Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Deutsch-Japanischer Gipfel Merkel sucht in Tokio Verbündete im Kampf gegen den Protektionismus

Die beiden Exportnationen rücken bei der Handelspolitik enger zusammen. Ein Grund für die Annäherung ist Donald Trump. Die Wirtschaft wittert Chancen.
Kommentieren
Die Bundeskanzlerin und Japans Ministerpräsident wollen wachsendem Protektionismus den Kampf ansagen. Quelle: dpa
Angela Merkel und Shinzo Abe

Die Bundeskanzlerin und Japans Ministerpräsident wollen wachsendem Protektionismus den Kampf ansagen.

(Foto: dpa)

TokioAngela Merkel und Shinzo Abe sind alte Bekannte. Schon 17-mal habe sie den japanischen Premier getroffen, sagt die Bundeskanzlerin am ersten Tag ihrer zweitägigen Japanreise. Und die Vertrautheit merkt man den beiden Regierungschefs an. „Kanzlerin Merkel hat den Frühling mitgebracht“, witzelt der sonst eher nüchterne Abe. Dann nennt er den Staatsgast lieber „Angela“, sie ihn „Shinzo“.

Selbst politisch spiegelt sich ein neuer Schulterschluss der beiden Exportnationen wider. Ob Reform der Welthandelsorganisation, die Vorbereitung des G20-Gipfels in Japan oder Kooperation in vielen Bereichen der Sicherheitspolitik – beide Länder wollen die Zusammenarbeit „auf eine neue, höhere Ebene“ heben, wie Abe es ausdrückt. Der wichtigste Punkt ist ohne Zweifel die Handelspolitik.

Schon der Zeitpunkt der Reise ist ein bedachtes Zeichen gegen wachsenden Protektionismus in der Welt. Erst am Freitag war die „weltgrößte Freihandelszone“ zwischen Japan, immer noch die drittgrößte Volkswirtschaft, und der Europäischen Union in Kraft getreten. Doch es geht nicht nur um offene Märkte, es geht auch um Zukunftstechnologien – wo beide Länder zunehmend in den Schatten der USA und vor allem auch Chinas zu geraten drohen.

„Japan und Deutschland werden tatkräftig die vierte industrielle Revolution leiten“, verspricht Abe. Er wirbt unter anderem für Kooperationen zwischen deutschen und japanischen Firmen, vor allem beim autonomen Fahren und Künstlicher Intelligenz.

Es ist kein Zufall, dass Merkel eine zwar nur zwölfköpfige, aber doch illustre Wirtschaftsdelegation mitgebracht hat. Joe Kaeser, der Vorstandsvorsitzende von Siemens, ist dabei, sein Bayer-Kollege Werner Baumann auch. Rainer Ploss vom Chiphersteller Infineon flog ebenso mit wie Julia Schnitzler, die Chefin der Strassburger Filter GmbH & Co. KG, als einzige Frau.

Grafik

Große, milliardenschwere Deals wie bei Reisen ins staatskapitalistische China sind zwar nicht zu erwarten. Aber der mitgereiste Dieter Kempf, Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie, sieht Potenzial für die wirtschaftliche Zusammenarbeit – vor allem in Bereichen, „wo wir beide stark sind“.

Längster Aufschwung der Nachkriegsgeschichte

Japan kann zwar nicht mit chinesischen Wachstumsraten konkurrieren, in diesem und im kommenden Jahr erwarten Ökonomen ein Plus von jeweils einem Prozent. Dennoch ist das Land ein zuverlässiger Partner. Erstens, weil Japan einen hohen Grad an Rechtssicherheit bietet. Und zweitens ist das Land, das sich im längsten Aufschwung der Nachkriegsgeschichte befindet, eine wichtige Stütze wichtiger deutscher Branchen.

Japanische Konzerne sind gerade bei Autos und Produktionsanlagen zwar auch Konkurrenten. Aber beide Länder ergänzen sich auch oft. Denn viele japanische Unternehmen spezialisieren sich eher auf Massenmärkte und kaufen sich daher Spezialmaschinen und vor allem Premiumboliden deutscher Hersteller.

So dominieren Mercedes, BMW und auch VW – quasi als sozial akzeptable Form von automobilem Luxus – Japans Importmarkt. Der Markt trägt oft mehr zu den Gewinnen bei, als die reinen Verkaufsstatistiken es nahelegen. Denn die Kunden entscheiden sich häufig für gehobene Ausstattung. „Wir kaufen kaum ein Modell ohne Ledersitze“, erzählte BMW-Japanchef Peter Kronschnabel einst.

Das ambitionierte Freihandelsabkommen macht Japan aber auch für Unternehmen anderer Brachen wichtig: „Mode, Lebensmittel und landwirtschaftliche Produkte etwa“, sagt Marcus Schürmann, Delegierter der Deutschen Wirtschaft und Geschäftsführer der AHK Japan. „Deutsche Unternehmen werden zu den größten Profiteuren gehören.“

Trump befeuert deutsch-japanische Annäherung

Bereits 2018 wuchsen die Importe aus Deutschland nach japanischen Statistiken um 9,2 Prozent auf 2,9 Billionen Yen (23 Milliarden Euro). Und der eurasische Handelsbund könnte dafür sorgen, dass die Zahl der 12.000 im Japangeschäft tätigen deutschen Unternehmen noch einmal um zehn Prozent steigt, sagt die Außenhandelskammer voraus.

Doch Japan ist nicht nur als direkter Markt interessant. So gewinnen sogenannte Drittmarktgeschäfte an Gewicht. Vor allem im Autobau öffnen japanische Weltkonzerne gerade ihre einst geschlossenen Lieferketten immer mehr. Und deutsche Unternehmen wie der Autozulieferer Bosch profitieren davon, weil sie Deals außerhalb Japans über die Zentralen der heimischen Konzerne einstielen können.

In einer Umfrage der Kammer erklärten 60 Prozent der deutschen Firmen, dass sie mit jedem Euro Umsatz in Japan einen weiteren Euro außerhalb des Landes mit japanischen Kunden dazuverdienen können. Bei einem Drittel dieser Firmengruppe beträgt der Wert sogar vier Euro. „Die strategische Bedeutung des Japan-Engagements nimmt stark zu“, sagt Schürmann.

Der größte Beschleuniger der japanisch-deutschen Annäherung ist Donald Trump. Die konsequente „America first“-Politik des US-Präsidenten lässt die letzten Freihändler und Multilateralisten zusammenrücken.

Trump sieht beide Länder als handelspolitische Schurkenstaaten, die seit Jahren enorme Handelsbilanzüberschüsse erwirtschaften – zulasten der USA. Ein Schulterschluss ist daher nationales Wirtschaftsinteresse. Oder wie Abe es sagt: „Auf Japan und Deutschland kommt eine immer größere Verantwortung für die Stabilität und den Wohlstand der internationalen Staatengemeinschaft zu.“

Das sieht auch die Bundeskanzlerin so: Das Handelsabkommen sei „in dieser Zeit eine wichtige Mitteilung an die Welt“, sagt Merkel. „Wir schätzen das sehr und wollen das auch mit Leben erfüllen.“

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Deutsch-Japanischer Gipfel - Merkel sucht in Tokio Verbündete im Kampf gegen den Protektionismus

0 Kommentare zu "Deutsch-Japanischer Gipfel: Merkel sucht in Tokio Verbündete im Kampf gegen den Protektionismus"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%