Deutsche-Bank-Co-Chef Fitschen „Die billige Liquidität der EZB ist nicht gesund“

Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank, hat sich gegen die Niedrigzinspolitik der EZB gestellt. Er fordert eine Rückkehr zur Normalität – mit höheren Zinsen. Aber man solle nicht den nächsten Kollaps provozieren.
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Bankchef Fitschen: „Wir sollten möglichst schnell dahin kommen, dass die Realzinsen wieder positiv werden.“ Quelle: picture-alliance / dpa

Bankchef Fitschen: „Wir sollten möglichst schnell dahin kommen, dass die Realzinsen wieder positiv werden.“

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BerlinDeutsche Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen hat den geldpolitischen Kurs der Europäischen Zentralbank kritisiert. „Die billige Liquidität von der Zentralbank ist nicht gesund“, sagte Fitschen der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ in einem Interview. „Wir sollten möglichst schnell dahin kommen, dass die Realzinsen – also Nominalzinsen abzüglich Inflationsrate – wieder positiv werden.“

Fitschen betonte jedoch, die jetzige Situation „währt nicht ewig – das ist erklärtes Ziel der EZB, sie will zur Normalität zurück.“ Es sei sehr wichtig, den richtigen Weg für ein Umsteuern zu finden, um nicht sofort den nächsten Kollaps zu provozieren. Dieser Grat sei für die Notenbanker sehr schmal. „Alle aber sind sich einig: Die Zinsen können dauerhaft nicht so bleiben, weil sonst die nächsten Verwerfungen die Folge sind“, erklärte Fitschen.

Die EZB hatte Anfang Mai die Zinsen in der Euro-Zone auf das Rekordtief von 0,5 Prozent gesenkt, um dem Währungsgebiet aus der Rezession zu verhelfen.

Nach Fitschens Worten sind die Einlagen der Sparer in Deutschland – anders als beim Euro-Rettungspaket in Zypern – sicher. „Bei uns gibt es über die gesetzliche 100.000-Euro-Grenze hinaus freiwillige Sicherungssysteme der Banken, die den Sparer schützen“, sagte Fitschen, der als BdB-Präsident oberster Lobbyist der Privatbanken in Deutschland ist. Der Steuerzahler dürfe nicht für die Rettung einer Bank geradestehen müssen. „Welche Gläubiger in welcher Form in Haftung genommen werden, wird derzeit intensiv diskutiert.“

Banken buhlen um Mittelstandskunden

Im Mittelstands-Geschäft der Banken erwartet Fitschen harte Konkurrenz. „Richtig ist, dass viele Banken zum gleichen Zeitpunkt den deutschen Mittelstand zu entdecken scheinen und damit die Gefahr eines exzessiven Wettbewerbs entsteht.“ Die Banken dürften nicht vergessen, „dass jeder Kredit mit einem Risiko verbunden ist, und dass dieses Risiko in die Preise, also die Zinsen, mit eingerechnet werden muss“.

Fitschen geht von einem anhaltenden Jobabbau im Bankensektor aus. „Es wird nicht zu vermeiden sein, dass in einigen Bereichen weniger Personal benötigt wird.“ Ein Filialsterben hingegen sieht Fitschen nicht, der zusammen mit Anshu Jain die Deutsche Bank führt.

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30 Kommentare zu "Deutsche-Bank-Co-Chef Fitschen: „Die billige Liquidität der EZB ist nicht gesund“"

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  • Wärst auch besser beim Grillen geblieben.

  • In den kommenden 10 bis 12 Jahren laufen objektiv
    ca.1.0 Billionen € Pensionslasten auf.Bullshit ?

  • Im Programm stand von BEGINN an, dass es den Schuldenländern möglich gemacht werden soll, aus dem Euro auszutreten. Dies soll mit einer Änderung der EU-Verträge geschehen, die notfalls von D erzwungen werden soll.

    Wäre es nicht zuerst erforderlich, das Deutsche Volk zu fragen, ob es 1) zu dieser Form der EU gehören möchte; 2) den Euro überhaupt in irgendeiner Form haben will und 3) anschließend zu was auch immer, Nord, Süd, West oder Ost-Euro Katastrophe gehören will?

    Sie reden von: "...notfalls von D erzwungen werden soll."
    Woher wissen Sie ,dass DEUTSCHLAND was auch immer erzwingen will? Wer ist für Sie D? Wurde das deutsche Volk je befragt? Ich kann mich nicht daran erinnern, dass das deutsche Volk seit 1945 überhaupt zu irgendetwas gefragt wurde!

    Den Rest Ihrer Fragen kann ich nicht beantworten, aber ich habe mehrfach in verschiedenen "Blättern" gelesen und auch in Talk-Shows gehört, dass die AfD (Lucke) nicht vor hat, den Euro abzuschaffen, sondern tatsächlich einen Nord- bzw. Südeuro haben will, was natürlich genauso hochgradiger Schwachsinn ist, wie der Euro allgemein!
    Er will sogar "Kohls Euro-Erbe" bewahren!
    Für mich eine nachhaltige Katastrophe, siehe "Zwei+Vier-Vertrag"!!!
    Siehe folgender Link:
    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/04/14/afd-parteitag-zugriff-auf-bank-guthaben-ueber-100-000-euro-ist-in-ordnung/

  • "Er fordert eine Rückkehr zur Normalität – mit höheren Zinsen. Aber man solle nicht den nächsten Kollaps provozieren."

    Damit reiht er sich in die allgemeine Welle ein, die FED kommt gerade mit ähnlichen "Warnungen".

