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Deutschland Wie Angela Merkel zur Bundeskanzlerin wurde

Angela Merkel regiert Deutschland seit fast 13 Jahren. So verlief ihr Lebenslauf von der 1,0-Abiturientin zur Kanzlerin.
  • Svana Kühn
24.08.2018 - 16:51 Uhr Kommentieren
Bundeskanzlerin: Angela Merkel in Bonn
Nach der Wende in Bonn

Angela Merkel als Ministerin für Frauen und Jugend (Foto: Imago)

Dieser Artikel ist am 24. August 2018 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Wenn Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg über Angela Merkel spricht, erzählt sie gerne eine kleine Geschichte. Ihre kleine Tochter habe sie irgendwann einmal gefragt: „Mama, dürfen in Deutschland eigentlich auch Männer Bundeskanzler werden?“

Ja, sie dürfen. Aber für Menschen, die nach dem Jahr 2000 geboren sind, ist es eben selbstverständlich, dass eine Frau an der Spitze der deutschen Regierung steht: Angela Merkel (CDU) wurde am 22. November 2005 zur Bundeskanzlerin gewählt – und ist es seitdem geblieben. Am Sonntag stellt sich die 64-Jährige den Fragen der Journalisten im ARD-„Sommerinterview“. Es soll vor allem um Zukunft gehen.

Doch wie sagte unser ehemaliger Bundeskanzler Helmut Kohl so schön: „Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen.“

Darum nutzen wir einmal die Gelegenheit, um zurück zu blicken: Was hat Angela Merkel geprägt, wie kam sie an die Spitze? Auf geht’s zum Lebenslauf der deutschen Bundeskanzlerin.

Angela Merkels Lebenslauf: die Pfarrerstochter in der DDR

Merkel kommt am 17. Juli 1954 als Angela Dorothea Kasner in Hamburg zur Welt. Ihr Vater Horst Kasner ist evangelischer Theologe, ihre Mutter Herlind Kasner (Geburtsname: Jentzsch) arbeitet als Lehrerin für Englisch und Latein.

Schon ein paar Wochen nach der Geburt ihrer Tochter siedelt die Familie in die DDR über. Erst ziehen sie in das brandenburgische Dorf Quitzow (heute ein Ortsteil von Perleberg), wo Merkels Vater eine Pfarrstelle antritt. Dann geht es drei Jahre später nach Templin in der Uckermark. Dieser Ort ist der Fläche nach übrigens die achtgrößte Stadt Deutschlands – trotz nur 16.000 Einwohnern.

Kein Wunder also, dass Merkel sich vor allem an Kiefern, Heu und den Duft der Kartoffeln im Kartoffeldämpfer erinnert, als die Schauspielerin Iris Berben sie im Interview mit dem SZ Magazin nach dem Geruch ihrer Kindheit fragt. In Templin werden auch ihre beiden jüngeren Geschwister Marcus und Irene geboren.

Studium von Angela Merkel: Doktortitel der Physik

Wie Merkel heute selbst auf ihrer Internetseite schreibt, ist ihre Kindheit von christlichen Werten und der Weltoffenheit ihrer Familie geprägt. Ihre Großmutter lebte noch lange in Hamburg und schickte regelmäßig Pakete aus dem Westen.

Merkel besucht erst die Goethe-Schule und danach die Erweiterte Oberschule in Templin. Ihre besonderen Stärken liegen in Russisch und Mathematik. Sie nimmt an Mathe-Olympiaden in Brandenburg teil und gewinnt Russisch-Olympiaden erst in der Schule, später auf Kreis- und Bezirksebene. Schließlich wird sie bei einem Wettbewerb auf nationaler Ebene sogar beste Russisch-Schülerin der DDR. 1972 macht Merkel ihr Abitur mit einem Durchschnitt von 1,0 und geht zum Physik-Studium nach Leipzig.

Warum Physik? „Auch weil sich die DDR-Führung nur wenig in die Naturgesetze einmischen konnte“, schreibt sie auf ihrer Homepage. Das Studium schließt sie fünf Jahre später mit dem Diplom ab und zieht mit ihrem Kommilitonen und damaligen Ehemann Ulrich Merkel nach Ost-Berlin. Angela und Ulrich lassen sich aber nach fünf Jahren Ehe im Jahr 1982 schon wieder scheiden.

Wie hat Angela Merkel ihren Ehemann Joachim Sauer kennengelernt?

