Deutsche Wirtschaft Exporte und Produktion geben deutlich nach

Die deutsche Wirtschaft ist schwach ins Frühjahr gestartet. Experten vermuten die unsichere globale Handelslage als Grund.
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Deutsche Wirtschaft: Exporte und Produktion geben deutlich nach Quelle: dpa
Industrieanalgen des Chemiekonzerns BASF in Ludwigshafen

Die Aufträge an die deutsche Industrie sind vier Monate in Folge gefallen.

(Foto: dpa)

BerlinFallende Exporte, geringere Produktion, sinkende Aufträge: Die deutsche Wirtschaft hat einen unerwartet schwachen Start ins Frühjahr erwischt. Die Ausfuhren schrumpften im April um 0,3 Prozent zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte.

Die Produktion gab noch deutlicher nach: Industrie, Baubranche und Versorger stellten zusammen 1,0 Prozent weniger her als im Vormonat. Das kommt überraschend, hatten Ökonomen hier doch ein Wachstum von 0,3 Prozent erwartet.

Zuvor waren bereits die Industrieaufträge vier Monate in Folge gefallen – die längste Flaute seit der Finanzkrise 2008/09. „Die Industriekonjunktur wird daher vermutlich zunächst etwas ruhiger verlaufen“, erwartet das Bundeswirtschaftsministerium.

Das schätzt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ähnlich ein. „Die Verunsicherung durch die globale Handelspolitik ist offenbar groß“, nannte DIHK-Expertin Sophia Krietenbrink einen Grund für die langsamere Gangart. Damit zeichnet sich ab, dass das Bruttoinlandsprodukt auch im zweiten Quartal nur leicht zunehmen dürfte.

Schon zu Jahresbeginn hatte sich das Wachstum auf 0,3 Prozent halbiert. „Die deutsche Industrie befindet sich in einer ausgeprägten Schwächephase“, so Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. „Es ist im ersten Halbjahr von einem ausgeprägten Durchhänger auszugehen“, sagte auch der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel.

Ungeachtet der robusten Weltkonjunktur erwartet der DIHK keine großen Sprünge mehr nach oben im deutschen Exportgeschäft. „Seit dem 1. Juni gelten neue US-Zölle auf Stahl und Aluminium“, begründete dies Außenwirtschaftschef Volker Treier.

„Dazu kommt die Unsicherheit, dass weitere Zölle zum Beispiel auf Autos oder andere handelshemmende Maßnahmen die deutschen Exporteure treffen könnten. Von einer drohenden Ausweitung des Handelskonflikts zwischen den USA und China ganz zu schweigen.“

Brexit, Protektionismus und Sanktionen belasteten die Geschäfte ohnehin schon. Der DIHK senkte deshalb seine Prognose für das Wachstum der deutschen Exporte in diesem Jahr von 6,5 auf 5,0 Prozent.

Um das zu schaffen, müssen sich die Geschäfte in den kommenden Monaten beleben. Denn in den ersten vier Monaten zogen die Ausfuhren nur um 4,4 Prozent auf 438 Milliarden Euro an. Überdurchschnittlich gut liefen die Exporte in die Euro-Zone mit einem Plus von 7,6 Prozent. Die Lieferungen in die EU legten um 6,0 Prozent zu, die in den Rest der Welt dagegen nur um 2,0 Prozent.

Das Bundeswirtschaftsministerium sieht angesichts der schwachen Konjunkturdaten keinen Grund zur Panik. „Hierbei dürfte ein Brückentage-Effekt – der 1. Mai fiel auf einen Dienstag – eine Rolle gespielt haben“, hieß es etwa mit Blick auf den Produktionsrückgang.

Die Auftragspolster seien noch dick. Zudem wuchsen die Importe im April um 2,2 Prozent und damit so kräftig wie seit Anfang 2017 nicht mehr. Das signalisiert eine kräftige Binnennachfrage. „Der private Konsum in Verbindung mit einer ohnehin gut laufenden Bauwirtschaft spricht wieder für etwas mehr Schwung im zweiten Halbjahr“, erwartet VP-Bank-Experte Gitzel.

  • rtr
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