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DGB-Ausbildungsreport Immer mehr Azubis sind mit ihren Stellen unzufrieden

Immer mehr Auszubildende kritisieren ihre Arbeitsbedingungen. Die Betriebe könnten daran viel ändern – vor allem in Sachen Digitalisierung gibt es Nachholbedarf.
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Digitale Fertigkeiten werden in der Arbeitswelt immer entscheidender. Quelle: Caro / Jandke
Siemens-Ausbildungszentrum

Digitale Fertigkeiten werden in der Arbeitswelt immer entscheidender.

(Foto: Caro / Jandke)

Berlin Wer ist schuld daran, dass es Unternehmen zunehmend schwerfällt, ihre Lehrstellen zu besetzen? Sind es die Firmen selbst, die die Anforderungen an die Auszubildenden zu hoch schrauben, Überstunden einfordern oder Lehrlinge den Hof kehren lassen – so wie die Gewerkschaften argwöhnen? Oder ist es schlicht ein Mangel an qualifizierten Bewerbern, die dann auch noch die nötige Einsatz- und Mobilitätsbereitschaft vermissen lassen, wie die Arbeitgeber beklage?

Fakt ist, dass die Besetzungsprobleme zunehmen. Bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) kamen bis August auf 556.000 gemeldete Ausbildungsstellen 497.000 Bewerber – 24.000 weniger als im Vorjahr. 90.000 Ausbildungsinteressenten sind aktuell noch nicht versorgt, 157.000 Lehrstellen noch nicht besetzt.

Zwar sei es noch zu früh für eine Bilanz, die traditionell erst im Oktober gezogen werde, sagte BA-Vorstandschef Detlef Scheele bei der Präsentation der Arbeitsmarktdaten am Donnerstag. Er gehe aber davon aus, dass auch in diesem Jahr wieder viele Lehrstellen unbesetzt bleiben.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) macht neben der sinkenden Zahl von Schulabgängern auch die Ausbildungsbedingungen mit dafür verantwortlich, dass viele Unternehmen bei der Suche nach Berufsnachwuchs leer ausgehen.

Im jährlich erstellten DGB-Ausbildungsreport ist die Quote der Jugendlichen, die mit ihrer Ausbildung zufrieden sind, mit 69,9 Prozent erstmals seit Beginn der Erhebung 2010 unter die Marke von 70 Prozent gerutscht. Für den Report hat die DGB-Jugend mit einem standardisierten Fragebogen knapp 16.200 Auszubildende in Berufsschulklassen befragt.

Zufriedenheit hängt vom Beruf ab

Betrachtet man die Zufriedenheit nach Ausbildungsberuf, zeigt sich seit Jahren ein relativ unverändertes Bild. Während Industriemechaniker, Mechatroniker oder Verwaltungsfachangestellte sich oft hoch zufrieden mit ihrer Ausbildung zeigen, vergeben angehende Köche, Frisörinnen, Hotelfachfrauen oder Maler und Lackierer die schlechtesten Noten. „Wo die Ausbildungsbedingungen miserabel und die Vergütung schlecht ist, sind auch die Abbruchquoten hoch und die Arbeitgeber haben Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsstellen zu besetzen“, sagte DGB-Jugendsekretärin Manuela Conte.

So gab gut ein Drittel der befragten Auszubildenden an, regelmäßig Überstunden machen zu müssen. Allerdings hat sich die Lage hier deutlich gebessert, 2010 lag die Quote noch bei gut 40 Prozent. Fast jeder achte Jugendliche unter 18 Jahren muss mehr als 40 Stunden in der Woche arbeiten, obwohl dies verboten ist.

Ebenfalls jeder achte muss immer oder häufig ausbildungsfremde Tätigkeiten ausüben. Die Ausbildungsbetriebe müssten sich an geltende Gesetze halten, forderte Conte: „Eine Ausbildung ist ein Lernverhältnis. Die Auszubildenden dürfen nicht als billige Arbeitskräfte missbraucht werden.“

Widerspruch kam vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH): „Wir als Handwerksorganisation nehmen unsere Verantwortung für eine gute Ausbildungsqualität sehr ernst und unterstützen alle Ausbildungsbetriebe mit Handlungsempfehlungen, Schulungen und individuellen Beratungen“, sagte ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer.

Ausbildungsqualität sichern

So hatte das ZDH-Präsidium im Juni ein Positionspapier zur Ausbildungsqualität verabschiedet. Es sieht unter anderem eine von gegenseitiger Achtung geprägte Führungskultur, feste Ansprechpartner für die Azubis und regelmäßige Feedback-Gespräche vor.

Am 16. September wird das Handwerk gemeinsam mit dem DGB eine Bildungskonferenz zur Ausbildungsqualität veranstalten. „Aber Ausbildung wird nur funktionieren, wenn auch die Azubis ihrerseits zum Gelingen beitragen“, sagte Wollseifer. Die persönliche Eignung, das Engagement und die Sozialkompetenzen seien ebenso wie die fachliche Eignung entscheidende Voraussetzungen für den Ausbildungserfolg.

Um die Ausbildungsqualität zu verbessern, hatte das Bundeskabinett im Mai einen Gesetzentwurf von Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) für die Novelle des Berufsbildungsgesetzes verabschiedet. Er sieht unter anderem eine Mindestausbildungsvergütung von zunächst 515 Euro pro Monat im ersten Lehrjahr vor.

Die DGB-Jugend fordert aber weitere Verbesserungen. So sollten beispielsweise die Rückkehrpflicht in den Betrieb nach der Berufsschule abgeschafft und Azubis für die Prüfungsvorbereitung freigestellt werden. Auch müsse die Ausbildung kostenfrei gestaltet werden – auch was die Ausstattung mit Laptops oder Tablets angehe.

Digitaler Nachholbedarf

Bei der Vorbereitung auf die digitale Arbeitswelt sehen die Gewerkschaften aber ohnehin noch viel Nachholbedarf. So gaben rund 80 Prozent der Befragten an, dass Digitalisierung und Automatisierung in ihrer Ausbildung wichtig oder sehr wichtig sind. Doch nur 54 Prozent sehen sich während der Ausbildung gezielt darauf vorbereitet, digitale Technologien auch zu nutzen. „Diese Zahlen machen uns Sorge“, sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. „Berufsschulen und Betriebe müssen gleichermaßen besser werden.“ Die Mittel aus dem Digitalpakt Schule müssten auch in den Berufsschulen ankommen. Nur gut jeder dritte Auszubildende beurteilt die digitale Ausstattung seiner Berufsschule als gut oder sehr gut.

Mit zunehmender Unternehmensgröße steigt auch das Engagement bei der Vorbereitung auf die digitale Arbeitswelt. So gaben in Großunternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern 70 Prozent der Auszubildenden an, gezielt für digitale Technologien qualifiziert zu werden. In Betrieben mit fünf bis zehn Mitarbeitern sind es nur 45 Prozent.

Handwerkspräsident Wollseifer sagte, es sei dem ZDH ein wichtiges Anliegen, gerade Klein- und Kleinstbetriebe verstärkt dabei zu unterstützen, Fachkräftenachwuchs zu finden und zu binden. Nötig sei etwa die Förderung regionaler Qualitätsberater zur Betreuung von Klein- und Kleinstbetrieben an den Handwerkskammern.

Mehr: Die duale Ausbildung muss schnellstmöglich im digitalen Zeitalter ankommen – dafür bedarf es jedoch einer Reform es Berufsbildungsgesetzes.

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