In Berlin arbeitet Angela Merkel am Zentralinstitut für Physikalische Chemie der Akademie der Wissenschaft – forscht auf dem Gebiet der Quantenchemie – und macht dort 1986 ihren Doktor in Physik. In ihrer Doktorarbeit beschäftigt sie sich mit der Berechnung von Geschwindigkeitskonstanten von Reaktionen einfacher Kohlenwasserstoffe.

Eine sehr gute Arbeit. Wie alle Doktoranden, muss aber auch sie in den „Ideologie-Unterricht“. Laut dem SPIEGEL bekommt Merkel im Fach „Marxismus-Leninismus“ aber nur die Note „ungenügend“.

An der Akademie der Wissenschaft lernt Merkel auch den Chemiker Joachim Sauer kennen. 1998, 14 Jahre später, heiraten die beiden. Beide lieben die Natur und klassische Musik. Besonders gerne gehen sie wandern oder in die Oper.

So kam Angela Merkel von der DDR-Politik zur CDU

Kurz vor der Wende engagiert sich Merkel zum ersten Mal beim „Demokratischen Aufbruch“, einer politischen Gruppierung in der DDR, die eng mit der evangelischen Kirche verbunden ist. 1990 schließt sich die Partei mit der CDU zusammen, die bei den letzten und einzigen demokratischen Wahlen der DDR zur stärksten Kraft gewählt werden. So wird Merkel 1990 zur stellvertretenden Regierungssprecherin der DDR-Regierung de Maizière.

Angela Merkel auf einem CDU-Parteitag
„Kohls Mädchen“

Angela Merkel auf einem CDU-Parteitag in Dresden 1991 (Foto: Imago)

Bei den ersten gesamtdeutschen Bundestagswahlen, die noch im selben Jahr stattfinden, bewirbt sich die heutige Kanzlerin als Direktkandidatin um einen Sitz für den Wahlkreis Stralsund- Rügen-Grimmen und zieht in den Bundestag ein. Schon bei ihrem ersten Parteitag kommt sie mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl ins Gespräch. Schnell wird ihr der Spitzname „Kohls Mädchen“ verpasst. Es folgt ein schneller Aufstieg.

Angela Merkels Steckbrief in der CDU: Ministerin, Umweltministerin, Generalsekretärin – Chefin

1991 macht Kohl sie zur Bundesministerin für Frauen und Jugend. Noch im selben Jahr kandidiert sie als stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU – mit Erfolg. Sie ersetzt Lothar de Maizière und kann sich damit in der Parteispitze etablieren.

1994 wird Merkel Umweltministerin. 1998 Generalsekretärin der CDU. In den folgenden Jahren versucht sie sich immer weiter von Kohl abzunabeln. 1999 kommt es zu einem Skandal in der CDU. Unions-Politiker Walther Leisler Kiep wird vorgeworfen, unter der Regierung Kohl Spenden an die CDU nicht versteuert zu haben. Merkel distanziert sich weiter von Kohl, jetzt auch öffentlich, um weiteren Schaden für die Partei zu vermeiden.

Doch der Start in die Bundespolitik verläuft holprig: Merkel hatte es gewagt, Kohl die Stirn zu bieten, was sie für einige Mitglieder der Partei, besonders dem rechtskonservativen Flügen, untragbar macht. Doch keiner der Landesvorsitzenden riskiert es, sich mit ihr anzulegen. Im April 2000 wählen sie die CDU-Mitglieder sogar mit 96 Prozent der Stimmen zur Parteivorsitzenden.

2005 ist dann endlich ihre Zeit gekommen: Nach mehreren verlorenen Landtagswahlen der SPD stellt der amtierende Kanzler Gerhard Schröder am 1. Juli 2005 die Vertrauensfrage, ein Antrag, durch den die Bundeskanzler überprüfen lassen, ob sie noch die Zustimmung der Mehrheit der Bundestagsabgeordneten haben. Es kommt zu Neuwahlen – und Merkel tritt an als Spitzenkandidatin der CDU.

Sie gewinnt die Wahl und wird damit Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland – als erste Frau, erste Ostdeutsche und jüngste Kanzlerin. Meistert sie noch die restlichen drei Jahre der laufenden Amtsperiode, wird sie sogar unseren ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer in Sachen Amtszeit einholen und zieht mit ihrem alten Mentor und dem bisherigen Rekordhalter Helmut Kohl gleich, der sich immerhin 16 Jahre lang im Amt als Bundeskanzler halten konnte.

Mehr: Wie viel verdienen eigentlich Polizisten?

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