Der CDU-Kandidat und die Wirtschaft Die vielen Geschäfte des Friedrich Merz

Von Mayer Brown bis Blackrock, von Deutsche Börse bis WestLB: Friedrich Merz hat schon bei vielen Unternehmen Station gemacht. Zeitweise brachte er es auf fast 20 Ämter gleichzeitig. Wie sich Merz in seinen Mandaten schlug.
Update: 02.11.2018 - 12:59 Uhr 3 Kommentare
Mayer Brown bis Blackrock: Die Geschäfte des Friedrich Merz Quelle: Reuters
Friedrich Merz

Kritisch und unbequem.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfFriedrich Merz verdiente schon gut, als er seine vielen Honorare noch „Nebeneinkünfte“ nannte. Als Anwalt und für seine diversen Posten in Beiräten nahm er so viel ein, dass der CDU-Politiker in den Ranglisten der bestverdienenden Politiker Deutschlands stets weit oben stand. Und als sich Merz dann nicht mehr zurückhalten musste, wurde es richtig lukrativ.

Im Machtkampf mit Kanzlerin Angela Merkel unterlegen, heuerte Merz 2005 als Partner bei der US-Großkanzlei Mayer Brown an. Mit seinem engmaschigen Netzwerk sollte er dazu beitragen, deutsche und europäische Mandanten zu angeln.

Wem mochte dies leichter fallen als Merz? Bereits in aktivsten Zeiten als Politiker saß er im Aufsichtsrat der Deutschen Börse. In seiner sauerländischen Heimat wurde er beim Hygienepapierhersteller Wepa Anfang 2009 sogar Aufsichtsratschef.

Die breite Öffentlichkeit nahm davon nicht sonderlich Notiz. Sie horchte erst auf, als Anwalt Merz 2010 den Auftrag erhielt, einen Investor für die marode WestLB zu finden. Mehr als elf Millionen Euro soll Mayer Brown bei der WestLB abgerechnet haben – und am Ende konnte die Landesbank dafür kaum etwas vorzeigen.

Als „Veräußerungsbevollmächtigter“ brachte Merz Finanzinvestoren wie Lone Star und Apollo ins Spiel, doch der Verkauf scheiterte. Die WestLB wurde zerschlagen. Dass die Anwälte von Mayer Brown trotzdem Tagessätze von 5.000 Euro und mehr bekamen, wurde zum Politikum – schließlich war die WestLB in öffentlichem Besitz. Ein Glück für Merz, dass er zu diesem Zeitpunkt kein politisches Amt mehr hatte, so konnte ihm die Debatte nicht schaden.

2011 stieg Merz zum Chef des Teams für Gesellschaftsrecht und M&A bei Mayer Brown auf. Und er sammelte weiter Posten. Ein Aufsichtsratssitz hier, ein Verwaltungsratsposten dort, bald brachte es Merz auf fast 20 solcher Ämter. Auch wenn kaum jemand verstand, wie er sie nebenbei bewältigen konnte.

2014 wechselte Merz bei Mayer Brown in die Rolle des Senior Counsel. Eine Position, in der weniger die operative Mandatsarbeit als das Vermitteln von Kontakten und strategische Beratung zählt. Er wolle sich stärker auf seine Aufsichtsratsmandate konzentrieren, so Merz damals. Andere Stimmen in der Kanzlei behaupteten dagegen, Merz habe zu wenig Geschäft akquiriert. Merz wies das zurück.

Kritisch und unbequem

Wie schlug sich Merz in seinen Mandaten? Von 2005 bis 2015 saß er im Aufsichtsrat der Deutschen Börse. Und er ist vielen als kritischer Geist in Erinnerung geblieben. Im Kontrollgremium ergriff Merz vor allem bei den Themen Kapitalmarkt, Regulierung und Kommunikation das Wort. Im Gegensatz zu anderen Aufsichtsratsmitgliedern habe sich Merz regelmäßig aktiv eingebracht und Nachfragen gestellt.

