Die Grünen Kretschmann entfacht Diskussion um Kanzlerkandidaten

Gerade einen Tag ist Winfried Kretschmann als Ministerpräsident von Baden-Württemberg im Amt, schon muss er die Frage nach einem grünen Kanzlerkandidaten beantworten. Joschka Fischer - ist sein Vorschlag.
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Kaum als Ministerpräsident im Amt, stellt Winfried Kretschmann die Frage nach dem Kanzlerkandidaten. Quelle: dapd

Kaum als Ministerpräsident im Amt, stellt Winfried Kretschmann die Frage nach dem Kanzlerkandidaten.

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BerlinDer erste grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann war noch keine 24 Stunden im Amt, da sprach er schon vom Grünen-Bewerber für das Kanzleramt. Ex-Außenminister Joschka Fischer wäre ein attraktiver Kandidat, verriet er Donnerstagabend nur wenige Stunden nach dem bislang größten Triumpf seiner Partei. "Ich könnte mir vorstellen, dass ich ihn anrufe", sagte der neue Regierungschef Baden-Württembergs. Aber ob die Grünen Fischer um die Kandidatur bitten würden, "da warten wir bitte ein bisschen ab".

Nichts scheint mehr unmöglich für die einstige Protestpartei. Auch bei der Bürgerschaftswahl in Bremen kommende Woche wird sie wohl ihren Höhenflug fortsetzen. In dem traditionell sozialdemokratisch geprägten Stadtstaat wird sie die SPD den Umfragen zufolge zwar nicht wie in Baden-Württemberg überholen. Aber die prognostizierten 24 Prozent reichen, um erstmals die CDU an der Weser zu überholen. Auch in bundesweiten Umfragen legen die Grünen stetig zu. "Wir sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen", bilanzierte Kretschmann im ZDF.

"Wenn eine Partei konstant gute Umfrageergebnisse einfährt, dann macht es Sinn, mit einer Person zu werben", sagt Parteienforscher Gero Neugebauer. Das wissen auch die Grünen, die zwar offiziell jede Frage nach einem Kanzlerkandidaten weit von sich weisen, intern aber schon überlegen, wie sie sich für die Bundestagswahl 2013 aufstellen. Vielen ist klar: Bleibt das hohe Niveau der Umfragewerte erhalten, kommen die Grünen erstmals um einen Kanzlerkandidaten kaum herum.

Ginge es nach Popularität, wäre Fischer erste Wahl. In Umfragen wird ihm am ehesten zugetraut, das Zeug zum Kanzler zu haben. Als Außenminister war er sehr beliebt, seine Durchsetzungsfähigkeit stellte er unter Beweis, als er den pazifistisch ausgerichteten Grünen die Zustimmung zum Kosovo-Krieg abrang. Allerdings löst der 63-Jährige nicht bei jedem Grünen eitel Freude aus, unvergessen sind die rüden Auftritte des politischen Alpha-Tiers.

Zu befürchten wären zudem neue Rivalitäten. Die jetzigen Vorsitzenden der Bundestagsfraktion, Renate Künast und Jürgen Trittin, würden Fischer kaum ohne weiteres akzeptieren. Da Fischer sich 2005 aus dem aktiven politischen Parteigeschäft verabschiedet hat, fehlt ihm auch die eigentlich notwendige enge Bindung an die einzelnen Partei-Gremien und -Zirkel. "Ich glaube nicht, dass er es machen wird", meinte denn auch Kretschmann.

Infrage kämen auch Künast und Trittin. In der Tat geben sich die beiden früheren Bundesminister schon seit Monaten betont staatstragend. Trittin im feinen Zwirn und mit wohlgesetzten Argumenten in Bundestagsdebatten erfüllt schon rein formell Voraussetzungen für höhere Ämter. Künast schickt sich an, im September in Berlin den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) abzulösen und damit ihre Regierungsfähigkeit unter Beweis zu stellen.

Beide stehen jedoch jeweils für einen Flügel der Partei und gelten nicht als Integrationsfiguren für den Zusammenhalt von Realos und linkem Flügel. Bleiben als Alternativen die Parteivorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir. Aber Roth werden für den Job kaum Chancen zugerechnet. Özdemir, der als Migrantenkind und recht junger Politiker einen echten Aufbruch darstellen würde, hat zu wenig Rückhalt in der Partei.

Sucht man weiter nach grünen Spitzenpolitikern, kommt man an Kretschmann kaum vorbei. Der könnte sich bis 2013 als erfolgreicher Regierungschef empfohlen haben. Außerdem wäre unter ihm ein Bündnis mit SPD oder Union denkbar.

Womöglich stellt sich die K-Frage für die Grünen aber doch nicht. "Im Augenblick ist es dafür noch viel zu früh", sagt Forsa-Chef Manfred Güllner. Die Grünen müssten erst einmal ihre hohen Werte bis Anfang 2013 halten. "Es passiert ja nicht jeden Tag ein neues Fukushima", sagt er mit Blick auf die japanische Atomkatastrophe, die den Grünen scharenweise Wähler zutrieb.

