Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

DGB-Vizechefin Elke Hannack „Vorzeigeunternehmen müssen über Bedarf ausbilden“

Konzerne müssen bei der Ausbildung Vorbilder sein, sagt die Vize-Vorsitzende des DGB. Auch die Konzernchefs sollten persönlich Verantwortung übernehmen.
Kommentieren
Die stellvertretende DGB-Vorsitzende erwartet von führenden Konzernen in Deutschland höhere Ausbildungsquoten. Quelle: dpa
Elke Hannack

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende erwartet von führenden Konzernen in Deutschland höhere Ausbildungsquoten.

(Foto: dpa)

Berlin Frau Hannack, wie bewerten Sie, dass Dax-Konzerne immer weniger Lehrlinge ausbilden?
Das ist besorgniserregend. Es hat mich überrascht, dass nur fünf Konzerne zugelegt haben, die meisten aber weniger ausbilden. Das geht nicht. Unsere führenden Konzerne haben hier eine herausragende Verantwortung. Wenn ein Kleinbetrieb mit zwei Gesellen noch einen Azubi einstellen kann, dann erwartet man von Großunternehmen ganz andere Quoten.

Die Quote ist vielfach niedriger als im Mittelstand.
Leider. Gerade weil insgesamt nur noch 19,8 Prozent aller Betriebe überhaupt ausbilden, haben Konzerne eine Vorbildfunktion. Denn wenn Kleine sehen, dass die Großen so wenig ausbilden, fragen sie sich natürlich: „Warum soll ich ausbilden, wo mir das doch viel schwerer fällt?“ Wenn ein Betrieb mit 5.000 Mitarbeitern nur 150 Azubis hat, ist das viel zu wenig. Da müssen die Konzerne eine Schippe drauflegen.

Wo sehen Sie die Gründe?
Das wird oft mit den Kosten begründet. Azubis, Ausbilder und deren Weiterqualifizierung kosten. Das ist aber gut investiert. Deshalb setzen sich die Gewerkschaften in den Betrieben für Ausbildung ein. So hatte zum Beispiel Siemens Anfang 2017 angekündigt, seine Trainingscenter zu halbieren, ein Drittel der Ausbilderstellen zu streichen und Lehrstellen und duale Studienplätze zu reduzieren. Einen Großteil der Pläne konnten Betriebsrat und Jugendvertretung aber verhindern.

Ist das ein Thema für die Allianz für Ausbildung?
Dort sitzen die Verbandsleute der Wirtschaft am Tisch. Die sagen einem im Vertrauen durchaus, dass sie es gern sähen, wenn die Unternehmen mehr ausbilden würden – können ihre Mitglieder aber zu nichts zwingen.

Und die Politik?
Es wäre hilfreich, wenn die Kanzlerin Dax-Konzerne mal zu einem Gipfel „Verantwortung für Ausbildung“ einladen würde. Der Wirtschaftsminister könnte konkrete und belastbare Zielvereinbarungen mit ihnen treffen, die Ausbildung auszubauen. Anders als bei der Allianz hätte das den Charme, dass die Bosse persönlich Verantwortung übernehmen würden – bei sehr überschaubaren Kosten.

Fast alle bilden nur für den eigenen Bedarf aus.
Vorzeigeunternehmen dürfen sich hier keinen schlanken Fuß machen, sondern müssen über Bedarf ausbilden. Die große Masse der Ausbildung schultern ohnehin Mittelstand und Handwerk. Wenn jeder nur noch für sich selbst ausbildet, suchen 80 Prozent der Betriebe künftig ihre Fachkräfte nur noch im Ausland. Früher haben Großbetriebe bewusst über Bedarf ausgebildet und dann die Besten übernommen.

Viele stellen verstärkt duale Studenten ein.
Das ist gut, aber wir brauchen auch Ausbildung für junge Leute ohne Abitur. Auch Hauptschüler können Mechatroniker werden. Ein Ausbildungsleiter bei Bosch hat mir berichtet: Man muss Jugendliche mehr an die Hand nehmen als früher, auch mal Nachhilfe organisieren, dann geht das.

Bilden deutsche Konzerne weniger aus, weil sie anders als Mittelständler noch genug Fachleute finden?
Die Gründe sind von Unternehmen zu Unternehmen verschieden. Dort wo es gute Tarifverträge gibt, wird mehr bezahlt. Die Bedingungen sind besser und die Ausbildung ist attraktiver. Kleinbetriebe, die nicht tarifgebunden sind, haben da oft das Nachsehen. Wenn sie ihre Fachkräfte halten wollen, müssen sie hier nachziehen.

Frau Hannack, vielen Dank für das Gespräch.

Startseite

Mehr zu: DGB-Vizechefin Elke Hannack - „Vorzeigeunternehmen müssen über Bedarf ausbilden“

0 Kommentare zu "DGB-Vizechefin Elke Hannack: „Vorzeigeunternehmen müssen über Bedarf ausbilden“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote