Deutsche Bahn Aufsichtsrat hat „keine Kenntnis“ von Pofalla-Wechsel

Kanzlerin Merkel weiß schon seit November von Pofallas Absichten, in den Vorstand der Deutschen Bahn zu wechseln. Doch jetzt formiert sich Widerstand im Konzern. Und der Aufsichtsratschef weiß anscheinend von nichts.
Update: 06.01.2014 - 12:39 Uhr 13 Kommentare

Wir wollen Pofalla nicht

BerlinDer Bahn-Aufsichtsrat wird bereits im Januar darüber diskutieren, ob der frühere Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) Cheflobbyist und Vorstandsmitglied wird. Wie das Handelsblatt (Montagsausgabe) aus Aufsichtsratskreisen erfuhr, steht das Thema jetzt bei einer Sondersitzung des Gremiums am 30. Januar auf der Tagesordnung. Eigentlich sollte es da nur um die Bewerbung der Deutschen Bahn um die S-Bahn Berlin gehen.

Geplant hatte Bahnchef Rüdiger Grube zuvor offenbar, den CDU-Politiker auf der regulären Sitzung des Kontrollgremiums im März offiziell zu installieren. Nur ein sehr kleiner Kreis war in diesen Plan eingeweiht; neben Grube auch der Aufsichtsratsvorsitzende Utz Hellmuth Felcht. Doch nach der Indiskretion eines Eingeweihten und der massiven Kritik aus der Politik soll es jetzt schneller gehen. Die Personalie wird wegen möglicher Interessenskonflikte auch im Aufsichtsrat kritisch gesehen. „Ein Selbstläufer ist die Personalie nicht“, sagte ein Aufseher.

Nachdem zuvor mehrere Medien unter Berufung auf Mitglieder des Aufsichtsrats berichtet hatten, dass es Widerstand in dem Gremium gegen einen Wechsel Pofallas in den Bahnvorstand gebe, erklärte Aufsichtsratschef Utz-Hellmuth Felcht nun, der Rat habe in den letzten turnusmäßigen Sitzungen „keine Kenntnis von Überlegungen zur Erweiterung des DB-Vorstands beziehungsweise zur Bildung neuer Vorstandsressorts“.

Zuvor hatte „Die Welt“ das Aufsichtsratsmitglied Klaus-Dieter Hommel mit den Worten zitiert: „Die Personalie ist seitens der Deutschen Bahn noch längst nicht entschieden.“ Das Gremium würde gerne wissen, warum überhaupt noch ein weiterer Vorstandsposten geschaffen werden müsse, sagte der Vize-Chef der Bahngewerkschaft EVG der Zeitung. Dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ sagte ein Mitglied des Kontrollorgans, die Berufung des CDU-Politikers werde „mit Sicherheit nicht einfach durchgewinkt“.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bereits Ende November von Wechselabsichten ihres damaligen Kanzleramtschefs Ronald Pofalla erfahren. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Montag in Berlin, bei diesem Gespräch habe Pofalla eine Tätigkeit bei der Bahn als eine von mehreren Möglichkeiten erwähnt. Die Kanzlerin habe Pofalla dazu geraten, eine zeitliche Distanz zu seiner Tätigkeit im Kanzleramt zu wahren. Die Initiative, dass Pofalla möglicherweise zur Bahn wechsele, sei nicht von der Kanzlerin ausgegangen, sagte Seibert auf eine entsprechende Frage.

Weder Pofalla noch die Bahn die haben die Wechselpläne des Politikers bislang bestätigt. In der „Bild am Sonntag“ hieß es, Bahn-Chef Rüdiger Grube habe einige Aufsichtsratsmitglieder am Freitag telefonisch über die Personalie Pofalla informiert. Der frühere Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel brauche aber „eine Abkühlphase“, bevor er zu dem Unternehmen stoße.

