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Deutsch-Japanischer Gipfel Merkel in Japan – ein Höflichkeitsbesuch mit Ambitionen

Japan und Deutschland bauen ihre politische Partnerschaft aus. Ob die Zusammenarbeit ihre Potenziale politisch wie wirtschaftlich ausschöpfen wird, ist jedoch unklar.
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Geht es nach Japans Regierungschef und Bundeskanzlerin Merkel, würden deutsche und japanische Konzerne und Mittelständler en masse kooperieren. Quelle: AP
Angela Merkel und Shinzo Abe

Geht es nach Japans Regierungschef und Bundeskanzlerin Merkel, würden deutsche und japanische Konzerne und Mittelständler en masse kooperieren.

(Foto: AP)

TokioEs gibt Staatsbesuche mit großer Entourage und bahnbrechenden Abkommen. Und es gibt die Japan-Reise von Kanzlerin Angela Merkel. Nicht einmal zwei Tage dauerte sie, die Wirtschaftsdelegation war gerade mal zwölf Mitglieder groß.

Und zu unterschreiben gab es auch nichts. Dennoch sollte der medienwirksame Arbeitsbesuch gleich nach dem Start des Freihandelsabkommens zwischen der Europäischen Union und Japan die Beziehungen zwischen der dritt- und viertgrößten Volkswirtschaft der Welt stärken.

Geht es nach Japans Regierungschef Shinzo Abe und Merkel, würden deutsche und japanische Konzerne und Mittelständler en masse kooperieren und gemeinsam die Rivalen aus China und dem Silicon Valley bei den Themen Industrie 4.0 und künstlicher Intelligenz herausfordern.

„In China gehören alle Daten dem Staat, in den USA den Unternehmen“, kritisierte Merkel. Sie plädiert daher dafür, dass Deutschland und Japan an diesem Punkt zusammenarbeiten. „Die Frage von Datenethik und -schutz ist etwas, das beide Länder interessiert.“ Es gebe Diskussionsbedarf beim Thema Plattformen, Big Data und Datensicherheit.

„Ich bin daher dankbar, dass Shinzo Abe dieses Thema auf die G20-Agenda setzen will“, sagte Merkel, die am zweiten Tag ihrer Reise eine kurze Rede vor deutschen und japanischen Unternehmern hielt. Japan ist in diesem Jahr Gastgeber des G20-Gipfels.

Danach besuchte die Kanzlerin den Showroom für Künstliche Intelligenz des Technikkonzerns NEC. Zwar sind deutsche und japanische Unternehmen auch Rivalen. Aber gerade in wichtigen Wirtschaftsbereichen wie dem Auto- und Maschinenbau, der Chemie- und Pharmaindustrie ergänzen sich ihre Schlüsselmärkte und Produktpaletten oft.

Und manche Kooperationen funktionieren: Vergangene Woche etwa besiegelten das deutsche Forschungszentrum für künstliche Intelligenz (DFKI) und das Äquivalent von Japans National Institute of Advanced Industrial Science and Technology (AIST) ein Forschungsprojekt. Es soll mit Hilfe künstlicher Intelligenz das Verhalten von Verkehrsteilnehmern in verschiedenen Kulturen analysieren und dann simulieren, erklärte ein Vertreter des AIST dem Handelsblatt. Autonome Autos könnten so schneller geschult werden.

Deutschland und Japan bauen ihre Zusammenarbeit unspektakulär, aber merklich in einer langen Liste von Bereichen aus. Dabei spielen sich Handels-, sicherheits- und Entwicklungspolitik in die Hände. Für den G20-Gipfel werden Abe und Merkel die Handelspolitik auf die Agenda setzen. Beide arbeiten an einer Reform der Welthandelsorganisation und einer „wertebasierten internationalen Ordnung“.

Darüber hinaus erhofft sich Japan von Deutschland Rückendeckung bei der Eindämmung Chinas im Südchinesischen Meer und der indo-pazifischen Region. Militärisch werde es aus Deutschland keine Hilfe geben, machte die Kanzlerin deutlich. Stattdessen wollen beide Seiten ihre Entwicklungspolitik in den Ländern der Sahelzone koordinieren, wo China um Einfluss buhlt.

Außerdem steht ein Geheimschutzabkommen kurz vor dem Abschluss. Dann können beide Regierungen, Geheimdienste und Militärs einfacher vertrauliche Informationen austauschen. Diese kleinen Schritte der Zusammenarbeit summieren sich immer mehr zu einem politischen Schulterschluss.

Wirtschaftlich zeichnet sich jedoch keine wahre Wirtschaftsallianz ab. Japan rangiert in der deutschen Exportstatistik nur auf dem 17. Platz. Und die deutsche Außenhandelskammer in Japan hat weniger Mitgliedsfirmen als das Pendant beim kleineren Nachbarn Südkorea.

Doch könnte der Anstieg der japanischen Importe aus Deutschland, die im vergangenen Jahr bereits um neun Prozent gestiegen ist, mit dem Freihandelsabkommen an Dynamik gewinnen. Die Außenhandelskammer rechnet damit, dass die Freihandelszone die Zahl der deutschen Firmen, die mit Japan Geschäfte machen, im zweistelligen Bereich steigen lässt.

Siemens-Chef Joe Kaeser glaubt daher, dass es vom Zeitpunkt und Inhalt her gut war, „wenn man diesen Dialog sucht“. Auch Friedhelm Loh, der Inhaber der Friedhelm Loh Group, meint: „Wir stehen am Anfang.“ Der Dialog japanischer und deutscher Unternehmen diene dazu, Leben in das Geschehen zu bringen. „Es ist ein Experiment“, sagt Loh, „da sind jetzt Politik und Unternehmen gefordert.“

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