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Deutscher Apothekertag Apothekerverband sieht Geschäft durch Lieferengpässe bedroht

In Asien kommt es bei der Lieferung von Medikamenten häufig zu Engpässen. Das setzt Apotheken in Deutschland unter Druck, sie fordern Transparenz.
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Der Branchenverband erklärt: Mit Lieferengpässen bei Medikamenten und Rabattverträgen haben Apotheker viel Ärger. Quelle: dpa
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Der Branchenverband erklärt: Mit Lieferengpässen bei Medikamenten und Rabattverträgen haben Apotheker viel Ärger.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Apotheker in Deutschland haben immer stärker mit Lieferengpässen bei Medikamenten zu kämpfen. Rund 91 Prozent von 500 befragten Apothekeninhabern stufen den Mehraufwand, der durch Probleme bei der Herstellung und Auslieferung von Medikamenten entsteht, als größten Stressfaktor im Berufsalltag ein. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 gaben diesen Grund nur knapp 58 Prozent der Befragten an. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) hat zum Auftakt des Deutschen Apothekertages ihre Ergebnisse der brancheninternen Umfrage „Apothekenklima-Index“ vorgestellt.

Mathias Arnold, Vizepräsident der ABDA, spricht von einer „komplexen Situation“. Zwischen 2016 und 2018 hat sich die Anzahl der Lieferengpässe von fünf auf rund neun Millionen fast verdoppelt. Das zeigen Zahlen des Deutschen Arzneiprüfungsinstituts (DAPI). Im Mai etwa hatte das Bluthochdruckmittel „Valsartan“ einen Produktionsstopp erlebt, weil bei der Herstellung in China krebserregende Stoffe gefunden wurden.

„Gerade bei Patienten, die unter Dauermedikation stehen, ist das ein Problem“, erklärte Arnold. Denn eine Umstellung auf ein anderes Medikament „könnte die Therapie gerade bei älteren Patienten gefährden“, sagte der Apotheker. Auch das Schmerzmittel Ibuprofen war im Vorjahr fast zwei Millionen Mal nicht verfügbar. Für den Einzelnen sei das aber nicht so dramatisch gewesen, da es auf dem Markt Ersatzprodukte gibt. Fälle, in denen Patienten nicht versorgt werden können, gebe es selten und wenn im Krankenhaus.

Überhaupt würden Verzögerungen in der Lieferung von Medikamenten „viel Kraft und Zeit kosten“, sagte Arnold. Fast jeder fünfte der Apothekeninhaber gab an, dass für die Suche nach Ersatzpräparaten Mitarbeiter mehr als 20 Prozent ihrer Arbeitszeit aufwenden müssten. „Es ist nicht nur das“, wendet Arnold ein. „Wir müssen Rücksprache mit den Ärzten halten und das ist nicht in zwei Minuten erledigt, da kommt man nicht mal an der Sprechstundenhilfe vorbei.“ Deswegen fordert die ABDA mehr Transparenz von den Herstellern. Sollte es zu Lieferengpässen kommen, wollen die Apotheker frühzeitig informiert werden, um sich vorbereiten zu können.

Dadurch, dass die Wirkstoffe auf wenige Betriebe konzentriert in China und Indien hergestellt werden, sei das System sehr anfällig für Zusammenbrüche. „Die ganze Welt bedient sich an dem Pool“, erläutert Arnold. Er wünscht, dass sich die Produktion auf Europa verlagere. Das verhindert bislang der Kostendruck in Staat und Gesellschaft.

Einsatz der Politik gefordert

Durch Rabattverträge zwischen Herstellern und gesetzlichen Krankenkassen würde die Situation bei Lieferengpässen zusätzlich erschwert. Denn: Apotheken sind dazu verpflichtet, das Mittel des Herstellers herauszugeben, mit dem die Krankenkasse einen Rabattvertrag abgeschlossen hat, selbst wenn der Arzt ein anderes verschreibt. „Das Ergebnis sind zwei Gewinner, die Kassen und der Hersteller“, bemängelt Arnold.

Er fordert, dass die Apotheke als dritter Gewinner hervorgeht. Indem Apotheken per Gesetz verpflichtet würden, mit mehreren Herstellern Rabattverträge abzuschließen, würden Apotheken entlastet, bei Lieferengpässen Medikamente auszutauschen. Im Hinblick auf das Apothekerreformpaket von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sei das ein Punkt, der einfach anzugehen sei. „Ein langer Weg beginnt mit einem ersten Schritt“, findet der ABDA-Vize und drängt: „Irgendwann muss man den auch mal gehen.“

Mit dem Angebot neuer Dienstleistungen, will die Branche das Bild des Apothekers „als medizinischer Fachmann“ weiterentwickeln. Zum Beispiel würden rund 74 Prozent der Befragten Patienten anbieten, Blutdruckwerte auszuwerten, rund 60 Prozent können eine Diabetes-Früherkennung geben. Auch die Grippeschutzimpfung nennen knapp 35 Prozent als Kompetenz. „Hier können wir Leistung zeigen“, meint Mathias Arnold. „Wir brauchen aber eine politische Lösung dafür.“ Solange nicht klar sei, wie ergänzende Apothekertätigkeiten vergütet würden und welche Qualifikationen dazu nötig seien, könne das Dienstleistungsangebot nicht ausgebaut werden.

Am Mittwoch beginnt der Deutsche Apothekertag im Congress Center Düsseldorf (CCD). Drei Tage lang diskutieren mehr als 300 Delegierte aus 17 Apothekerkammern- und verbänden in der Hauptversammlung über die Zukunft der Branche. Am Freitag stellt sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn den Forderungen der Apotheker zum Reformpaket.

Mehr: Der Bundestag bremst Jens Spahn aus: Der Gesundheitsminister soll keine Fachaufsicht über das Gremium bekommen, das neue Behandlungsmethoden genehmigt.

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