Der unfreiwillige Rücktritt Märchenprinz am beruflichen Abgrund

Zwei Wochen hat die Affäre gedauert. Am Dienstag, 1. März, ist um 11.23 Uhr alles vorbei für den beliebtesten Politiker Deutschlands. Karl-Theodor zu Guttenberg gibt sein Amt auf und tritt zurück. Eine Momentaufnahme.
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Karl-Theodor zu Guttenberg verlässt die Pressekonferenz, auf der er seinen Rücktritt erklärt hat. Quelle: Reuters

Karl-Theodor zu Guttenberg verlässt die Pressekonferenz, auf der er seinen Rücktritt erklärt hat.

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Berlin"Ich war immer bereit zu kämpfen, aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht", sagt Guttenberg in Berlin auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz. Die Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit, die "Copy and Paste"-Mentalität des Doktoranden der juristischen Fakultät der Universität Bayreuth, sie wurde ihm zum Verhängnis.

Das ZDF berichtet live, Nachrichtensender bis hin zur BBC wollen diesen historischen Moment übertragen. Der Medienstar, er steht im Foyer des Bundesverteidigungsministeriums, und liest seine Rücktrittserklärung vor. Auch jetzt, im Augenblick seines politischen Falls will er wie ein würdevoller Edelmann dastehen und ehrenvoll die Gründe benennen, weshalb er erst heute, viele Tage nach den ersten Plagiatsvorwürfen und nach einer beispiellosen Protestwelle im Land "von allen politischen Ämtern" zurücktritt.

Es sei "eine Frage des Anstandes" gewesen, die drei in Afghanistan gefallenen Soldaten "mit Würde zu Grabe zu tragen", sagt er. "Es findet eine dramatische Verschiebung zu Lasten der mir Anvertrauten statt." Soldaten würden verletzt und fielen in Afghanistan, während Deutschland über seine Doktorarbeit diskutiere. Das könne er als Minister nicht mehr verantworten. Er habe "ein geordnetes Haus" hinterlassen wollen für seinen Nachfolger "für die größte Bundeswehrreform, die ich angestoßen habe".

Er, der Generäle und den Kommandanten der Gorch Fock in Windeseile suspendierte oder entließ, so bald er bei ihnen auch nur leise Zweifel gab, er wollte lange Zeit nicht gehen. Er wollte weiter glänzen als Liebling der schwarz-gelben Koalition. Ministerpräsident in Bayern, Bundeskanzler, alles schien möglich für den Märchenprinzen, den Strahlemann der CSU. Jetzt steht er da, akkurat im feinen Zwirn und perfekt gebundener Krawatte, ohne Doktortitel, ohne Ministeramt, am beruflichen Abgrund, entlarvt als einer, der den Ruhm suchte, aber für ihn nicht ehrlich arbeiten wollte. "Ich habe wie alle anderen auch zu meinen Schwächen und Fehlern zu stehen", sagt er heute. Deswegen habe er sich "aufrichtig bei all jenen entschuldigt, die ich verletzt habe".

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23 Kommentare zu "Der unfreiwillige Rücktritt: Märchenprinz am beruflichen Abgrund"

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  • Leider sucht Herr zu Guttenberg immer noch die Schuld bei anderen. Es ist eben keine Bagatelle, wenn ein Minister "Fehler" immer erst zugibt, wenn sie schon öffentlich sind.
    Wie soll man einem solchen Menschen noch glauben können und vertauen?

  • Vorschlag für den Duden:
    gutten (adj.) das 1. Synonym für hemmungsloses paste & copy.
    2. Betrug in der Annahme wenn es rauskommt sag ich erstmal: stimmt nicht, dann: Tschuldigung, tut mir Leid und erwarte ohne Konsequenzen damit davon zu kommen.

  • Wenn man die Dissertation und deren Quellen und vermeintlichen Quellen nicht kennt, dann muss man mit Kommentaren sehr vorsichtig sein. Jeder, der wissenschaftliche Arbeiten verfasst hat, weiß wie schwierig es mit dem Zitieren ist: Ist es eher allgemein bekannt oder etwas neues, dass aufgegriffen wird. Bei Arbeiten über die Geschichte von etwas, wird dieser Task noch schwieriger. Fakt bleibt: In einem Superwahljahr eine solche personenbezoge Diskreditierungskampagne zu starten, ist undemokratisch. Dieses unrühmliche Etikett muss sich die Opposition, hier allen voran Herr Gabriel und Herr Trittin, wohl anstecken.

