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Deutsche Schulakademie Von Top-Schulen lernen

Was machen erfolgreiche Schulen besser als andere? Ein neues Forschungsinstitut will die Unterrichtsmethoden von preisgekrönten Lehranstalten analysieren. Erstes Studienobjekt: der 45-Minuten-Rhythmus.
15.07.2015 - 21:29 Uhr Kommentieren
Der Unterricht soll die Stärken der Schüler fördern und Ängste abbauen. Quelle: dpa
Schüler beim „Glücksunterricht“ in der Vigelius-Schule in Freiburg

Der Unterricht soll die Stärken der Schüler fördern und Ängste abbauen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Für besondere Schulen braucht es keine besonderen Orte, besonders gute gibt es auch dort, wo viele sie eher nicht vermuten. Im Dortmunder Norden etwa. Hier steht seit 1994 die Grundschule Kleine Kielstraße, umgeben von Hochhäusern, in denen viele Kinder in Familien aufwachsen, in denen nicht deutsch gesprochen wird, in denen niemand arbeitet oder in denen sich nur ein Elternteil um sie kümmert. Eine staatliche Schule in einem sozialen Brennpunkt, die dennoch fast der Hälfte ihrer Schüler am Ende der vierten Klasse empfiehlt, aufs Gymnasium zu gehen.

Wie ihr das gelingt? „Als wir gegründet wurden, haben wir uns gefragt, was eine gute Schule für die Kinder ist. Nicht für uns Lehrer, nicht für die Eltern, sondern für die Kinder“, sagt Schulleiterin Gisela Schultebraucks-Burgkart. „Es geht um eine Haltung: Strahle ich aus, dass ich die Eltern und Kinder respektiere, sie ernst nehme, ihnen zuhöre?“ Im Detail sieht das so aus: Die Erst- und Zweitklässler sowie Dritt- und Viertklässler lernen jeweils zusammen, die Lehrer bereiten ihren Unterricht gemeinsam vor, die Schule ist ein ganztags geöffneter Ort mit Elterncafé und Angeboten für die Menschen im Viertel und begleitet die Eltern schon Monate vor der Einschulung.

Dafür hat sie 2006 als eine der ersten den Deutschen Schulpreis gewonnen, den die Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung seitdem jährlich vergeben. Mehr als 50 Preisträgerschulen gibt es mittlerweile, sie machen vieles anders und vieles besser.

Fischen im Erfahrungsschatz der Preisträger

Was genau, werden künftig der Bildungsforscher Hans Anand Pant und seine Kollegen der Deutschen Schulakademie, die die beiden Stiftungen in diesem Frühjahr gegründet haben und bis Ende 2017 mit knapp zehn Millionen Euro ausstatten, systematisch untersuchen. „Wir wollen die Perlen aus dem Erfahrungsschatz der Preisträgerschulen herausfischen“, sagt Geschäftsführer Pant, der zuvor das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) geleitet hat. Als Konkurrenz zum IQB, das etwa die länderübergreifenden Bildungsstandards entwickelt, sieht er die Akademie nicht.

Skeptiker gab es, als das Projekt verkündet wurde. Doch offenbar hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es der Akademie wirklich darum geht, Ansätze für alle Schulen zu kreieren und nicht Lobbyarbeit für Private zu betreiben.

Schon bisher haben sich die Leiter der Preisträgerschulen regelmäßig zum Erfahrungsaustausch getroffen, für Schulleiterin Schultebraucks-Burgkart ist das „der wirkliche Preis“, nicht die 50.000 Euro Preisgeld. Darauf setzen Pant und seine Mitarbeiter auf.

45-Minutenrhythmus und Raumwechsel abgeschafft

Aus ihren Forschungsergebnissen wollen sie Seminare für Pädagogen und Schulleitungen entwickeln. „Letztlich geht es um die Frage: Was wirkt und was nicht?“, sagt Pant. Denn was an der Grundschule Kleine Kielstraße funktioniert, muss anderswo noch lange nicht laufen. Es gebe nicht die eine Stellschraube, an der Rektoren und Lehrer drehen, um ihre Schule besser zu machen, betont Pant. „Es ist vielmehr ein Mosaik“ – und das mache den Transfer so schwierig.

Als eines der ersten Projekte studieren Pant und seine Kollegen, ob sich Unterrichtszeiten und Räume auf das Lernen auswirken. Viele Preisträgerschulen haben den 45-Minuten-Rhythmus und ständigen Raumwechsel abgeschafft. Forschungsgegenstand sollen auch die offenen Lernformen sein, in denen nicht der Lehrer vor der Klasse steht, sondern die Schüler in ihrem Tempo für sich lernen. In seiner viel zitierten Mammut-Studie kam der neuseeländische Bildungsforscher John Hattie 2009 zu dem Schluss, dass sie kaum etwas bewirken. Doch am Design der Studie gibt es Kritik.

Da die Akademie mit ihren acht Mitarbeitern nicht die Lehrer aller 34.000 allgemeinbildenden Schulen erreichen kann, ist sie auf strategische Kooperationen angewiesen. Etwa mit den Landesinstituten für Schulentwicklung, die die Weiterbildung für Lehrer organisieren. Die Frage ist nur, ob die das wollen. „Ich habe in den vergangenen Jahren oft mit der Kultusministerkonferenz und den Landesinstituten zusammengearbeitet. Dort sind manche besorgt, dass mit der Schulakademie eine Konkurrenz heranwächst, die die Deutungshoheit beansprucht“, sagt Pant. Langfristig könne eine Wettbewerbssituation mit privaten Anbietern auf dem Fortbildungsmarkt entstehen. „Aber wir sind gemeinnützig, wir müssen im Gegensatz zu anderen privaten Anbietern kein Geld verdienen.“

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