Im "Spiegel" hieß es, Teile des Aufsichtsrates wollten die Berufung Pofallas verhindern. Der Wechsel wurde nach Angaben eines Bahn-Insiders langfristig vorbereitet. Schon vor mehr als einem halben Jahr sei in der Bahn-Führung von der Schaffung eines neuen Vorstandspostens für Regierungskontakte die Rede gewesen. Dabei sei von Anfang an der Name Pofalla genannt worden. Die „Welt“ berichtete, Widerstand gegen einen neuen Vorstandsposten, den Pofalla bekleiden soll, gebe es auch auf der Arbeitnehmerseite in dem Kontrollgremium. In der Kritik stehe auch Bahn-Chef Grube mit seiner Informationspolitik.

Selbst im Bahn-Management, in das der CDU-Politiker einziehen soll, gebe es Unbehagen. „Wenn die Debatte die nächsten Wochen anhält, ist Pofalla wohl nicht zu halten“, wird ein hochrangiger Bahn-Manager zitiert.

Forderung nach finanzieller Kompensation für Übergangszeit
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13 Kommentare zu "Deutsche Bahn: Aufsichtsrat hat „keine Kenntnis“ von Pofalla-Wechsel"

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  • Da Merkel immr mehr Planwirtschaft einführen will, ist es doch logisch, dass sie einen ihr absolut treu Ergebenen in so einen Vorstand setzt.
    Die DDR läßt immer mehr grüßen

  • Anschlußverwendung
    ----------
    Pofalla wechselt also vom Staatsbetrieb Bund zum Staatsbetrieb Bahn.
    Dann ist ja alles in Ordnung.
    Gut, er bekommt als Cheflobbyist das 10-fache als wie als Staatssekretär, aber das ist ja normal. Er braucht auch von seinem neuen "Vorstandsposten" keine Ahnung haben, das ist sogar von Vorteil!
    Hier stellt sich nur die Frage: "Warum wurde er nicht nach Europa (Brüssel) "entsorgt"?"

  • Immer wieder begeisternd welche Typen das sind, die die Kanzlerin gerne um sich schart

  • Die Korruptheit der Politik ist nicht zu überbieten. Pofalla hat nun schon verloren. Wer sollte ihn noch ernst nehmen? Anstelle des fingierten überflüssigen Jobs sollte die Bahn an der Pünktlichkeit arbeiten. Alles nur noch lächerlich. Auch Merkel hat sicher den Buckel nicht sauber!

  • Was nun? Die Bahn erklärt den Fall Pofalla für beendet?

  • Ja... Pofalla zu der Pobahn die sich nicht gegen ihn wehren kann. Denn die Bahn gehört im Moment der Groko und
    daher können sich die anderen Bahnvorstände auf den Kopf stellen. Die Korruption und Postengeschacher in der Politik geht fröhlich weiter und keine Aufregung aus der Bevölkerung kratzt auch nur einen Politiker. Die Wahl ist vorbei und im Mai holen uns die Politiker wieder aus der Kiste, wie man Weihnachtsbesteck rausholt und dann haben wir wieder ein paar Tage Demokratie.

  • "Sie meinen PolitikERverdrossenheit?"

    Der ist gut :)

  • Wichtig ist doch nur, daß dieser Unsympath aus der Politik verschwindet. Wird wohl die Kanzlerin eingefädelt haben, die vergißt überhaupt nix.

    Im Ergebnis ist der jedenfalls endgültig abgemeiert und der Vorstandsposten sollte auch unerreichbar sein.

    Wegen seiner rotzigen Ausfälle gegenüber einem älteren Kollegen paßt er sowieso besser zu denen, die mit der Forke den Schotter bewegen, nämlich den am Gleis, nicht den im Haushalt.

  • Sehr geehrter Herr Oesterreicher,
    sie irren gewaltig wenn Sie meinen das ginge Sie nichts an. Sie haben recht, nach bald 70 Jahren haben sich ungesunde korrupte Strukturen so sehr verfestigt, dass nur noch ein selektiver Druck von außen etwas zum Guten bewirken kann.

  • Sie meinen PolitikERverdrossenheit?

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