    Es kommt aber immer darauf an, wer die hohen Zinsen dann zahlen soll. Die Häuslebauer, die Konsumer, der Unternehmer, der Staat, die Staaten? Bekommen diese dann mehr Netto vom Brutto?
    Wofür denn? Weil die Politik unfähig ist, eine vernünftige Altersvorsorge auf die Beine zu stellen, auch ohne Zinspolitik?
    Oder weil die (weltweite) Finanzwirtschaft zu faul ist, sich tragfähige langfristige Konzepte zu zimmern?
    Oder weil im digitalen Zeitalter die Billionen an Steuergeschenken nicht mehr so versteckt werden können, und jetzt andere Geldquellen erschlossen werden müssen?
    Noe, auch eine deutsche Bank wird mir nicht weismanchen das immer die anderen Schuld sind. Vor allem gerade nicht die deutsche Bank, die ihre Finger auch wirklich in jedem Zinsskandal stecken hat.

  • Ich kann das alles nicht mehr hören!!!Ein Fiat/Girogeldsystem das Luftgeld erzeugt,also aus dem Nichts,und dazu nicht die Zinsen kreiert und diese auch noch exponentiell steigen,kann auf Dauer nicht funktionieren,geschweige auf ewig!!!!Das hat sogar mein Sohn kapiert von ganz alleine wo sie in Mathe exponetielles Rechnen hatten!Schlage vor,das einige Politikdarsteller noch mal die Schulbank drücken.Von der Hochfinanz gehe ich von aus,dass sie das verstanden hatten und bewusst schweigen!:-)))))))

  • Lebensmittelspekulationen sind noch viel ungesünder, Sie elender Hypokrit.
    Die ganze Deutsche Bank ist ungesund, mit ihren gefälschten Bilanzen und outgesoucten Risiken.
    Schon in Irland hätte man der DB die süsse Speise "Freie Marktwirtschaft" kosten lassen sollen.
    So hat man den Zockern die Finger vor den Arsch gehalten, und jetzt hält diese Nachthaube Vorträge, was zu tun ist.

  • @G.N.
    Also – ist das jetzt ABSICHT des Verfassers in den DWN oder hat er/sie nur das Programm nie gelesen?

    Im Programm stand von BEGINN an, dass es den Schuldenländern möglich gemacht werden soll, aus dem Euro auszutreten. Dies soll mit einer Änderung der EU-Verträge geschehen, die notfalls von D erzwungen werden soll.

    Was übrig bleibt, behält den Euro – sofern die Länder dies möchten. Da der Euro aber insgesamt eine Fehlkonstruktion ist, wird sich die Möglichkeit eines Austritts auch auf diese Länder auswirken. Wer in einem Verbund bleiben möchte, kann dies tun – dies wäre dann womöglich ein Nordeuro. Wer nicht bleiben möchte, kehrt zur nationalen Währung zurück.

    Was gibt es daran nicht zu verstehen. Jetzt zu kommen und gleich ZWEI falsche Behauptungen aufzustellen, die da lauten:

    1. die AfD wolle zurück zur DM und
    2. nun wolle plötzlich die AfD NICHT mehr zurück zur DM und dies sei ja schon die erste Änderung, das erste Einknicken im Programm,

    der muss sich den Vorwurf gefallen lassen, er handele ABSICHTLICH demogogisch.

    Fazit: Lieber G.N., es ist nicht alles wahr, bloß weil es schwarz auf weiß zu lesen ist.

  • Wir sind in einer Zeit der Mega-Blasen schon längst angekommen. Flash Crashes (z.B. Gold) und Flash-Hausse (z.B. Dax) sind tägliche Erscheinungen geworden. Als Strippenzieher, bzw. die mit dem größtem Motiv sind relativ schnell anglo-amerikanischen Interessen auszumachen (am problematischsten die Draghi-Goldman Connection). Die Geldentwertung ist für alle fühlbar. Für Länder mit mehr Sparvermögen als Immobilienvermögen wie Deutschland eine schleichende Enteignung. Wird eines nicht allzufernen Tages die Luft aus deutschen Staatsanleihen via futures gelassen, gehen bei uns die Lichter aus! Das ist wohl ein Teil des ganz großen Schlachtplans

  • Der Euro steht in Konkurenz zu anderen Währungen, in erster Linie zum amerikanische $, zum chinesischen Yuan und zum japanischen Yen. Die Regierungen haben erkannt, daß eine schwache Währung Exportvorteile verschafft. Ein jahrzehntelanger Exportüberschuß, wie es Deutschland und China praktizieren, führt aber zur Verschuldung und damit zum Crash des weltweiten Währungssystems. Die G20-Staaten sollten daher für jeden Währungsraum für ein ausgeglichenes Import/Exportverhältnis sorgen.

  • Positive Realzinsen sind längere Zeit nicht möglich da das Verhältnis von Verbindlichkeiten zur Wirtschaftsleistung sich bereits in einer hoch instabilen Lage befindet.

    Positive Realzinsen würden bewirken das die Verbindlichkeiten schneller wachsen als die Wirtschaft was zur Folge hätte das Kredite vermehrt ausfallen und Schockwellen durch die Wirtschaft schicken was das Wachstum beeinträchtigt.

    Ein Großteil des Geldes ist so oder so weg, wobei Inflation diskreten Kreditausfällen zu bevorzugen ist.

    Abgesehen davon ist die DB schon lange keine Bank mehr, sondern ein verantwortungsloses Casino. Die DB betreibt übrigens das Cosmopolitan Casino in Las Vegas, der 4 Milliarden $ Kredit den es dafür gegeben hatte ist geplatzt.

    Für mich Persönlich war der letzte Banker der DB der den Namen verdiente Herrhausen.

    Aber die Politik betreibt lieber einen Schauprozess mit Hr. Hoeneß als sich um Finanzterroristen wie Ackermann & Co. zu kümmern die uns Unsummen kosten.

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