  • rtr
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14 Kommentare zu "Die Grünen: Kretschmann entfacht Diskussion um Kanzlerkandidaten"

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  • Na das wäre doch mal was Neues. Ein Bundeskanzler dem man weder wegen einer gefälschten Dissertation noch einer sonstigen abgeschlossenen Ausbildung an den Karren fahren könnte. Kein Fallstrick wegen eines unberechtigten Doktortitel, kein Adelstitels, lediglich eine abgebrochene Lehre würde u. U etwas Schatten auf diese Lichtgestalt werfen. Dafür harte Jahre als Straßenkämpfer, Steinewerfer, Hausbesetzter, Polizisten-Schläger, RZ- und RAF-Sympathisant, Mitglied in der Studentenbewegung (warum auch immer) und zurzeit bestens bezahlter Berater der Industrie. Das würde doch was im Ausland hermachen, so Jemanden hat keiner Regierung weltweit.

  • Kretschmann war früher Mitglied im KBW, über den in einem langen sehr lesenswerten Beitrag in Wikipedia u.a. folgendes steht (Zitat): Ideologisch stand er dem Maoismus nahe und sympathisierte mit Regimen wie der Volksrepublik China, Albanien oder Kambodscha unter Pol Pot...der ugandische Diktator Idi Amin galt im KBW als ein fortschrittlicher Staatschef..zugleich wurden viele eigentliche Freiheits- und Emanzipationsbewegungen vom KBW aktiv unterstützt, z. B. ... auch der sich später als totalitärer Diktator erweisende Robert Mugabe in Simbabwe.(Zitatende)
    Eine solche Geisteshaltung kann man eigentlich nicht mit Jugendsünde entschuldigen, sondern sie offenbart schon eine prägende, in den Denkmustern verankerte Grundhaltung, die man nicht so einfach ablegt

  • @Anonymer Benutzer: Direkt, klauswagner und Anonymer Benutzer: Tepco

    Ich danke euch! Ihr sprecht mir aus der Seele!!! Habe auch das zdf-Interview mit Kretschmann gesehen und dann nur zustimmen: neben erbärmlichen Kommentaren gibt es leider viel zu oft erbärmliche Berichterstattung. Bei letzterem ist es traurig, dass die Menschen, die dies verzapfen auch noch für den Mist bezahlt werden und zudem die Chance verpassen die Bevölkerung über die wirklich wichtigen Themen der Zeit aufzuklären!

  • Hoffentlich. Das Traurige ist, dass solchen großspurigen Ankündigungen selten Taten folgen - wodurch eine großartige Chance vertan wird, das durchschnittliche intellektuelle Niveau der verbleibenden Wohnbevölkerung signifikant anzuheben.

  • Volle Zustimmung. Die Qualität der Berichterstattung (nicht nur) im Handelsblatt ist oftmals erbärmlich. Wer die Fakten derart verdreht, um eine billige Schlagzeile zu erheischen, sollte vor Scham im Boden versinken, wenn er sich daran erinnert, was der Begriff "Journalismus" einmal bedeutet hat.

  • Leider reissen oft gerade jene die Klappe besonders weit auf, die keinerlei Sachkenntnis haben. Beispiel E10: Der grüne Parteitag hat sich bereits 2007 gegen einen Beimischungszwang ausgesprochen.

  • Was ist denn das wieder für ein realitätsverzerrender Artikel? Wer das Interview gesehen hat, der weiß, dass nicht Kretschmann mit dem Thema angefangen hat, sondern von einem Nachrichten-Moderator (dem offensichtlich keine intelligentere Frage einfiel!) nach einem grünen Kanzlerkandidaten gefragt wurde.
    Was soll er auf solche Scherzfragen denn bitte antworten? Er hat ja schließlich darauf hingewiesen, dass heute noch niemand weiß, wie die Welt in zwei Jahren aussieht.

    Der Artikel ist in meinen Augen reine Schaumschlägerei, wo Dinge aufgeblasen werden, die überhaupt keine Relevanz besitzen.

  • Womit du die Korrektheit meines Beitrags noch einmal eindrucksvoll bestätigt hast.

  • Wenn Joschka, der Steinewerfer, auch nur Kanzlerkandidat wird, verlasse ich mein Vaterland.

  • @Schulte

    würde ich auch sagen, wenn ich Politiker wäre und den Wunsch hätte aus dem großen Fressnapf zu fressen. Worin unterscheiden sich Menschen, die DSDSDSD oder Dschungelcamp schauen von denen die einem deutschen Politiker etwas Gutes abgewinnen können? Es gibt keinen Unterschied. Beide sind naiv und glauben an den Weihnachtsmann.

    Worin unterscheidet sich ein Politiker von einer Prostituierten? Es gibt keinen Unterschied. Man schämt sich bei beiden ihrer Verwandtschaft.

    Wären sie doch alle Fallschirmspringer, so wie es einst der Möllemann war.

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