  • Herr zu Guttenberg sollte jetzt die Zeit nutzen und eine vernünftige Doktorarbeit schreiben - dann kann er sich vom Herrn Volksschullehrer Gabriel wieder mit 'Herr Doktor' anreden lassen.

  • Herr zu Guttenberg sollte jetzt die Zeit nutzen und eine vernünftige Doktorarbeit schreiben - dann kann er sich vom Herrn Volksschullehrer Gabriel wieder mit 'Herr Doktor' anreden lassen.

  • Ich danke den beiden denunzierenden Professoren, die aus welcher Absicht auch heraus, es geschafft haben, einen der wenigen volksnahen und fähigen Politikern aus dem Amt zu jagen.

  • Lieber Herr Guttenberg,
    Sie sind nicht wegen der Fehler in der Dissertation zum Rücktritt gedrängt worden, oder wegen der Plagiate. Dieses Manko hätte man Ihnen verziehen.
    Sie sind zum Rücktritt gezwungen worden, weil Sie sich hingestellt und vor laufenden Kameras, das Volk derart verarscht haben und behaupteten, nicht gewusst zu haben was Sie tun. Das ist nicht vor 5 oder 6 Jahren passiert sondern in der Zeit vom 18.2. bis 23.2.2011,
    also hier und heute.
    Das kann man nur mit Realitätsverlust entschuldigen und selbst in Ihrer Rücktrittsrede schafften Sie es nicht, die toten Soldaten ruhen zu lassen.
    Deshalb sind Sie nicht mehr tragbar für das Amt.

  • Wie irre muss man sein, sich einer solchen geifernden Diskussion auszusetzen?

    Dass die Massstäbe, nach denen die Amts-(un)würdigkeit bemessen wird, nicht so einfach und offenkundig sind und es acuh niemals waren, kann anhand vieler Beispiele belegt werden: steinewerfende Aussenminister, kleptomanische Landatgsabgeordnete, Alkoholfahrer: alle im Amt geblieben. Ist vielleicht nicht schön, ist aber so und manches Mal war es auch gut für das Land. Menschen sind halt nicht fehlerlos.

    Ist es da so abwegig, einen Minister, der in seinem Bereich, bei den von ihm repräsentierten Soldaten einen Ruf wie Donnerhall hat und von dem man aus guten Gründen noch ordentliche Beiträge zur Lösung wichtiger Probleme erwarten durfte, trotz aller eingestandenen Verfehlungen im Amt halten zu wollen? Was glaubt man, wer im grossen Polittalentepool übrigbleibt, wenn nur noch fehlerfreie Kandidaten zugelassen sind?

    Hinzu kommt das unangenehme Gefühl, dass die vierte Gewalt - eine gute Handvoll Politikwissenschaftler der Onlienredaktionen - hier mal die Muskeln spielen lies und sich durchsetzen konnte.

    Unschön.

  • Bundesminister haben oder besser sollten haben eine wichtige Vorbildfunktion. Wer als Betrüger überführt wurde, kann eine solche Funktion unmöglich glaubwürdig ausfüllen. Die Demontage des Politstars der Union hat nicht die Opposition zu verantworten, sondern ganz allein er selbst. Die Wirtschaftstätigkeit des Exkanzlers Schröder als besonders verwerflich darzustellen geht an der Tatsache vorbei, dass Mitglieder der Union und der FDP besonders eng mit der Wirtschaft verbandelt sind. Oder glaubt jemand, die Herren Koch, Müller und von Beust suchen ihr Glück nun in der Heilsarmee?

  • Leider wird das politische Geschehen mittlerweile dadurch geprägt, dass sobald es jemand schafft die Menschen mitzureißen, die politischen Gegner -oftmals aus eigenen Reihen- zur Hetzjagd blasen. Hier müssen sich alle Politiker den Spiegel vorhalten.
    Die Bürger wollen verständliche Aussagen und Aussagen die der Wahrheit entsprechen, auch wenn sie schmerzen oder Einschnitte bedeuten. Leider sind diese Spezies schwerer zu finden, als hochkarätige Diamanten. Dieser Mensch hätte Deutschland auch zukünftig gut zu Gesicht gestanden. Diese Chance ist nun vertan.

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