„Merz war nie ein Abnicker. Er hat Dinge kritisch hinterfragt“, sagt jemand, der ihn in dieser Zeit erlebt hat. Für den Aufsichtsrat als Ganzes sei das gut gewesen – aber für den Aufsichtsratschef nicht immer angenehm. „Friedrich Merz war nie bequem. Und das wollte er auch nicht sein.“

Leute, die Merz weniger wohlgesinnt sind, fanden sein Auftreten teilweise etwas querulantisch: „Er gefällt sich sehr in der Rolle des kritischen Fragestellers.“

Das habe auch Joachim Faber zu spüren bekommen, nachdem er 2012 Aufsichtsratschef der Deutschen Börse wurde. „Merz war einer derjenigen, die Faber bei bestimmten Themen festgenagelt haben. Das hat beileibe nicht jeder im Aufsichtsrat getan.“ Nach dem Ausscheiden von Merz und anderen Aufsichtsratsmitgliedern 2015 habe es im Kontrollgremium weniger Widerworte und kritische Nachfragen gegeben.

2010 holte auch HSBC Trinkaus & Burkhardt Merz in den Verwaltungsrat, später in den Aufsichtsrat. Das Düsseldorfer Geldhaus ist ein Ableger der internationalen Großbank HSBC. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ermittelt bei HSBC Trinkaus & Burkhardt in Sachen Cum Ex.

HSBC Trinkhaus soll an Geschäften beteiligt gewesen sein, die inzwischen als größter europäischer Steuerskandal aller Zeiten gelten. Durch eine bestimmte Art, Aktien mit (cum) und ohne (ex) Dividendenanspruch zu handeln, sollen Banken und Investoren den deutschen Steuerzahler um zwölf Milliarden Euro geprellt haben.

Ein Sprecher der HSBC bestätigte die Ermittlungen. Es gehe bei seiner Bank um einen Steuerschaden „im niedrigen zweistelligen Millionenbereich“. Die HSBC habe aber Cum-Ex Handel nicht als Geschäftsmodell gesehen. Das Problem sei „überschaubar“.

Seit März 2016 ist Merz Aufsichtsratschef und Lobbyist für den deutschen Ableger von Blackrock. Auch der weltweit größte Vermögensverwalter war in der Vergangenheit nicht zimperlich, wenn es darum ging, die Rendite auf Kosten des deutschen Fiskus zu trimmen.

Kurz vor dem Dividendenstichtag verlieh Blackrock – wie viele andere auch – aus rein steuerlichen Gründen riesige Aktienbestände. Cum-Cum nannte sich diese Praxis – von Steuerrechtlern als „am Rand der Legalität“ eingestuft.

Wie hoch die Wertschätzung ist, die man bei Blackrock Merz entgegenbringt, zeigt der Konzernchef des größten Vermögensverwalters der Welt in einem Statement. Larry Fink machte klar, dass der Politiker als Aufsichtsratschef weitermachen kann, sollte er nicht als Vorsitzender der CDU gewählt werden. Dabei sind viele bei Blackrock von Merz’ Schritt überrascht worden, was nicht bei allen gut ankam.

Nicht alle Bilanzen sind positiv

Aber der 62-Jährige hat auch viele Verdienste, die anerkannt werden. „Merz war im Unternehmen selbst, aber auch bei anderen amerikanischen Firmen ein Botschafter für Deutschland und Europa und hat immer zu erklären versucht, was die Hintergründe und Antriebsmomente für jüngste Entwicklungen waren“, betonte ein Mitstreiter. Dabei gab es zuletzt viel zu tun mit der Italienkrise, dem Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union, aber auch der Schwäche der deutschen Banken.

Gleichzeitig profitierte Blackrock von den Beziehungen des Juristen in die Politik. Angesichts der wachsenden Kritik am Einfluss von börsennotierten Indexfonds versuchte Merz gegenzulenken und wiederholte in der Öffentlichkeit immer wieder, dass zumindest derzeit keine Gefahren von den hohen Anteilen Blackrocks an börsennotierten Unternehmen ausgingen und der Investmentriese nur „treuhänderisch“ agiere. In die Tiefen der Finanzinstrumente sei er allerdings nicht eingedrungen, berichten Kenner.

Seine Kollegen bei Blackrock schätzten die offene, ehrliche Art des Westfalen und auch den Humor, der ab und zu durchblitzte. Er habe vielfach die richtigen Fragen gestellt. „Die Manager waren in Gesprächen mit ihm besser gut vorbereitet“, berichten Betroffene. Außerdem war er ein wichtiger Türöffner nicht nur in der Politik, sondern auch in den Chefetagen wichtiger Großkonzerne.

Weniger positiv fällt die Einschätzung von Merz’ Wirken in einem anderen Kontrollgremium aus. Auf Betreiben der neuen schwarz-gelben Landesregierung in Nordrhein-Westfalen – das Land hält selbst 30 Prozent am Flughafen – übernahm Merz vor rund einem Jahr den Vorsitz des Gremiums am Flughafen Köln-Bonn.

