine Verbesserung des Lebensraumes in Deutschland, einem der am dichtbesiedelten Länder der Erde.
    Auch die Zuwanderer brauchen wir nicht. Auf Grund von Automation, Digitalisierung und 3 Drucker verliert Deutschland nach einer US-Studie ca 59 % der Arbeitsplätze, eine ähnliche Studie der Bank INGDiba geht von 50 % aus. Eine Studie der SPD-Chefideologin und Arbeitsministerin Nahles legt hierzu eine Studie vor, die davon ausgeht, daß jeder 8. Arbeitsplatz verloren geht.
    Denken Sie bitte einmal daran wieviel Arbeitsplätze das autonome Auto in der Transportbranche vernichten wird.

  • Herr Bullowski, leider müssen wir Ihren Kommentar zensieren. Wir wurden von Frau Merkel angewiesen, die Wahrheit zu unterdrücken! Außerdem sollen wir in solchen Fällen sofort die Nazikeule rausholen und auf den Kommentator einschlagen, bis er sich freiwillig dazu bekennt, nie wieder von seiner freien Meinungsäußerung Gebrauch zu machen. Ihre Merkel-konforme HB-Redaktion.

  • Deutschland ist dicht besiedelt, es wäre nicht schlimm, wenn wir weniger wären.

    Nur die unkontrollierte Zuwanderung aus der 3. Welt ist schlimm, denn sie belastet unser Land finanziell (wegen des geringen Qualifikationsniveaus der Herkunftsländer) und sie verändert es kulturell, so dass wir uns hier weniger wohl fühlen.
    Mein Eindruck ist, dass die Regierungen bzgl. der Einwanderung schlicht die Kontrolle verloren haben, und deswegen immer wieder Studien/Argumente auftauchen, dass die ganzen Armutsflüchtlinge irgendwie gut für uns wären gegen den Geburtenschwund.

  • "Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich."

    Nennt man das noch "editiert"? "Zensiert" (in DDR-Manier) trifft es eher.
    Diesen Beitrag editiere ich auch gleich mal selbst, damit das Handelsblatt nicht in Verruf kommt, weil es Wahrheiten einfach so stehen lässt. Denn diese dürfen nunmal nicht ausgesprochen werden. Und wenn es dann auch noch Zustimmung von anderen Kommentatoren gibt, ja dann gerät doch die heile Welt aus den Fugen!! Deshalb antworte ich in dem ich nichts mehr dazu sage. Dann muss vom HB auch nichts zensiert werden.

  • In unserer Stadt wurden die Gruppen für den Kindergarten zusammengestellt. 70 Kinder aus 19(!) Nationen mussten unter einen Hut gebracht werden. Deutschkenntnisse? Kaum vorhanden. Bei dieser Prognose möchte ich mein Kind nicht in einigen Jahren dorthin und auf eine staatliche Schule schicken müssen.

  • Letzlich geht es darum den Zuzug der Armutsflüchtlinge zu stoppen, da dieser gezielt in die Ballungsräume geht. Darauf aufbauen muss dann eine Familienförderung über die Einkommenssteuer an Stelle von Kindergeld, Hartz IV und ähnlichen Armutsfinanzierungen. Derzeit haben wir nämlich mehr Kinder, als wir uns leisten können bzw. die falschen Leute bekommen Kinder. So leben über ca. 40% aller Kinder in Armut. Das ist eine Schande.

    Würde man die Maßnahmen umsetzen, würde sich sehr schnell die Wohnungsnot in den Ballungsräumen entschärfen und dort arbeitende Bürger wieder Familien gründen, was auf Grund der Wohnungssituation dort einfach nicht mehr möglich ist.

  • Ich muß und kann beiden Kommentatoren Recht geben. Da brauche ich nichts mehr sagen.
    Das alles ist von der Politik gemacht und vor allem gewollt.

  • "Trotz jüngster Zuwanderungsrekorde schrumpft Deutschland..."

    Nicht "Trotz" sondern wegen dieser Zuwanderungsrekorde schrumpft Deutschland. Wer will denn hier noch Kinder kriegen, nur um für Merkel und Schäuble "Steuerzahlervieh" in die Welt zu setzen? Denn mehr sind die Menschen in unserem Land nicht mehr wert. (...)

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Würden der "Generation Praktikum" anständige Arbeitsplätze angeboten, gäbe es auch mehr Kinder.

    Die prekären Arbeitsverhältnisse, in der sich heute viele junge Menschen befinden, bieten nicht die Grundlage, um verantwortungsbewusst eine Familie zu gründen.

    Ohne finanzielle Sicherheit keine Kinder. So einfach ist das. Und so gesund ist es.

    Daran ändern auch die vielen, z. T. fragwürdigen Statistiken, mit denen die Bertelsmann-Stiftung seit Jahren ungefragt Deutschland überschüttet, auch nichts.

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