Dort muss er die Verfehlungen einiger Topmanager aufarbeiten – unter ihnen der langjährige Geschäftsführer Michael Garvens, auch er ein Mann der CDU. Als Merz beim Flughafen antrat, stand Garvens schon in der Schusslinie: Wirtschaftsprüfer und Strafrechtler warfen dem Flughafenchef unter anderem Untreue vor, nach kurzem Protest ging Garvens.

Bevor die ersten Klagen gegen Garvens eingereicht werden konnten, kamen Merz offenbar Zweifel. Zwei Millionen Euro sollen die Ermittlungen gekostet haben, Merz beauftragte trotzdem zwei weitere Wirtschaftsprüfer und Strafrechtler. Die kamen – für einen ähnlichen Preis – zu ganz anderen Ergebnissen.

In den neuen Berichten haben sich die Vorwürfe gegen Garvens gelichtet und abgeschwächt. Noch immer soll der CDU-Mann zur Verantwortung gezogen werden. Doch Merz hat die Aufklärungsarbeit wieder an die Geschäftsführung delegiert – teils dieselben Personen, die im Zentrum der Vorwürfe standen. „Aus Compliance-Gesichtspunkten ist das völlig unverständlich“, sagt ein Aufsichtsratskollege von Merz. Von einem erfahrenen Wirtschaftsanwalt wie Merz habe er das nicht erwartet.

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3 Kommentare zu "Der CDU-Kandidat und die Wirtschaft: Die vielen Geschäfte des Friedrich Merz"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Herr Paschetag - ich habe Ihre Ausführungen in Interesse gelesen. Ich kann hier wenig Fakten aber jede Menge Unterstellungen lesen.
    Wollen Sie mit Ihren Ausführungen behaupten, Herr Merz sei korrupt oder unterstützt Korruption in Deutschland?
    Ja, Herr Merz hält offensichtlich nichts von Mainstream. Er ist klug, clever und erfolgreich. Das man dies auch ohne Rechtsverstöße oder negative Handlungsweisen erreichen kann, kommt Ihnen und Ihrem politischen Umfeld wohl nicht in den Sinn.
    In den Themen Migration und dem kritischen Ansprechen von ständigen Rechtsverstößen, Unmöglichkeit von Integration im großen Stil (Ausnahmen bestätigen die Regel) usw. einen gewissen Mut. Diese Ansichten gibt es aber auch in Teilen der CDU/CSU UND FDP.
    Während Sie mit negativen Emotionen "arbeiten", versucht der Autor Sarrazin mit der Erklärung mit Fakten.
    Aber - sorry - ich schweife ab.
    Herr Merz ist jedenfalls als kritischer und qualifizierter Geist gut für unser Land und vor allem unabhängig vom politischen Betrieb. Das ist heute sehr selten und deshalb kostbar.
    Ihnen allen einen erfolgreichen Tag

    Peter Michael

  • Herr Peter,

    ich hoffe Sie haben die letzten beiden Absätze des Artikels gelesen und nicht nur Ihren Kommentar des vorigen Artikels kopiert und eingefügt.

    Dann würden Sie wissen, dass es nicht darum geht, ob man ihm etwas vormachen kann, sondern ob er den Mut so wie die Personen, welche in der AFD sind, hat, gegen den ganzen Parteiensumpf und die Korruption in Deutschland anzukämpfen.
    Ich wunder mich immer nur, dass wir in den Korruptionsindezes so weit unten stehen und nicht in den top 10.
    In Togo u.ä. Ländern muss man quasi fast schon offiziell das Militär bezahlen, um durch die soeben errichtete Straßensperre zu dürfen. In Deutschland ist es alles etwas besser versteckt, aber in beiden Fällen passiert nichts, siehe Schäuble mit seinen 100.000 Talern. Da wird man sogar noch befördert, aber wehe der kleine Mann lässt sich etwas zu Schulden kommen.

  • „Merz war nie ein Abnicker. Er hat Dinge kritisch hinterfragt“
    Das ist genau der richtige Mann für den CDU Vorsitz - kein "JA Sager"!

    Mit Herrn Merz sind auch keine Tricksereien oder Betrügereien wie die Cum-Ex Geschäfte so einfach möglich - denn Herr Merz kennt sich aus. Er weiß so etwas zu verhindern - FRÜHZEITIG!

    Herrn Merz kann man nicht mit dem Nasenring durch die Manege führen!

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